Hallo! Ich bin Armand de Courdeaux. Meine stechenden grünen Augen und mein
langes braunes Haar verstärken die Wirkung meiner bleichen Haut. Ich bin ca.
1,80 m groß und wiege knapp 71Kg, man könnte sagen , dass ich für „meine“ Zeit
sehr groß und schlank bin. Nachdem ich jetzt etwas von mir erzählt habe, möchte
ich Ihnen etwas über dieses Buch verraten. Es handelt von meinem Leben.
Eventuell klingt das für Sie langweilig und schnulzig, aber lassen Sie mich das
erklären.
Ich bin ein Vampir! Seit ungefähr 400Jahren geistere ich schon in der Welt der
Sterblichen herum. Ich bin sicher Sie glauben mir kein Wort, aber deshalb habe
ich dieses Buch geschrieben. - Ich versuche, Ihnen die Welt der „Untoten“ etwas
näher zu bringen. Dieses Buch handelt von meinen Gefährten und wie wir die
Jahrhunderte überstanden haben. Aber ich rede zuviel, am besten Sie blättern um
und beginnen, das erste Kapitel zu lesen. Also wir hören voneinander.
Kapitel I
Der Anfang
Am 11.Juni im Jahre 1581 bin ich um ca. 6.00Uhr in der Früh geboren.
Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, einige Kilometer vom jetzigen Marseille
entfernt. Mit Louis, Pierre und Perrine, meinen jüngeren Geschwistern, war ich
der „Mann“ in unserer Truppe. Ich zählte gerade erst zehn Jahre und wusste
nicht, wer unsere Eltern erstochen hatte und in unser Land einmarschiert war.
Durch Arbeiten und Diskretion sicherten wir uns unser Überleben. 1592 wurde
wieder ein Angriff auf unsere Gegend verübt. Starke Kämpfe erschütterten die
Mutter Erde. Anfang September griffen die Unbekannten unser Haus an, sie
plünderten es aus und durch meine Unvorsichtigkeit wurde auch noch Perrine von
ihnen vergewaltigt und anschließend durch ein spanisches Schwert eines großen
finsteren Kriegers hingerichtet. Meine Qual war unermesslich. Sie war gerade
erst acht Jahre alt; dass ich vorher ein mehr oder weniger munterer,
lebensfreudiger und optimistischer Junge war, konnte man jetzt nicht mehr im
geringsten ahnen. Ich versank in Selbstmitleid. Meine Brüder versuchten alles,
um mich wieder auf die Beine zu bringen, doch nichts half. Und im Laufe der Zeit
wurden auch sie Opfer dieser Unbekannten, was mich natürlich nicht gerade
aufbaute.
Im Jahre 1594 wanderte ich nach Italien aus. Ich bemerkte, dass ich ziemlich gut
zeichnen konnte und bemühte mich um eine dementsprechende Lehrstelle. Diese
erhielt ich beim Franzosen Santiego. Er fristete sein Dasein in einem großem,
düsteren aber dennoch schönem Haus am Rande der Stadt Florenz. Seine Präzision
beim Zeichnen von abstrakten Gegenständen war verblüffend. Die Figuren „lebten“
förmlich auf seiner Leinwand und die Lebewesen drangen mit ihren mysteriösen
Blicken in eines jeden Herzen, als würden sie die Gedanken des Betrachters
lesen. Mir erschien es nicht natürlich, das ein Sterblicher derart zeichnen
konnte. Er lehrte mich das Zeichnen, als ob ich sein Gefährte gewesen wäre.
Durch ihn lernte ich, Menschen zu schätzen. Ich gewann meine Lebensfreude und
meinen Optimismus zurück. Ich lernte lieben.
Nur eins machte mir zu schaffen: Jede Nacht verschwand Santiego auf mysteriöse
Weise aus unserem Zimmer und kehrte erst nach ein paar Stunden zurück. Tagsüber
verweilte er in seinem Kellergewölbe, wo er, wie ich dachte, an neuen Bildern
arbeitete. Dies war etwas, was er mir vorenthalten hatte. Nie habe ich ihn
persönlich beim Malen gesehen. Erst als ich mit 18 Jahren von der Pest befallen
wurde, offenbarte er mir seine wahre Natur.
„Hör zu, mein Junge. Ich bin nicht der, der zu sein ich vorgebe.“
„Ich weiß“, antwortete ich ihm,“ du bist kein Aristokrat aus Paris, sondern ein
Bauernsohn, irgendwo aufgewachsen an der Grenze zwischen Frankreich und
Italien.“
Mitleid und Verständnis erfüllte sein Gesicht. Angst war der Ausdruck in meine
Augen. Er sandte mir Bilder, die ich damals für unaussprechlich hielt.
Ein Mann in der Blütezeit seiner Jahre, kniete vor einem Haufen toter Menschen.
Er selbst, total verzweifelt, brüllte in die Nacht hinaus und verfluchte die
gesamte Menschheit. Seine Frau, seine drei Geschwister und sein Sohn, lagen
aufgeschlitzt am Boden, und eine Blutlache quoll aus ihren toten Körpern.
Das plötzliche Aufspringen des von Schreikrämpfen geplagten jungen Mannes und
das darauffolgende hektische Wegrennen versetzte mich in einen erneuten Schock.
Santiego ließ nun die Bilder eine kurze Zeit lang ruhen. Darauf folgte, nach
einer Atempause, eine erneute Bilderflut.
Derselbe junge Mann, umgeben von seinem großen Himmelbett, lag mit einem
Umschlag auf der Stirn krank in seinem Kissen eingehüllt. Ein Windstoß! Die
warme Luft des schwülen Sommers drückte auf seine Lungen. Er fing an zu zittern,
seine Haut wurde bleich und kurz bevor der letzte Lebenshauch aus ihm wich,
konnte man IHN sehen! Groß und blutrünstig wie ein Wolf. Seine blutverschmierten
Zähne blitzten im fahlen Licht der Kerzen auf. Entsetzen in dem totenbleichen
Gesicht des Mannes. Die Kreatur schlug seine spitzen Fangzähne in seine
Hauptschlagader und ließ den jungen Mann von dem Blut, welches dem Handgelenk
der Kreatur entschwand, trinken. Ein Aufschrei! - Der zuvor kranke und hagere
Mann war nun gesund und erfreute sich der neu erworbenen Kräfte.
Jetzt konnte ich ihn erkennen, es war mein Lehrmeister und mein Geliebter, der
von diesem Ding zu einem Wesen der Dunkelheit verbannt worden war. Übelkeit
machte sich in mir breit. Ich lebte und liebte mit einem Vampir!
Kapitel II
Die Verwandlung
Ich war entsetzt über die wahre Natur von Santiego. Warum er sich nicht
veränderte, wie er so zeichnen konnte und weshalb er nie mit mir den Tag
verbracht hatte, oder warum wir nie zusammen dinierten, dies waren Fragen, auf
die ich immer eine Antwort haben wollte und ich sie nun nicht mehr wissen
wollte. Er unterbreitete mir ein Angebot.
„Armand, du leidest! Sage mir, wenn es unerträglich ist. Ich werde dich erlösen.
In beidseitiger Hinsicht!“
„Wie meinst du das, würdest du mich auch blutrünstig ermorden ?“
„Nun hör doch...“
„Nein! Du hörst mir zu. Fünf Jahre lang hast du mich angelogen, mir vorgespielt,
du wärst eine geschäftige, „lebende“ Person! Alle, die ich je geliebt habe, sind
gewissermaßen tot. Ich sterbe sowieso, nie würde ich es verkraften, wenn du mich
tötest!“
„Ich will dich nicht leiden sehen! Ich musste es geheim halten, um deines Lebens
willen. Man hätte dich getötet, wenn du es gewusst hättest, von den Anderen!“
Die Anderen! Ich war entsetzt, aber die Logik, die ich in seinen Worten fand,
war für mich (irgendwie) einleuchtend. Er liebte mich wirklich und er würde mich
für immer und ewig beschützen. Ich hatte die Wahl, entweder ich würde qualvoll
und langsam sterben, oder Santiego würde mir einen kurzen, schmerzlosen Tod
schenken. Er spürte meinen inneren Kampf. Ich wollte leben, aber ohne Schmerzen,
ich wusste , was er machen würde und trotzdem wehrte ich mich mit all meinen
noch verbliebenen Kräften, als Santiego seine Zähne in meinen Hals bohrte, das
Blut heraus sog und schließlich, bevor der letzte Lebenshauch entweichen konnte,
abließ. Er schlitzte sich die Brust auf und drückte meinen Mund an seine
klaffende Wunde, wo das heiße, lebenspendene Blut heraus quoll. Übelkeit
umfasste im ersten Moment meinen Körper, doch als diese wohlschmeckende
Flüssigkeit in meinen Mund floss, spürte ich ein starkes Verlangen nach mehr.
Ich klammerte mich krampfhaft an ihn und nahm immer mehr vom Lebenssaft auf. Wie
ein Baby, das Hunger hat, hing ich an ihm, er versuchte mich wegzustoßen und
brüllte ständig, dass es genug sei. Doch ich konnte nicht aufhören, bis ein
plötzlicher Krampf meinen Körper erfasste. Ich wand mich hin und her, ein
starker stechender Schmerz jagte durch meine Glieder, bis nach ein paar Sekunden
alles aufhörte. Die Schmerzen waren vorüber, ich fühlte mich stark und
kerngesund. Santiego lag in einer Ecke und sammelte neue Kräfte.
Ich spürte, dass ich in etwas lag. Ein kurzer Anflug von Übelkeit und Entsetzen
machte sich in mir breit. Mein „toter“ Körper schied alle sterblichen Überreste
aus. Ich lag in meinen eigenen Exkrementen . Gleichgültigkeit!
Ich wusch mich und Santiego brachte mir frische Kleider. Erst jetzt wurde mir
bewusst, was sich verändert hatte. Ich hörte die Menschen unten auf der Straße
„denken“. Ich roch das Blut aus dem Gefängnis, welches zwei Häuser weiter
errichtet wurde. Und ich sah alles in einem anderen Licht. Die Gegenstände in
unserem Schlafzimmer schienen zu leben, sie taten es aber nicht.
Ich widmete mich nun einem ganz anderen Gefühl. Mich erfüllte das Verlangen nach
dem hübschen Dienstmädchen, welche gerade draußen im Flur den Boden fegte. Ich
sprang von meinem Bett auf und spürte meine enormen Kräfte, stampfte hinaus und
befahl dem Mädchen zu kommen. Ich spürte ihre Verlegenheit, da ich noch nicht
meine Hose an hatte. Ich empfand nicht das geringste Verlangen nach ihren
wohlgeformten Körper, wie es sonst bei mir bei Frauen der Fall war. Ich sah
nicht die Erregung die sie erfüllte und ihre Brüste anschwellen ließ, nur das
pulsierende Blut!
Ich umfing sie mit meinen Armen und drückte meine messerscharfen Zähne in ihre
Schulter. Sie schrie vor Erregung auf, denn sie ahnte nicht was mit ihr geschah.
Erst als ich von ihr abließ und sie ihr blutgetränktes Kleid sah, erkannte sie
in welchen Klauen sie sich befand. Ich fiel über sie her wie ein hungriger Wolf.
Kurze Zeit später war sie nur noch eine sterbliche Hülle entrissen ihres Blutes.
Ich fühlte mich wie neugeboren. Strotzte nur so vor Kraft.
Santiego wies mich in das Leben der Unsterblichen ein . Ich lebte um zu töten,
nahm Menschen ihr Leben um meines zu erhalten. Nichts, außer die Sonne, Feuer
und die Verstümmelung meines Körpers könnte mich töten. Ich würde für alle
Ewigkeiten jung bleiben und könnte nie Kinder im sterblichen Sinne zeugen. Ich
kann Gedanken lesen und stumm Befehle erteilen. Das übliche Gerede über
Knoblauch, Weihwasser, Kruzifixen, Pflock durchs Herz und die Behauptung wir
würden auf Friedhöfen leben, waren bzw. sind noch Hirngespinste der Sterblichen.
Was das „Fliegen“ an belangt, so konnten nur wenige Untote diese Fähigkeit nach
einer mindestens 200-jährigen Existenz erlangen. Ich dürfte nie ein Kind oder
ein Tier die Gabe der Finsternis geben. In dem Falle das es geschehen sollte,
dann würde ich von stärkeren, älteren Vampiren stets verfolgt und irgendwann
getötet werden. Je älter desto stärker wurde man, es sei denn man bekommt Blut
eines sehr alten Vampirs zugeflößt, dann konnte man schon im jungen Alter
verhältnismäßig viel Kraft besitzen. Manche konnten Kraft ihrer Gedanken
Gegenstände bewegen, oder Dinge in Flammen aufgehen lassen.
All dies versetzte mich in tiefste Erregung. In meinem sterblichen Leben war ich
ein Nichts was nichts konnte, jetzt aber bin ein Wesen von allen gefürchtet und
verachtet, dabei aber immer noch stark, schön, jung und mächtig. Mich überfiel
eine Welle von starkem Egoismus und Selbstgefälligkeit. In den ersten Jahren
kannte ich das Gefühl von Reue oder Mitleid nicht. Ich ruhte, tötete und reiste
mit Santiego quer durch die Welt, Eines meiner Lieblingsstädte war und ist
(natürlich) Paris!
Kapitel III
Der Reisende
1628 kamen wir zurück in die „Alte Welt“.
Wir waren 29 Jahre unterwegs und haben alles in der Neuen Welt gesehen. Santiego
war erschöpft von der langen Reise und wollte nur noch in sein Haus und in
seinen Sarg. Wir kamen an einem kalten, nassen Abend am Hafen in Nantes an.
Santiego wollte gleich in Richtung „Heimat“ weiterreisen, doch ich entschied
mich meinem Jugendtraum endlich zu folgen: Paris!
Ich fuhr mit der Kutsche etwa zwei Tage zur Hauptstadt Frankreichs, in die Stadt
des Königs Ludwig den XIII. Sitz des Kardinals Richelieu. Ich zog an der Loire
entlang bis Orléans und dann nach Norden bis Paris. Dort angekommen nahm ich mir
ein Hotelzimmer in der Rue de Rivolie. Mein nächstes Ziel war Notre Dame; die
riesige Kathedrale war überwältigend und es waren auch genug „Leckerbissen“
vorhanden in den kleinen Einbuchtungen des gewaltigen Gebäudes.
Und plötzlich spürte ich es, ich wußte nicht was es war, doch es kam mir
vertraut vor! Ich folgte meinem Gefühl und erblickte IHN! Er war von großer
Statur und hatte lange goldblonde Haare, lange Wimpern und traumhafte grüne
Augen. Und wieder spürte ich dieses etwas, das Gefühl jemanden zu treffen mit
dem man in gewisser Weise verbunden ist. Ich sollte später herausfinden, das
diese Empfindung immer dann Auftritt, wenn ein Unsterblicher in der Nähe ist. So
etwas wie ein Frühwarnsystem. Ich war verunsichert, ist er mir nun gut gesonnen,
oder sollte ich mich vor ihm hüten. Nach all den vergangenen Jahren stand ich
jetzt allein da und hatte nicht mehr die Hilfe von Santiego, 'mon Dieu, wäre er
doch bei mir und würde mir beistehen!' Bevor ich überhaupt in der Lage war zu
reagieren, kam dieser unwiderstehliche Kerl schon auf mich zu und umarmte mich!
Völlig gebannt und geschockt stand ich nun vor ihm und wußte nicht wie ich
handeln sollte, jedoch trat nun ein anderes Phänomen auf. Ich sah wieder Bilder,
solche von der Natur, die ich auch bei Santiego gesehen habe, nur das diese hier
von Pierre kamen!
Den restlichen Abend verbrachten wir damit, uns kennen zulernen, wir saßen in
einem kleinen Cafe´ mit Blick auf die Kathedrale von Notre Dame. Wir redeten
nicht, sahen uns nur an, bewegten uns auch nicht im geringsten, aber in unseren
Köpfen ging es heiß her. Schnell lernte ich durch nonverbale Art mit ihm zu
kommunizieren, ich erfuhr auch, da mich es verwunderte, dies nicht mit Sanitego
tun zu können, das dies nur mit anderen Vampiren funktioniert und nicht mit dem
"Vater"!
Vom ersten Moment an waren wir unzertrennlich, wir gingen gemeinsam auf die
Jagd, raubten unsere Opfer aus und lagerten unsere Beute in meinem Hotelzimmer.
Nach fünf Jahren hatten wir soviel Gold erbeutet, dass wir es uns leisten
konnten eine prächtige Villa am Stadtrand zu erwerben.
Dies war nun der Beginn einer neuen aufregenden Zeit für mich, voller
Sorglosigkeit und intensiver Leidenschaft! Unser größter Spaß war es, regelmäßig
prunkvolle Parties zu geben und dabei immer ein paar der einflussreichsten
Herrschaften von Paris und Umgebung zu empfangen. Sie schmeckten so unheimlich
süß und verdorben in ihren Charakteren. Zuerst haben wir immer den Anschein
gewahrt, als gäbe es nur einen bestimmten gesellschaftlichen Anlass, das dieses
Zusammenkommen rechtfertigte. Doch ab dem Moment, wo die werten Herrschaften
sich mit ihrem Alkoholkonsum weit über ihrer Grenze befanden, fing für uns der
Spaß erst an.
Wir bahrten einen nach dem anderen auf den Tischen auf und schnitten ihre
Halsschlagadern ein wenig auf, dann das gleiche mit ihren Hauptschlagadern am
Handgelenk. Sie verbluteten langsam unter Schmerzensschreien. Wir hatten damals
ein ausgeklügeltes System entwickelt, um all das Blut zu sammeln. Die Tische
standen schon an ihren festen Positionen und dort, wo das Blut hinunterlief,
hatten wir eine Art Röhrensystem, das alle Tische miteinander verband und dann
an unserem Tisch mit einer Art Pumpemsystem in unsere Gläser gedrückt wurde. Wir
tranken uns jedesmal satt und wenn wir noch genug heißes Blut übrig hatten, dann
schlossen wir eine Brause an unser System. Wir zogen uns dann aus und tanzten
unter einem Blutregen, liebkosten uns in unserem Rausch und küssten uns das
ganze Blut zärtlich von unseren unsterblichen Körpern. Es war eine Zeit in der
ich von Glück, Liebe, Leidenschaft und Erotik verschlungen wurde. Ich war
geblendet von all diesen Dingen und sie ließen mich all das vergessen, was ich
von Santiego gelernt hatte.
Irgendwann einmal kam Pierre auf einen ziemlich ungewöhnlichen Gedanken, der
mich im ersten Moment abschreckte, jedoch war ich zu neugierig, was passieren
könnte, dass ich mich Hals über Kopf in diese fixe Idee vernarrt habe! Seine
Idee war es auszuprobieren, was geschieht, wenn Vampire untereinander ihr Blut
austauschen würden! Würden sie daran zugrunde gehen, die Fähigkeit der
nonverbalen Kommunikation verlieren oder würden sie ihre allgemeinen Kräfte
verstärken können? Aus purer Neugier und Langeweile vom Alltag versuchten wir es
an einem ruhigen und bedeutungslosen Abend im Dezember... Und was dabei
herauskam war mehr als nur überwältigend. Nunja, wir verloren tatsächlich die
Fähigkeit uns telepathisch zu verständigen, doch unsere verschiedenen Kräfte
vereinten sich, so war und wusste einjeder den anderen. Aber die Hauptsache war
das Gefühl an sich, wenn wir beide uns leidenschaftlich in den Hals bissen und
dann das Blut des jeweils anderen in unseren Adern strömte. Es war wie eine
Sucht, wir vergaßen die gesamte Welt um uns herum. Wir feierten keine
Blutparties mehr, sondern verschlangen jede Nacht die Säfte des anderen, immer
und immer wieder!
Doch irgendwann dürstete es uns wieder nach frischem Blut, man kann halt nicht
davon leben, sich nur gegenseitig auszusaugen. Das war ein Problem, denn in dem
Moment wo Pierre wieder frisches pulsierendes Blut in seinen Adern spürte war es
auch schon vorbei mit unseren leidenschaftlichen Extasen. Er entdeckte seine
Vorliebe für das Morden wieder neu und es ging wieder von vorne los, all die
Parties und das viele Töten! Ich hatte es satt, ständig in Gesellschaft zu sein,
die nur Appetit hatte, ich sehnte mich nach der Ruhe und der Zärtlichkeit. Den
Jahreswechsel verbrachte ich noch mit Pierre, in der Hoffnung, er würde sich bis
dahin etwas sänftigen, doch die Sylvesterfeier war für ihn das absolute
Festmahl, er schlachtete sie alle dahin und mir wurde so schlecht, dass ich kurz
vor dem Erbrechen stand. Er war mir in den letzten Jahren einfach zu blutrünstig
geworden und kein Sterblicher war vor ihm sicher!
Ich fasste meinen entgültigen Entschluss gleich nach dem ersten
Mitternachtsschlag der Glocken von Notre Dame, die man sogar bis zu unserem Haus
vernahm.
Kapitel IV
Die Trennung
Pierre bemerkte garnicht, dass ich ihn verließ. Er war so damit beschäftigt sich
in seinem Blutrausch zu suhlen, das ich ohne großartiges Lamentieren die Villa
verlassen konnte. Ich machte mich auf dem schnellsten Wege zu Santiego. Ich
hoffte zutiefst er würde immernoch in dem Haus in Florenz verweilen. Jedoch
verlief die Heimkehr nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Die Sylvesternacht verlief noch ruhig, doch in der Neujahrsnacht bemerkte ich,
dass meine Kutsche verfolgt wurde. Ca. 3 Km hinter mir näherte sich eine weitere
Kutsche in einem rasanten Tempo. Ich veranlaßte meinen Kutscher die
Geschwindigkeit zu erhöhen. Sie kam trotzdem immer näher; Ich erkannte einen
Vierspänner. Kein Wunder, das sie schneller war, da konnte ich mit meinem
Zweispänner natürlich nicht ankommen. Ich ahnte schon wer da kommt, meine Sinne
schlugen Alarm.
'Merde! Pierre folgte mir, wenn er Santiego sieht, gibt es ein Blutbad; wenn er
mich vorher erreicht, so wird er micht gewaltsam in seiner Gesellschaft halten
und ich würde meinen Lehrmeister und -vater nie wieder sehen.'
Ich wurde wütend, 'was erlaubt sich dieser Kerl? Warum muß er mir das "Leben"
zur Hölle machen? Mon Dieu, könnt ich doch fliegen und ihn hinter mir lassen! '
Plötzlich ein Stoß an meinem Kopf, 'Au! Was war da....?' , ich konnte es nicht
fassen, ich schwebte an der Decke meiner Kutsche, 'Nein, das kann nicht sein,
ich bin doch erst seit 47 Jahren ein Unsterblicher und doch, ich berühre nicht
mehr denn Boden. '
Aufgrund dieser verwirrenden Tatsache zitterte ich, 'kann es sein ..., durch
Santiegos altem Blut und dem von Pierre ...., wie alt war Pierre eigentlich?,
ich habe ihn nie danach gefragt, ist es tatsächlich möglich ...., ich kann`s,
ich kann tatsächlich fliegen, haha, was für eine glückliche Fügung des
Schicksals. '
In all meiner Euphorie vergaß ich meinen Verfolger vollkommens. Erst als ich
das erschöpfte Wiehern der Pferde hinter mir vernahm, kam ich wieder zu mir.
Flucht!
' Das ist es! Die Türen der Kutsche aufstoßen und weg....fliegen. Könnte ich
denn schon gezielt fliegen? Würde es überhaupt was nützen? Was wenn Pierre diese
Gabe auch besaß, würde ich schneller als er sein? Außerdem haben wir es zwei
Stunden vor Sonnenaufgang. In der Zeit kann ich nicht vor ihm flüchten und
gleichzeitig einen geeigneten Unterschlupf für den Tag finden. Würde er es wagen
mich jetzt noch anzugreifen? Egal! Ich muss weg. '
Wie in Trance stoß ich die Tür der Kutsche auf und schrie, 'los flieg zu
Santiego nach Florenz!', und tatsächlich erhob ich mich abermals in die Lüfte
und sauste mit der kalten Januarsluft in meinem Gesicht gen Italien. Ich sah
nicht zurück, ich wußte nicht ob er mir folgte.
Nach ca. einer Stunde sah ich wie langsam die Dämmerung anbrach und ich merkte
wie meine Kräfte schwanden. Um mich blickend erspähte ich eine alte Dorfkirche;
in der Hoffnung jene hat eine Grabkammer unter dem Altar, begab ich mich
schleunigst dorthin hinab und ich hatte Glück. Eine alte längst vergessene und
ausgeplünderte Steinkammer, ich müsste nur noch die alte Steinplatte über ihre
Öffnung ziehen und ich wär sicher vor der zerstörerisch, brennenden und doch so
schönen Sonne.
Schon ganz in Vorfreude auf die nun folgenen Stunden der absoluten Ruhe, ließ
ich mich auf dem kalten Fußboden nieder und wickelte mir den Umhang fest um
meinen Körper.
' Jetzt gleich hab ich zumindest für den Tag meine Ruhe und niem.... Was war
das? Nein, das kann nicht sein....' , doch da überkam mich der unweigerlich
eintreffende Vampirschlaf. ' Zumindest kann mir Pierre während des Tages nichts
antun, er ist ja genauso hilflos wie ich selbst.'
Was ich damals gehört hatte waren die Huftritte eines Vierspänners, was mich
natürlich schockte. Das Pierre fähig war, selbst bei meiner Geschwindigkeit, mir
zu folgen, kam mir unwirklich vor. Schließlich bin ich doch geflogen, oder etwa
nicht?
Sofort beim einsetzen der Dämmerung erwachte ich, jedoch, als ich die Steindecke
ein wenig beiseite schob, sah ich noch zuviel Licht und wartete noch ab.
Anscheinend wartete ich zu lang, denn kurz darauf stand Pierre vor mir mit
seinem verführerisch aber tödlichen Blick und einem hämischen Grinsen in seinem
Gesicht.
"Na! Ich bin beeindruckt, wußte ja garnicht, dass du fliegen kannst. Musste mich
tatsächlich anstrengen um dir zu folgen."
Er kicherte leise vor sich hin und ich wußte nicht was ich machen sollte. Ein
wenig irritiert überlegte ich, ob ich mich nun vor ihm hüten mußte. Doch er
beantwortete meine ungestellte Frage prompt.
"So schweigsam? - Erst sich aus dem Staub machen und nun keine Reaktion?", er
machte ein paar Schritte auf mich zu, "ich dachte du würdest versuchen mich zu
töten, oder zumindest einen Fluchtversuch starten. Schade! So ist es ein wenig
langweilig und zu einfach...."
"Was!? Mich stattdessen umzubringen? Was bringt es dir, allein bist du danach
immernoch, also kannst du mich auch gehen lassen. Menschen gibt es auch so
weiterhin. Du brauchst mich nicht dafür!"
"Hör ich da etwa Eifersucht bei dir? Hat es dich tatsächlich gestört, dass ich
mich in letzter Zeit häufiger an Sterblichen gelabt habe?"
"Nein, aber ich bin nicht so wie du. Ich habe es gerne ruhiger, beschaulicher
und bei weitem nicht so blutig. Wir passen nicht mehr zusammen. Such dir einen
anderen Gefährten, ich will zurück zu meinem Vater und Meister!"
"Aha, und du denkst tatsächlich ich lasse Dich einfach so gehen?"
Er schenkte mir sein fieses Jagdgesicht, das er immer aufzulegen tat, wenn er
seinen Opfern gegnüberstand, und ließ seine spitzen Fänge durch seine Lippen
blitzen.
"Glaubst du wirklich, ich erlaube dir mich wegen so einem alten Wirrkopf
zuverlassen? Eines möchte ich klarstellen, Armand, wenn ich dich nicht haben
kann, dann soll es niemand. .....Ich ...ich liebe dich und ..." !
"Und was? - Wenn du mich tatasächlich liebst, dann würdest du nicht immer nur an
dich denken. Hast du einmal daran gedacht, was ich möchte, oder das ich
vielleicht auch glücklich sein möchte? Wenn du mich so liebst, dann würdest du
alles dafür tun, dass ich glücklich bin.. Ich soll dir das abnehmen, du willst
mich lieben? Ha, du hast doch nur Angst wieder allein zu sein. Was meinst du
denn, warum ich klam und heimlich abgehauen bin?"
"Ich und Angst, pah, ich habe vor nichts Angst!"
Plötzlich sprang es los, hob sich 2 Meter über den Boden und schoß auf mich zu,
"Du erbährmlicher Junge, wagst es mich zu demütigen!" Gerade noch rechtzeitig
erhob ich mich bis knapp unter die Decke der Kirche, er schoß geradeaus weiter,
stoppte dann und blinzelte wütend zu mir auf.
Die Stunde war nun gekommen, ich musste mich ihm stellen. Ich wollte dem aus dem
Weg gehen, doch nun war es zu spät. Tiefer, grollender Hass ließ ihn
blutrünstiger werden als je bei einem unserer Gelagen. Abwarten brachte nichts,
wenn ich ihm jedesmal nur auswich, würde es sich für Stunden hinausziehen. So
kam ich zu dem Schluß, ich müßte nun direkt Angreifen. Leider war das wohl
ebenso Pierres Schlußfolgerung. Und so flogen wir beide aufeinander zu, ich
versuchte ihn zu beißen um ihn so seines Blutes zu berauben, da ich sonst keine
Waffen hatte und er zog plötzlich seinen kleinen perlmuttverziehrten Dolch.
Vollkommen irr fuchtelte er damit rum und ich sah keine Möglichkeit, wie ich an
ihn rankommen sollte, bis ich eine alte Eisenkette des ehemaligen
Kerzenkronleuchters erblickte. Im Bruchteil einer Sekunde stob ich darauf zu,
eignete sie mir an und bereitete mich vor, sie um den Hals meines ehemals so
geliebten Pierre zu werfen. Ihm blieb das natürlich nicht unbemerkt, nahm aber
nicht wirklich an, dass ich damit was ausrichten könnte. Er lachte kurz auf und
warf dabei seinen Kopf nach hinten. Das war meine Chance. Ich schwang die Kette
wie ein Lasso und traf tatsächlich! Sofort zog ich sie zu und Pierre total
überrascht, blickte noch irrer umher. Schnell näherte ich mich ihm von hinten
und zog dabei die Kette immer fester. Er rang nach "Atem" und ließ schließlich
den Dolch fallen um sich mit den Fingern der Kette zu entledigen. Doch zu spät,
ich hatte ihn, meine Arme fest um ihn geschlungen preßte ich ihn an mich. Ich
roch sein übernatürliches Blut und spürte seine Stärke.
Wieder in alte Gewohnheiten zurückfallend, genoß ich diese Situation und zwar so
sehr, dass sogar mein Organ vor Erregung anschwoll. Pierre bemerkte dies
natürlich und auch er schien es anregend zu finden, denn plötzlich nahm er eine
Hand von seinem Hals und eine von meinen und schob sie in seinen Schritt, wo
auch nun sein Organ anfing sich aufzurichten. Ich begann fordernd an seinem Hals
zu saugen und schlug dann blitzschnell und hart meine Fänge hinein. Er zuckte
zusammen, schien aber mein Saugen zu genießen. Er begann mit meiner Hand in der
seinen sein Organ zu massieren und mir wurde schwindelig vor Erregung. Immer
weiter saugte ich ihn aus und immer weiter rieb er sein mächtiges Organ in
meiner Hand. Immer wilder sog ich an ihm und preßte meine Hüfte gegen sein
Hinterteil. Die zweite seiner Hände löste sich nun von der Kette und griff
brutal nach hinten, sie riß mir die Hose entzwei und dann zerriß Pierre sich
seine ebenso. Das war ein großer Fehler.
Bis eben schwebten wir noch in der Luft, doch nun war Pierre so vernebelt vor
Erregung und Blutverlust, das er sich nicht mehr oben halten konnte. Und ich?
Ja, ich... Ich war zwar auch erregt, aber der Hass zu ihm wurde nicht weniger.
Wir klatschten auf den kalten Steinboden, er mit Gesicht nach unten, ich über
ihm. Ich ließ kurz von seinem Hals ab um, wie von ihm gefordert, mein
steinhartes Organ in ihn zu stoßen. Er schrie kurz auf und ich setzte ihn mit
harten Stößen zu, verbiß mich wieder in seinem Hals und holte das letzte
bisschen "Leben! aus ihm raus.
Ein letztes mal versenkte ich mein Teil bis zum Anschlag und riß ihm
versehentlich den Hals komplett auf als ich im komlpetten Blutrausch final
aufstöhnte.
Ich stand auf, versuchte die Überreste meiner Hose festzubinden und warf dann
den leblosen Körper Pierres in die Gruft in der ich geschlafen hatte.
Erst drei Stunden später, ich war wieder auf dem Weg zu Santiego und hatte
Pierres Kutsche mitgenommen, fiel mir auf, wie einfach ich doch Pierre erledigt
hatte. War er doch viel schwächer als ich vermutet hatte, oder war er einfach
nur irr und bemerkte in seiner Erregung versunken sein Sterben nicht? Ich
begriff es nicht, aber vom Prinzip her, war es mir egal. Ich konzentriete mein
Denken nun nur auf die Vorfreude Santiego wiederzusehen. Und die Vorstellung ihn
wieder bei mir zu haben beflügelte mich und nach langer Zeit, im sterblichen
Sinne, fühlte ich mich wieder glücklich.
Kapitel V
Das Wiedersehen
Noch ca. eine Woche dauerte meine "Heim-" Reise. Am Abend des 11. Januars 1642
traf meine Kutsche in Florenz ein. Kurz nach den Stadtmauern, es war
glücklicherweise schon nach Sonnenuntergang, stob ich aus der Kutsche und
hastete die altvertrauten Straßen entlang. In Windeseile, kein Sterblicher hätte
mich erblicken können, rannte ich zu der Villa meines Meisters. Voller Vorfreude
auf unser Wiedersehen, achtete ich nicht darauf, dass er sich vielleicht
erschrecken würde, wenn sein verlorener Sohn wieder vor ihm stehen würde. Völlig
benebelt sprang ich auf unseren alten gemeinsamen Balkon und riß freudestrahelnd
die Türen auf. "Ich bin wieder da, mein Vater und Meister!"
... Nichts! Es passierte nichts, wo war er denn? Das ganze Haus lag im Dunkeln.
War er verzogen oder nur auf der Jagd? Nein, wenn er auf Jagd wär, dann wären
zumindest die Hausangestellten da. ... Erst in diesem Moment realisierte ich,
das sämtliche Möbel weg waren. Keine Teppiche mehr und die Wände waren nackt und
kalt. Ein Schauer durchlief mich. Wo war er? All diese Strapazen für nichts? Das
kan nicht sein. Er wußte das ich früher oder später zurückkommen würde, er würde
nicht gehen ohne mir eine Nachricht zu hinterlassen.
Ich begann zu suchen. Jeden Winkel, jede Ecke, sogar den Garten und als letztes
den Keller mitsamt unserer alten Gruft, die wir immer für Notfälle parat
hielten. Immernoch nichts. Hab ich was übersehen, war ich nicht gründlich genug
gewesen? Doch halt, was ist das? Ein kleiner Haufen zusammengefegter Staub
hinter der Eingangstür. Ich fing an den Staub zu zerteilen und da, ganz unten
zwei kleine Nummern in den Marmor geritzt. Was bedeuteten sie? Sind sie dort
regulär, oder wurden sie tatsächlich von Santiego dort hineingeritzt?
03/15 Was hatten sie zu bedeuten? Ca. eine Stunde lang kniete ich vor dem Boden
hinter der Tür und rätselte. In der zwischenzeit kam auch die Kutsche an, mit
meinen wenigen Habseligkeiten und hatte jene ausgeladen. Langsam spürte ich
Hunger aufkommen und so ging ich aus und suchte in ein paar dunklen, düsteren
Gassen nach einem besonders verdorbenen Exemplar.
Es war nicht schwer ihn zu finden. Ich empfing ein paar wirklich miese Gedanken,
die zu einem wohl bezahlten und skrupellosen Zuhälter und Mörder gehörten. Er
war etwa 35 Jahre alt, gut rasiert und sehr gepflegt und sah gut gekleidet aus.
Insgesamt hatte er schin an die 20 Menschen getötet und die Huren in seinem
Bezirk wurden regelmäßig von verprügelt und mißhandelt. Oh ja! Dies war der
Richtige. Stark, groß und von der übelsten Sorte. Ich trat ihm in den Weg und
sofort spürte ich seine Boshaftigkeit in natura.
"Bursche, geh mir aus dem Weg, oder du wirst es bereuen!"
"Aber ich wollte sie doch nur was fragen, wehrter Herr!"
Ich soielte wieder meine Glanzrolle als unschuldiger, wißbegieriger Junge. Sehr
praktisch wenn man aussieht wie ein kleiner Engel von 19 Jahren, man kann viele
zum Narren halten! Bei ihm war dies nicht anders, seine Miene hellte sich
schlagartig auf und ein Anflug von Neugierde blitzte in seinen Augen auf.
"Und welche Frage möchtest du mir stellen? Was kann ich denn wissen, was so
einen zierlichen jungen Mann interessiert?"
Ich hatte ihn, er besah mich genauer und erkannte erst jetzt meine gesamte
Schönheit. Die langen braunen Haare und meine funkelnden grünen Augen, eingefaßt
von dichten, langen, geschwungenen und schwarzen Wimpern. - Er hatte jetzt
durchaus Interesse an mir. Ich sah in seinem kleinen, beschränkten Hirn wie er
sich ausmalte mich zu verführen und anschließend in seine GRuppe von
bedauernswerten Huren zu integrieren.
"Nun, ja! Wissen sie, Monsieur, ich wollte fragen, da sie ja ein so stattlich
und gutaussehehder Mann sind ...", er war sichtlich geschmeichelt, "... ob ich
die Erlaubnis bekommen würde, sie zu küssen? Bitte erzürnen sie nicht, aber
Männer wie sie sieht man selten!"
Es dauerte nur fünf Minuten, dann war er leer bis auf den letzten Tropfen. Ich
beseitigte seine Leiche nicht, entgegen meiner Gewohnheit, denn ich wollte, das
man ihn so früh wie möglich entdeckte, damit zumindest seine Huren schnell
wußten, das sie nun frei sind. Außerdem wollte ich schnell zurück sein, ich
hatte viel zu viel Zeit mit ihm verschleudert. Die Glocken schlugen jetzt drei
Uhr und ich musste noch dahinter kommen was es mit den Zahlen auf sich hatte und
ich musste überprüfen, ob unsere alte Notfallgruft noch zu benutzen ist. Etwa
zehn Minuten später erreichte ich wieder Santiegos alte Villa. Ich setzte mich
wieder vor den Staubhaufen und starrte unwissend vor mir auf den Boden. Kurz
darauf ein Windhauch und noch bevor ich mich umdrehen konnte, hatte ich schon
eine große, starke Hand auf meiner Schulter, die ihre Finger sanft in mein
Fleisch drückte.
"Sant....", doch schon spürte ich weiche und fordende Lippen auf den meinen. Er
war es! Mein Vater, mein Meister! Da stand er nun, so vollkommen wie eh und je
und lächelte mich liebevoll an.
"Ich wusste du würdest zurückkommen. Darauf habe ich immer gehofft!"
"Doch warum ist das Haus so leer, wo sind die Anderen? Was ist passiert in den
letzten Jahren? Und was hat es mit den Zahlen da auf sich? Ich versteh das
nicht!"
"So beruhige dich doch, Armand! Nimm erstmal deine Sachen und lass uns von hier
weggehen, ich erklär dir dann in Ruhe was passiert ist."
"Aber... , was ist denn passiert? Was ist in den letzten 16 Jahren passiert?
Was..."
"Jetzt gib doch mal Ruhe, mein Engel. Erstmal müssen wir aus diesem Haus raus.
Nimm jetzt deine Sachen und folge mir einfach. Wir müssen hier schnell weg, frag
nicht. Halt deinen Kopf geschlossen und beeil dich!"
"Santiego, sag mal kannst du fliegen?"
"Ja, aber das bringt uns ja nichts, du..."
"Aber ich kann es auch!"
"Was? Wie? Egal, erklär es mir später. Los!"
Wir flogen nicht lange, nur etwa zehn MInuten. Während des Fluges sprachen wir
nicht und so blieb mir die Zeit zu beobachten wohin wir eigentlich unterwegs
waren. Zumindest waren wir nicht mehr in der Stadt und bewegten uns gen Süden.
Auf einem großen Landsitz mit einer fast palastähnlichen Villa landeten wir
schließlich sanft in einem Garten, abgeschirmt von großen Hecken, hinter dem
Haus.
"Wo sind wir?"
"Das ist unsere neue Residenz, Armand! Hier ist nun unser neues Heim."
"Nun sag schon, Meister, was ist los? Was ist denn vorgefallen in den letzten
Jahren?"
"Zuerst erklärst du mir mir bitte, was mit dir passiert ist! Wieso kannst du
plötzlich fliegen und wie siehst du eigentlich aus. Deine Kleidung ist ja ein
Graus und was hast du erlebt, das deine so jungenhaften Züge gealtert sind? Du
siehst ernster aus und deine Augen sind von einem bösartigen Glanz erfüllt."
"Nun ja, ich..."
Es dauerte nicht lange, nach ca. einer Stunde war ich mit meinen Erzählungen
über Paris, Pierre und unsere Eskapaden, sowie unserem letzten Zusammentreffen
fertig. Santiego sagte nichts, er starrte nur vor sich hin mit einem Ausdruck
des Überraschten in seinem Gesicht. Ich beobachtete ihn, sah wie er das soeben
Gesagte immer wieder in sich wiederholte. Dann war es an der Zeit, das ich ihn
wieder zurückholte.
"Santiego! Nun sprich doch, was ist los mit dir? Hör auf zu Schweigen, das macht
mich nervös!"
"Das hätte ich dir nicht zugetraut! Das du nicht mit größerer Vorsicht an diesen
Pierre angegangen bist war sehr töricht. Er hätte dich auch einfach töten
können. Diese Blutbäder der Sterblichen; hast du denn nichts von mir gelernt?
Für so blutrünstig und skrupellos hätte ich dich nie gehalten."
"Aber, ich ..."
"Lass mich ausreden! Du hast ja noch eine Narrerei draufgesetzt! Das Blut
tauschen, mein Gott, wie naiv und vertrauensseelig du doch bist. - Aber gut, es
ist nichts passiert und es scheint, es hat deinen Kräften doch recht gut getan.
Deine Flucht allerdings war überstürzt und unüberlegt. Glaube mir, wenn ich
sage, sei froh das du noch lebst und dieser Pierre scheint tatsächlich verrückt
gewesen zu sein, wenn er vor lauter gierigem Verlangen seinen eigenen Tod nicht
bemerkt. ... Nun gut! Dir geht es ja offensichtlich bestens. Jedoch wundert es
mich doch ein wenig, dass du trotzdem schon fliegen kannst. Hast du denn
irgendeine Ahnung wie alt dieser Pierre ungefähr war?"
"Nicht wirklich, aber fliegen konnte er ja! Vielleicht war ja diese Mischung von
zwei fliegenden Untoten das Ausschlaggebende!"
2mag sein! - Lass uns jetzt mal ins Haus gehen, damit du dir was ordentliches
anziehen kannst und vorher, bitte, geh baden! An dir haftet immernoch ein wenig
der Geruch der alten Dorfgrabkammer!"
"Santiego?"
"Was ist Armand?"
"Erzählst du mir jetzt, was bei dir passiert ist?"
"Später! Wenn du baden warst."
"Nein bitte, erzähl es mir sofort. Von mir aus auch wenn ich bade!"
"In Ordnung, Armand! Komm ich zeige dir das Bad und wenn du drin bist, erzähle
ich dir mein Schicksal der letzten 16 Jahre."
Sein neuer Unterschlupf war überwältigend. Es umfasste drei Etagen und etwa
2000qm Grundfläche. Riesige Räume gefüllt mit allerlei Gemälden, mehrere
Arbeitszimmer und bestimmt an die zwanzig Schlafgemächer mit Bad und Wohnraum.
Im Westflügel ganz ober schleißlich hielten wir vor einer großen doppelflügigen
Tür inne. Er stieß sie mit großer Kraftanstrengung auf, mon Dieu, kein
Sterblicher hätte nur den Hauch einer Chance gehabt sie nur um einen Milimeter
zu bewegen. Hinter der Tür erschloß sich mir ein unglaublich schöner, ja Raum
trifft es nicht, riesiger Saal. In der Mitte stand ein großes Himmelbett mir
schweren Nachtblauen Samtvorhängen. Der Boden bestand aus großen, hellen
Mamorplatten und dort wo das Bett stand lag ein großer Teppich. An den Wänden
hingen Gemälde die Santiego selbst gemalt hatte und über der Tür, hinter mir,
hing ein Porträt von ... mir! Entlang der Wände standen Regale gefüllt mit
Büchern und Pergamentrollen, zwei Schreibtische und in einer Ecke war ein große
Sitzecke mit mindestens hundert Kissen. Fenster hatte der Raum keine. Dort wo
man welche vermuten konnt hingen große, ebenfalls nachtblaue, schwere Vorhänge.
Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Erst als Santiego den ARm um mich legte
und mit sanftem Druck mich in Richtung der Sitzecke schob, kehrte ich wieder mit
meinen Geiste in die Gegewart zurück. Kurz bevor wir an der Couch ankamen,
machte er einen SChlenker nach rechts. Nun standen wir vor einer Wand und ich
wunderte mich ein wenig, soch Santiego streckte den Arm aus und schob ein
riesiges Gemälde kurz beiseite und schon öffnete sich direkt vor uns eine Art
Tür und ein schmaler, von Fackeln erleuchteter Gang trat zum Vorschein. Wir
gingen hinein und nach etwa zehn Metern traten wir aus ihm heraus und befanden
uns nun in einem runden Badezimmer. Ebenfalls waren hier keine Fester zu
entdecken, doch waren hier kleine Nischen, in denen Stauen standen. In der Mitte
des Zimmers befand sich, im Boden eingelassen, eine große Wanne in der schon
dampfendes Wasser auf uns wartete. Mein Meister zog mir langsam und zärlich die
verlotterte Klöeidung von Leib und wies mich an ins Bad zu steigen. Kurz darauf
tat er es mir gleich und jetzt saßen wir in der Wanne. Meinen Blick wieder ihm
zugewandt, wartete ich darauf, dass er mit seinen Erklärungen begann. Dies tat
er dann auch unverwandt.
"So nun denn, mein teuflischer Engel! - Als du damals dich nach Paris aufgemacht
hattest, bin ich weiter auf dem schnellsten Wege nach Hause. Meine Reise verleif
unproblematisch und die Ankuft daheim war ebenfalls ohne besondere Vorkommnisse.
Erst nach etwas fünf Jahren traten einige Probleme auf. Ein paar Sterblich waren
der Überzeugung ich wär so eine Art Hexer, da ihnen dann doch wohl auffiel,
dasss ich mich im Vergleich zu vor unserer Reise und jetzt danach nicht
veränderte. Sie fingen an Gerüchte zu verbreiten und hatten recht schnell einen
Mob zusammen gestellt. Sie begannen das Haus mit faulen Früchten zu bewerfen und
letztendlich versuchten sie sogar es in Brand zu stecken. Nach zweijähriger
Tortur hatte ich die Nase voll. Ich schaute mich nach einem GRundstück außerhalb
der Stadt um, damit ich nicht wieder zu starken menschlichen Kontakt habe.
Ziemlich bald fand ich dieses hier, sofort habe ich mich darin verleibt. Das
Problem war, es wurde noch bewohnt und so versuchte ich erst mit List, dann
zuletzt leider mit einem 'Essen' die Besitzer zu überzeugen mir jenes Gut zu
überlassen. Ich räumte unser altes Haus und richtete dieses hier neu und
moderner ein. Ich hatte jedoch die gesamte Zeit das unbestimmte Gefühl, dass du
wiederkommen würdest und so musste ich mir was einfallen lassen. Mein Haus habe
ich verkauft, doch de Pöbel gab weiterhin keine Ruhe und so konnte ich es nicht
riskieren dir ein offensichtliche Nachricht zu hinterlassen. Ich ritzte hinter
der Einganstür die Uhrzeit ein, in der ich vorgehabt habe wieder in diesem Haus
zu erscheinen. Jene Zahlen bedeckte ich mit ein wenig Staub, damit andere sie
nicht sofort bemerken würden. Und so kam ich nun die letzten Jahre jeden Abend
um viertel nach drei, jedesmal in der Hoffnung dich dort vorzufinden. Heute
Nacht war es nun soweit, ich hatte schon beinahe die Hoffnung aufegeben. Doch
jetzt bist du ja wieder bei mir, wohlbehalten und stärker als zuvor!"
Ich schwieg! Santiego und ich lagen noch eine Weile stumm im angenehm warmen
Wasser. Plötzlich stand er auf, trocknete sich ab und wies mir mit einer
Handbewegung es ihm gleich zu tun. Immernoch kein Wort von uns gebend gingen wir
zurück in sein bombastisches Schlafgemach. Er schüttelte die Kissen auf und
schlug die Decke um. Ich wusste es war Zeit zum Ruhen, denn auch wenn es hier
keine Uhren und Fenster gab, so war mir trotzdessen bewusst, das die Dämmerung
eingesetzt hat. Und so begaben wir uns in sein monströs großes Bett und durch
ein schnippen von Santiego löschten sich dei Kerzen und wir betteten uns zur
Ruhe.
Kapitel VI
Santiego's Wandel
Am nächsten Abend wachte ich nach einer Nachtruhe auf, so schön und geborgen wie
schon lange nicht mehr. Santiego war schon aufgestanden und war nirgends zu
sehen. Ich entstieg dem Bett und näherte mich der schweren Stahltür. Mon Dieu,
würde ich diese allein öffnen können? Mein Meister hatte schon enorme
Schwierigkeiten gehabt. Unter größter Kraftanstrengung versuchte ich sie ein
wenig zu bewegen. Und zu meiner Überraschung tat sie dies auch. Ich schob weiter
und bald war der Spalt groß genug um mich dort hindurchzuquetschen. Als ich im
hell erleuchteten Flur stand, schloß ich sie gleich wieder. Spüren konnte ich
Santiegos Anwesenheit irgendwo weit unten und ich machte mich auf, die Treppen
hinunter zu gehen, immer darauf bedacht nicht zu schnell zu gehen oder mich
plötzlich in die Luft erhebend, denn ich nahm an, da ich Sterbliche ,roch´, das
Santiego Angestellte hatte und jene wollte ich nicht eerschrecken. Immer weiter
ging ich hinunter, nun war ich schon im Erdgeschoss und noch immer spürte ich
Santiegos Anwesenheit irgendwo unter mir; ich suchte energisch nach einem
Hinweis ob es einen Weg gäbe nach unten, ob es tatsächlich einen Keller gibt. In
der Großküche, die sehr vereinsamt aussah, entdeckte ich eine Falltür vor dem
Ofen. Ich versuchte sie zu öffnen und auch sie ging so schwer auf wie die zu
unserem Schlafgemach. Vor mir eröffnete sich eine erneute Treppe und abermals
begann ich Stufen hinab zu steigen. Innerhalb ein paar Sekunden befand ich mich
in einer unterirdischen Katakombe. Starke Verwesungsgerüche brachten mich fast
zum Erbrechen. Langsam aber sicher beschlich mich das Gefühl, dass Santiego doch
nicht mehr so ehrenhaft war als er vorgab. Trotz meiner ansteigenden Übelkeit
ging ich weiter. Nur wenige Fackeln erleuchteten den Gang. Links und rechts
neben mir sah ich Verliestüren aus denen dieser abartige Geruch entströmte. Nun
mischte sich unter diesen ekelhaften Gestank der Duft von frischem, pulsierenden
Blut. Und wie ich es schon vermutete, waren nicht in allen Zellen nur Leichen.
Immer weiter ging ich und vernahm leises Gewimmer hinter den Türen. Dann machte
dieser grauenhafte Gang eine Biegung nach rechts und da sah ich eine offene
Kerkertür und ich spürte Santiegos Anwesenheit so deutlich, dass ich wusste was
sich mir für ein Anblick bieten würde, wenn ich hineinschaute.
Er war so trunken vom Blut, dass er wohl deshalb nicht bemerkte, das ich im
Türrahmen stand. In seinen Armen lag ein junger Knabe, nicht älter als 16 Jahre,
und er hatte immernoch seine Zähne in seinem Hals. Erst nach ein paar
Augenblicken schien er mich zu bemerken. Er blickte auf, ließ von dem Jungen ab
und warf ihn achtlos in die Ecke. Schnell erhob er sich und kam mit
Unschuldsmiene auf mich zu. Ich, der ich diese ganze Situation so genoß, dass
ich sogar den bestialischen Gestank vergaß, lächelte triumphierend in seine
klaren Augen. Mon Dieu, wie sehr erinnerte mich das an die Anfangstage von
Pierre und mir. Ach ja, mein von idealen verfolgter Santiego, spielte immer den
Gütigen und doch ist er das was er ist, ein blutrünstiger Vampir!
"Wie sachte du doch mit diesem Knaben umgegangen bist und was für eine traumhaft
schöne Umgebung für seine letzten Stunden! Jetzt weiß ich was du meinst, als du
zu mir sagtest ich wäre zu brutal. Das ist natürlich prakisch, das du mir nun
ein Beispiel zeigst"
"Sei ruhig, ich ..."
"Ich lass mir nicht den Mund verbieten, nicht mehr. Du spieltest dich immer als
Wohltäter auf. Aber du bist doch genauso wie ich. Geb es doch zu, du magst es
auf die harte Tour. Du findest es belustigend wenn sie sich wehren, die Farbe
des Blutes macht dich rasend und nichts ist erregender wenn du am Ende die
Schlagader zerfetzt. Mach mir nichts vor, du wolltest aus mir einen zahmen,
freundlichen Untoten machen, einen der du nicht geworden bist. Nur um dein
Gewissen zu beruhigen. Nun ja, jetzt musst du damit leben, dass ich ebenfalls
wie du ein typisches Wesen der Nacht bin."
"Du verstehst das alles falsch, Armand! Ich bin nicht so. Ich muss es nur tun.
Es fällt doch auf, wenn die Menschen sterben, gerade auf dem Lande, dort leben
nicht so viele. Mir macht das alles keinen Spass. Doch wenn ich weiterhin
offensichtlich draußen töte, könnte soetwas wie in Florenz passieren. und darauf
bin ich nicht so erpicht."
"Achso, deshalb hälst du die Sterblichen wie Tiere und entsorgst nicht mal ihre
Leichen, deshalb labst du dich daran wie sie leiden und außerdem sagtest du
gestern Nacht erst, dass du in den vergangenen Jahren jede Nacht zurück nach
Florenz geflogen bist um zu schauen, ob ich endlich zurück käme. Da hättest du
natürlich nicht ein Opfer aus der Stadt nehmen können. Schon klar. Du brauchst
dich nicht zu rechtfertigen, ich verstehe dich nur allzu gut. MIr geht es doch
nicht anders. In einem Punkt tun sie mir leid, die kleinen unwissenden Menschen,
im anderen Punkt jedoch, bin ich mir bewußt, ich bin ein Jäger. Ich darf kein
Mitleid zeigen, darf sie nicht verschonen, ansonsten muss ich leiden. Man muss
sich entscheiden, entweder sie oder ich leide und ich bin zu egoistisch!
Ehrlich, ich verstehe dich.
Sieh es einfach ein, dass es so ist. Du brauchst mir nichts vorspielen und es
mir verheimlichen. Also lass den Unsinn mit deinen kläglichen Ausreden."
Stille! Santigeo antwortete mir nicht auf meine letzte Ausführung, er starrte
mich nur an und nach ein paar kurzen Momenten bemerkte ich wie sich seine Augen
mit blutigen Tränen füllten. Er kam auf mich zu und wir umarmten uns.
Schluchzend dankte er mir für mein Verständnis und erklärte mir, dass er
Jahrhundrte lang diesen Trieb, Instinkt unterdrückt hatte. Er hielt es immernoch
für barbarisch so mit den Sterblichen umzugehen, doch ist nun das Verlangen
danach sich an Schmerzen und Leid zu erfreuen zu groß geworden und er akzeptiere
diese Tatsache mit widerwillen mittlerweile. Ich schämte mich ein wenig.
Santiego hatte seinen Instinkt über Jahrhunderte unterdrückt für seine
Überzeugung und ich? Tja, ich schaffte dies nicht mal ein halbes Jahrhundert!
Ich offenbarte ihm diese Gedanken natürlich nicht, gerade habe ich es geschafft
meinen Meister, meinen Vater zu belehren. Diesen kleinen Triumph wollte ich mir
nicht nehemen lassen. Im Gegenteil, ich fragte ihn, ob er nicht noch einen
schönen ,Happen´ für mich hätte. Wideerwillig und mit Unbehagen führte er mich
zu einer anderen Zelle. Dort lag ein junges, hübsches Mädchen, vielleicht so
ungefähr zwanzig Jahre alt. Sie war noch nicht lange hier, dazu war sie noch zu
stark bei klarem Verstand. Was man denn von ihr wolle und warum sie hier sei,
fragte sie. Es schien, als dachte sie, ich wär Aufgrund meiner äußerlichen
Jugend, ein menschlicher Knabe und würde ihr nichts böses wollen. Die snutzte
ich natürlich um mich ihr ohne Probleme zu nähern. Santiego blieb im Dunkeln vor
der Tür stehen und beobachtete mich mit Unbehagen und Faszination. Ich kniete
mich vor das Mädchen und fing an mit ihr zu sprechen.
"Meine liebste Fantine, " ,Woher kennt er meinen Namen?´, "seien sie beruhigt,
es ist nichts schlimmes. Mein Vater ist bloß etwas grob bei seinem Einladungen.
Er sucht für mich eine Frau, damit ich nicht mehr allein auf diesem risiegen Gut
leben muss. Es tut mir aufrichtig leid, dass sie sich gefürchtet haben. Ich
hoffe sie können mir und meinem Vater verzeihen."
Mit den letzten Worten streckte ich meine Hand nach ihr aus. Sie begutachtete
mich argwöhnisch und rutschte etwas von mir weg. Sie glaubte mir nicht,
aberwieso? Bisher hatte ich damit nie Probleme gehabt.
"Sie wollen mich zum Narren halten, Sie sind nicht der Sohn des Hausherren, sie
sehen nicht so aus, als hätten sie auch nur den Huach eines Standes. Verzeihen
nun sie, wenn ich etwas unverfroren werde."
"Wie, ich sehe nicht danach aus?" Erst jetzt bemerkte ich was sie meinte. Ich
sah an mir herrunter und sofort reagietre ich für sie angemessen. Mon Dieu, kein
Wunder das sie mir nicht traute, ich war vollkommen entblößt! Ich bedeckte mit
meinen Händen mein Organ und begann ihr dies zu erklären.
"Pardone moi, Mademosielle! Ich vergaß vorhin in lauter Hektik, mich zu
bekleiden. Ich schäme mich zutoefst ihnen das zugemutet zu haben. Doch damit sie
mir glauben, schauen sie sich mein Haar und meine Haut an, sie werden keinerlei
Anzeichen von Arbeit daran finden."
Mit skeptischen Blick erhob sie sich langsam und besah sich behutsam meinen
unsterblichen Körper an.
"Perfekt!" flüsterte sie ehrfurchtsvoll. In ihren Gedanken lass ich, dass sie
durch diese Beschau durchaus angeregt war. Hitze stieg langsam in ihr auf und
das brachte meinen Blutdurst wieder in Wallung. Sie war faszinierend und ich
wollte sie schmecken, wollte, dass ihr heißes Blut in mir fließt. Ich erhob mich
nun auch und stand in voller Größer und Pracht vor ihr. Sie war etwas kleiner
als ich undschaute nun zu mir auf.
,Klare, ganz klare unschuldige blaue Augen' blickten in die meinen. Aufgrund
ihrer Gedanken wusste ich, dass sie mir jetzt vollkommen glaubte und sie
erzückte der Glauben daran, meine Gemahlin zu werden. In mir kochte es, ich
wollte sie, nein, das Blut, nein, sie! Doch dann nahm sie mir die Entscheidung
ab. Sie fiel mir überschwenglich in die Arme, presste ihren heissen, lebenden
Körper an meine toten. Den Kopf leicht zur Seite geneigt, konnte ich ihre
Schlagader hervortreten sehen. Da war es vorbei! Ich beugt meinen Kopf zu ihr
herunter und ließ langsam und behutsam meine Zähne in ihr warmes Fleisch. Sie
merkte kaum etwas, wie leicht waren doch die Lebenden zu täuschen. Sie hielt es
für einen besonders intensiven Kuss und gab sich mir vollkommen hin. Ich spürte
ihren sehnlichtsen Wunsch, ich solle sie nehemn, sie wäre bereit dafür. Langsam,
ohne mein Saugen an ihrem Hals zu unterbrechen, öffnete ich mit einer Hand ihr
Kleid. Ich streichtlte sanft über ihren gesamten Körper. Sie wa vollends hilflos
und ich war betäubt von ihrem süßen unschuldigen Blut, welches sich Schluck um
Schluck durch meinen unsterblichen Körper presste. Noch bevor ich ihr ihren
Wunsch erfüllen konnte, merkte ich wie ihr Herz bedrohlich anfing zu flattern.
,Nein, ich will nicht das es aufhört', doch zu spät, jetzt aufhören würde nichts
mehr bringen, sie würde trotzdem sterben, jedoch wesentlich langsamer und unter
Qualen. Also musste ich es beenden, ihr den letzten wohlschmeckenden süßen
Blutstropfen aussagen. Wie schade, sie war eine der wenigen Menschen, die es
nicht verdient hatte zu streben und dabei so verlockend ist.
Zu spät, in jenem diesen Moment hörte ich den letzten Herzschlag und eine
letzten leisen Stöhner. Jetzt war sie nur noch eine wunderschöne leere Hülle. Ic
ließ sie asu meine Armen gleiten, bedeckte sie mit ihrem Kleid und bedauerte
ihren Tod ein wenig. Santiego stand jetzt in der Tür immernoch mit blutgefärbten
Tränen in den Augen.
"Mon Dieu, etwas schein ich dir doch beigebracht zu haben. So behutsam hab ich
noch nie einen von uns beim Trinken erlebt. Wieso können wir alle das nicht
immerso machen? Warum müssen wir einen so brutalen Mörderinstinkt haben?"
"Santiego, Meister, so beruhige dich bitte. Akzeptiere unser Schicksal, das hier
war eine Ausnahme, sie war etwas besonderes, daher habe ich mich so
zurückgehalten. Solch Menschen findet man nur wenige. Ansonsten bin ich
schneller und härter bei der Sache. Erinnere dich bitte, dass ich in den letzten
Jahren alles andere als behutsam war." Damit war unser Gespräch beendet und wir
gingen nach oben. Santiego hatte noch geschäftliches zu erledigen und flog aus
zur Stadt, ich hingegend erkundete das neues Gehöft, machte mich mit dem Haus,
den Gärten und den Ställen vertraut.
Die nächsten Jahre über geschah nicht viel, es war fast wie früher, vor Paris,
vor unserer Weltreise. Wir waren für uns, malten Bilder, töteten des öfteren
zusammen. Natürlich war ich in seiner Gegenwart , netter' zu unsren Opfern, um
nicht Santiego wieder zur Gefühlsduselei zu bringen. Jedoch schien ihn das
Erlebte im Verließ stärker zu bedrücken als ich ursprünglich annahm. Mir file
auf, dass er sich schon in meiner Gegenwart etwas beschämt beim Töten gab. Er
versuchte immer besonders vorsichtig und umsichtig mit den Sterblichen
umzugehen. Er schien immer irgendwie verunsichert, ob er jetzt nicht vielleicht
doch zu grob handelte. Ich bemerkte auch, dass das dazu führte, das er das
Bltutrinken nicht mehr genoss. Und als er nach etwa 13 Jahren so gut wie
garnicht mehr trank, beschloß ich was dagegen zu tun. Mir kam die Idee, er solle
doch seine Natur ausleben, damit er aber keine Reue oder gar Mitgefühl zeigte,
schlug ich vor, die Sterblichen zu töten, die es verdient haben. Sprich ich
forderte ihn dazu auf, sich an den Mördern, Dieben und Schändern zu vergreifen.
Mir schien dies eine gute Lösung zu sein. Denen musste man nichts vorspielen,
sie haben keinen sanften Tod verdient. Sie sollten unter Leiden und Qualen
sterben. Santiego jedoch fing eine Grundsatzdiskussion mit mir an, das egal wie
sich wer vehalte, doch trotzdem ein fühlendes, lebendes Wesen sei und das es
nicht an uns ist zu richten, wer den Tod verdiene. Er brachte mich in rage, er
solle doch aufhören sich hinter seinem sein zu verstecken. Er müsse töten um zu
überleben und jene Individuen hätten es zumindest eher verdient als die braven
unschuldigen Menschen. Er solle sich mit der Tatsache abfinden und es doch mal
damit versuchen. Etwas widerspenstig und protestierend ließ er sich darauf ein,
immer laut erklärend, dass er seine Meinung ja doch nicht ändern würde.
In einer lauen Sommernacht begaben wir uns in die dunklen, dreckigen Gassen von
Florenz. Hier trieb sich allerhand Gesindel herum und wir beide, so
ausstraffiert wie wir waren, gaben eine gute, einfache potentielle Beute ab. Es
würde nicht lange dauern, dann würde unser ,Essen' allein zu uns kommen. Und
tatsächlich brauchte es nur ungefähr zehn Minuten als sich unsere Vorspeise
näherte.
... Fortsetzung folgt
by Juliane Riediger alias Armand