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Vampir Geschichten
Kurzgeschichten über die
Nachtwesen |
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Ricardo |
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Diana Otte
Alexa saß an der Bar und nippte an ihrem Drink. Aus den Lautsprechern erklangen
diese Liebesballaden. Eigentlich hörte sie lieber Rockmusik, aber heute war sie
in Stimmung für diese Liebesballaden. Ihr Mann hatte sich nach zwanzig Jahren
Ehe von ihr scheiden lassen, und eine jüngere geheiratet. Jetzt musste sie mit
vierzig ihr Leben neu ordnen. Ihr Blick fiel auf einen Mann am anderen Ende der
Bar. Er war zirka einsachtzig groß, hatte schulterlange schwarze Haare und trug
einen Jeansanzug.
Sein braungebranntes Gesicht wurde zur Hälfte von einer Sonnenbrille bedeckt.
Alexa schätzte in auf Anfang dreißig. Er hatte vor einer halben Stunde ein Bier
bestellt und noch keinen Schluck davon getrunken. Der Mann gefiel ihr. Für einen
kurzen Moment dachte sie daran, mit ihm anzubandeln, doch dann verwarf sie den
Gedanken gleich wieder. So ein junger Mann wollte ganz sicher nichts mit einer
alten Schachtel wie sie zu tun haben, dachte sie.
Während sie ihn betrachtete, versperrte ihr plötzlich jemand die Sicht. Ein
älterer untersetzter Mann mit Glatze setzte sich neben sie. Angetrunken wie er
war, hatte er Mühe, sich auf dem Barhocker zu halten. Er beugte sich zu ihr
rüber. „Na, so allein hier schöne Frau. Wie wäre es, wenn sie mir ein bisschen
Gesellschaft leisten.“ Alexa distanzierte sich von ihm. „Nein danke, kein
Interesse.“ Entgegnete sie. Der Mann ließ aber nicht locker. Er rückte näher zu
ihr heran. „Warum denn so abweisend? Du bist doch so einsam wie ich.“ Drängte er
weiter.
Alexa ekelte sich vor diesem Aufdringling. Sie hob die Hand und schob ihn von
sich. „Lass mich in Ruhe. Verschwinde!“ Entgegnete sie etwas lauter, doch der
Mann ignorierte es. Jetzt stand der Junge Mann im Jeansanzug auf. Langsam ging
er zu den Beiden hinüber. Kurz hinter dem Mann blieb er stehen. „Die Dame legt
auf ihre Gesellschaft keinen Wert.“ Sagte er ruhig aber bestimmt. Alexa sah zu
ihm auf. Der Angetrunkene drehte sich verärgert um und wollte etwas erwidern,
doch er blieb stumm. Der junge Mann hatte seine Sonnenbrille über die Stirn
geschoben und richtete seinen Blick fest auf sein Gegenüber. Dieser erhob sich
plötzlich ganz schnell und suchte das Weite. Er wurde von den Augen des Mannes
verfolgt, bis er die Bartür hinter sich geschlossen hatte.
Alexa betrachtete diese Augen. Sie waren braun und wunderschön, doch irgendetwas
unheimliches bedrohliches ging von ihnen aus. Gelassen schob der junge Mann die
Sonnenbrille herunter, begab sich ohne ein weiteres Wort zu seinem Platz und
widmete sich wieder seinem Bierglas. Sie sah ihn eine Weile unschlüssig an.
Dann sagte sie schließlich „Vielen Dank.“ „Gern geschehen.“ Bekam sie zur
Antwort. „Ich heiße Alexa.“ Stellte sie sich vor. „Ein schöner Name.“ Entgegnete
er. „Verraten sie mir auch, wie sie heißen?“ „Ricardo.“ Antwortete er kurz. „Ist
mit ihrem Bier etwas nicht in Ordnung, oder warum haben sie noch nichts davon
getrunken?“ Versuchte sie das Gespräch in Gang zu bringen. Der junge Mann nahm
die Sonnenbrille ab und lachte. Alexa stellte fest, dass das bedrohliche aus
seinen Augen verschwunden war. Ricardo steckte die Sonnenbrille ein, schob dem
Barmann das Bierglas zu und setzte sich zu ihr. „Ich mache manchmal solche
komischen Sachen und beobachte die Reaktion der Leute. Das ist sehr amüsant.“
Erklärte er. Alexa musste schmunzeln. „Außerdem erfährt man viel über die
Menschen, wenn man sie beobachtet.“ Fuhr er fort. „Und was haben sie über mich
herausgefunden?“ Forschte sie. „Sie sind eine sehr attraktive, selbstbewusste
Frau.
Sie wären auch ohne meine Hilfe mit diesem Kerl fertig geworden.“ „Warum haben
sie mir dann geholfen?“ „Ich wollte ihnen imponieren.“ Gestand er. „Das ist
ihnen gelungen.“ Ricardo sah ihr in die Augen. Er fesselte ihre Aufmerksamkeit.
Sie fühlte sich zu ihm hingezogen. „Wollen wir nicht das alberne Sie weglassen
und uns duzen.“ Sagte sie. „Von mir aus gern.“ Stimmte er schnell zu, ohne den
Blick von ihr zu lösen. Er beugte sich zu ihr hinüber und küsste sie auf den
Mund. Das überrumpelte sie, aber sie konnte sich nicht dagegen wehren.
Eigentlich wollte sie das auch gar nicht. „Was hältst du davon, wenn wir
woanders hingehen, und unser Gespräch weiter vertiefen?“ Schlug er plötzlich
vor. Sie wollte es verneinen, aber sie fühlte sich geschmeichelt, von so einem
jungen Mann begehrt zu werden. Außerdem hatte sie schon so lange keinen Sex mehr
gehabt. Sie stimmte zu.
Ricardo bezahlte die Getränke und rief ein Taxi. Sie fuhren zu einer alten
Villa. Alexa sah sich um. „Ist das dein Haus? Fragte sie erstaunt. „Nein, das
habe ich nur gemietet. Ich wohne hier, wenn ich in der Stadt bin.“ Erklärte er
und führte sie hinein. Wieder küssten sie sich. Ricardo trug sie hinauf ins
Schlafzimmer. Sie zogen sich aus und legten sich auf das große Bett. Er
streichelte und küsste sie an jeder Stelle ihres Körpers. Sie genoss jede
Berührung. Soviel Aufmerksamkeit hatte ihr noch niemand geschenkt. Ricardo sah
sie an. „Ich begehre dich schon so lange.“ Sagte er plötzlich. „Du denkst, du
bist alt und unattraktiv, weil dein Mann dich wegen einer Jüngeren verlassen
hat.
Aber das stimmt nicht. Dein Mann ist ein Narr, so ein Juwel wie dich
wegzuwerfen.“ Alexa war irritiert. Woher wusste er das. War das Treffen in der
Bar etwa kein Zufall gewesen. Hatte er ihr die ganze Zeit nachgestellt. Sie
wollte etwas sagen, doch er legte seine Finger auf ihren Mund und gebot ihr
Schweigen. „Ich möchte, dass du immer so bleibst. Ich kann dafür sorgen, dass du
nie alt wirst, nie krank und nie stirbst.“ Er entblößte seine spitzen Eckzähne
vor ihr. Fassungslos starrte sie ihn an. Sie hatte Bücher und Geschichten über
Vampire gelesen, doch niemals an ihre Existenz geglaubt. Zögernd berührte sie
sein Gesicht. Er ließ es lächelnd zu. „Du wirst immer noch schön sein, wenn
diese junge Frau, wegen der dich dein Mann verlassen hat, schon längst zu Staub
zerfallen ist. Willst du das? Fragte er. „Ja.“ Flüsterte sie. Ricardo küsste
sie. Er drang in sie ein, und führte sie zur Ekstase. Dann spürte sie nur noch
einen stechenden Schmerz an ihrer Kehle, und es wurde dunkel um sie herum.
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