2nite
Alles begann an einem kalten Winterabend im Januar. Wo ich jetzt so zurück
blicke war es wirklich amüsant. Leider hat ja alles irgendwann ein Ende. Auch
bei uns. Darf ich mich vorstellen? Danke sehr. Mein Name ist Nathan „das
Geschenk“. Lustiger weise wurde ich auch immer wie eins behandelt. Meine Mutter
gab mich sofort nach der Geburt in ein Waisenhaus. Und zu dem Zeitpunkt meiner
Geburt war das noch nicht so was schönes mit eigenem Zimmer, PCs, Fernsehern und
richtiger Erziehung.
Da ich im 17. Jahrhundert geboren wurde, gab es all diese schönen technischen
Wunder noch nicht. Vielleicht könnt ihr Euch vorstellen wie das Leben damals
war. Na ja, irgendwie habe ich mich schon immer durchgeschlagen. Doch eines
Tages wurde alles anders. Ich arbeitete damals wie alle anderen Jungen meines
Alters aus dem Waisenhaus bei einem Bäcker. Nein, natürlich arbeiteten wir nicht
alle bei dem selben. Was denkt Ihr denn? Ihr solltet wissen, das der Bäcker eine
Tochter hatte. Sie war echt nett.
Leider wurde sie eines Tages geschändet und ermordet hinter der Backstube
aufgefunden. Und wie damals üblich wurde ich, der Lehrling, des Mordes
angeklagt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich schon ein Auge auf
sie geworfen hatte. Aber ich hatte sie nicht angerührt. Als ich dann im
Gefängnis saß und darauf wartete das der Priester mir die Beichte abnahm,
unterhielt ich mich mit meinem Zellengenossen. Er bot mir eine Chance an weiter
zu leben. Erst als er mir seine Zähne in den Hals rammte, wußte ich, dass dies
mein Leben komplett umwälzen würde. Mein Schöpfer übrigens wurde in der nächsten
Nacht bei einem Ausbruchsversuch getötet. Tja, alles hat mal ein Ende. Ich
hingegen konnte fliehen und lebte durch die Jahrhunderte hin durch nicht grade
schlecht. Irgendwann hatte ich ein kleines Vermögen erwirtschaftet und konnte
davon gut leben. Bis ich auf Abbie traf.
Es war ein kalter Winterabend im Januar. Ich war auf der Jagd in einem Park.
Dort fanden sich immer irgendwelche Obdachlose an denen ich mich gütig tun
konnte. An diesem Abend jedoch roch ich schon bei den Toren des Parks, dass
irgendwas nicht richtig war. Nach ein paar Schritten hörte ich es auch. Eine
junge Frau schrie um Hilfe. Ich hörte ihre Schritte und das Keuchen ihres
Verfolgers. Noch bevor ich ihr zu Hilfe eilen konnte, hatte er sie schon
eingeholt und auf den Boden geworfen. Als ich bei ihr war lag er auf ihr und
zerrte ihr den Rock hoch. Ich packte ihn von hinten und brach ihm das Genick.
Die arme Kleine. Halb bewusstlos trug ich sie zu meinem Auto und brachte sie zu
mir nach Hause.
Dort angekommen legte ich sie erst ein mal in mein Bett und deckte sie gut zu.
Dann schrieb ich ihr einen Zettel wer ich war und wo sie war. Dann ging ich erst
einmal zurück zu dem Toten und nahm mir sein Blut. Jetzt wo er tot war konnte
ich ruhig mehr nehmen als sonst. Er brauchte es doch eh nicht mehr.
Als ich zurück in meine Wohnung kam war Abbie nicht mehr in meinem Bett. Ich
hörte jedoch sofort das sie noch da war. Sie stand hinter der Schlafzimmertür
und versuchte sich dort zu verstecken. Sie wußte damals noch nicht das ich
deutlich ihren Atem hören konnte. „Du kannst ruhig hinter der Tür raus kommen.
Ich werde dir nichts tun“ sagte ich um sie zu beruhigen. „Was wollen Sie von
mir? Warum haben Sie mich hier her gebracht?“ fragte sie mich als sie
schließlich hinter der Tür hervorkam. „Kannst du dich nicht mehr daran erinnern,
was im Park passiert ist?“ „Doch schon, aber warum haben Sie mich dann nicht ins
Krankenhaus gebracht?“ „Ich dachte mir nur das du hier sicherer bist als im
Krankenhaus. Im übrigen musst du nicht ins Krankenhaus. Du bist schließlich
nicht verletzt.“ „Wo her wollen Sie das denn wissen? Haben Sie mich etwa
ausgezogen?“ Leise Panik schwang in ihrer Stimme mit als sie dies sagte und an
sich herunter blickte. „Nein, das würde ich nie ohne Ihre Erlaubnis tun“ war
meine einzige Antwort.
Seitdem lebte Abbie bei mir. Erst hatte ich sie nur ein bisschen aufpäppeln
wollen. Dann wurde ich mehr oder minder dazu gezwungen sie durch zu füttern, da
ich es nicht verantworten konnte sie nach Hause zu schicken. Als sie drei Tage
nach eine Woche nach dem Zwischenfall im Park einmal vergaß die Tür zum
Badezimmer zu verschließen als sie Duschen ging, kam ich plötzlich herein. Ich
konnte nicht mehr hören, wo sie sich in der Wohnung befand, da ich nur noch
ihren Herzschlag in den Ohren hatte. Ich hätte schon längst wieder jagen gehen
sollen. Doch ich konnte es nicht übers Herz bringen sie nachts alleine zu Hause
zu lassen. Als ich an diesem Tag das Badezimmer betrat, hatte ich mich nicht
mehr richtig unter Kontrolle, sonst wäre das alles nicht so passiert wie es
geschehen ist.
Abbie stand schon unter der Dusche, als ich die Tür aufmachte und sie nackt dort
stehen sah. Prompt überkam mich das Verlangen. Sie musste mich gehört haben,
denn sie drehte sich um und schaute mich an. Ich stand noch immer in der Tür und
starrte sie nur an. Sie schob den Duschvorhang beiseite und stieg aus der
Dusche, so wie sie war. Langsam kam sie auf mich zu und umarmte mich. Aus Reflex
erwiderte ich ihre Umarmung. „Jetzt, wo du eh schon nass bist, kannst du auch
gleich die Klamotten ausziehen.“ „Aber, aber...“ „Kein aber. Ich weiß mehr über
dich als du glaubst. Du dürftest dich nicht mehr ganz unter Kontrolle haben.
Stimmst? Also hör auf dich zu sträuben. Du schaffst es ja doch nicht.“ Also lies
ich es zu, dass Abbie mir die nassen Sachen auszog und mich unter die Dusche
zog. Dort shampoonierte sie mich ein und lies ihren Körper immer wieder wie
zufällig an meinem entlang gleiten. Anschließend trocknete ich sie ab und trug
sie ins Schlafzimmer. „Na, dann wollen wir doch mal sehn was du so alles
draufhast“ stöhnte sie als ich sie aufs Bett legte. „Mehr als du glaubst“
Als wir am nächsten Morgen am Frühstückstisch saßen, fragte ich sie, woher die
blauen Flecken an ihren Körper kamen. Sie waren mir schon am Vortag aufgefallen,
als sie neben mir lag. „Ich verstehe mich nicht sehr gut mit meinem Stiefvater.
Deswegen suche ich auch eine eigene Wohnung.“ „Und woher wusstest du das ich
mich nicht mehr ganz beherrschen konnte?“ „Ich habe es daran gemerkt, dass du
nicht gemerkt hast, dass ich unter der Dusche stand und das du ziemlich ungestüm
warst.“ Nach einer kleinen Pause fügte sie dazu „du kannst auch von mir trinken,
wenn du willst“ „Nein, das kann ich nicht machen. Ich gehe heute Nacht auf
Jagd.“ Damit war das Thema gegessen und wir widmeten uns sehr viel
interessanteren Bereichen.
Bis zum Abend beschäftigten wir uns sehr gut, obwohl es immer schwieriger wurde
als die Sonne unterging. Schließlich zog ich mich an und fuhr mit meinem Wagen
zu einem in der Nähe gelegenen Waldstück, wo sich öfters Obdachlose
herumtrieben. Da diese kein Dach über dem Kopf haben, wie schon der Name sagt,
hatte sie auch keinen Schutz des Heimes. Wie dieser Schutz genau funktioniert
ist selbst uns unklar. Auf jeden Fall sind die Menschen ohne ihn sehr viel
verletzlicher.
Schnell hatte ich eine Gruppe ausgemacht, die sich am Rand des Waldes
niedergelassen hatten. Doch etwas stimmte nicht. Sie sahen zwar wie Penner aus,
rochen aber anders. Einfach sauberer. Ich will damit nicht sagen das Obdachlose
stinken, jedoch riechen sie anders. Nach den Orten wo sie schlafen. Im
Nachhinein kann es ja zugeben. Ich war ziemlich naiv. Ich merkte einfach nicht
was los war. Erst als die Falle zuschnappte bemerkte ich es. Es ging alles so
schnell, das ich gar nicht genau sagen kann was passierte. Die Menschen
blendeten mich mit einer Halogenlampe und griffen mich an. Doch bevor sie mich
pfählen konnten, verschwanden sie. Eine Gruppe Vampire hatte sie verscheucht.
Als ich die Augen wieder aufmachen konnte, stand sie vor mir. Ihr Gesicht
schwebte mit einem besorgten Ausdruck in ihren Augen über mir. „Ich hatte schon
Angst, dass wir zu spät gekommen wären“ sagte sie zu mir als ich sie verwundert
anblinzelte. Ich war wohl noch ziemlich geschockt, dass ich die Falle nicht
rechtzeitig bemerkt hatte. „Ist alles in Ordnung mit dir?“ „Ja. Nur mein Ego hat
was abbekommen.“ „Dann ist ja gut. Dieses mal wird sie uns nicht durch die
Lappen gehen.“ „Wovon redest du? Was ist eigentlich passiert?“ „Oh
Entschuldigung. Mein Name ist Alexandra. Ich rede von Abbie. Du bist anscheinend
auch eins von ihren Opfern“ sagte sie während sie mir hoch half. Nicht das ich
das nötig gehabt hätte. Ich lasse mich nur halt gerne von hübschen Frauen
anfassen. Oh. Entschuldigung. Ich hatte ganz vergessen sie zu beschreiben. Tja,
wenn ich nicht so abgelenkt wäre, dann würde ich auch mehr um mich herum
mitbekommen. Nun denn.
Alexandra war, oder besser gesagt ist, ca. 1,70 cm groß. Das bemerkte ich
natürlich erst, als sie vor mir stand. Sie hat lange rote Haare und grüne Augen.
Ihr Gesicht ist insgesamt hübsch. OK, das heißt bei uns Vampiren nicht viel,
aber ich erwähne es doch immer wieder gerne. Auch ihr Körper ist sehr
wohlgeformt. Die Kurven an den richtigen Stellen sind halt an den richtigen
Stellen. Doch ihre Stimme ist es, die mich immer wieder zum Erschaudern bringt.
Sie klingt, als ob sie ein bisschen heiser wäre. Mit genau dieser Stimme
erklärte sie dann auch was überhaupt los war. „Abbie ist keine normale Frau.
Sie haßt uns. Dieser Hass geht so weit, dass sie sich an Vampire ranmacht und
sie dann umbringen lässt.“ „Moment mal. Das kann ich dir nicht glauben. Warum
sollte sie so etwas tun? Sie haßt uns nicht. Ganz bestimmt nicht“ verteidigte
ich Abbie. Alexandra seufzte. „Du hast mit ihr geschlafen stimmt’s? Mein Bruder
hat das gleiche von ihr gedacht. Nun ist er tot und ich ganz allein.“ „Das tut
mir leid, aber was hat das mit Abbie zu tun?“ Langsam wurde ich ungeduldig. Ich
hatte heute immer noch nichts gegessen und die Nacht neigte sich ihrem Ende zu.
„Wenn du mir zuhören würdest, würdest du es auch verstehen“ sagte Alexandra.
„Mein Bruder kam eines Abends zu mir. Er erzählte mir, dass er ein Mädchen
aufgegabelt hätte, das vergewaltigt wurde. Ein paar Tage später war er tot. Sie
hatte ihm den Kopf verdreht und ihn dann zum Abschuß freigegeben.
Seine Mörder sind in seine Wohnung eingedrungen während er geschlafen hatte“
Alexandra redete sich immer mehr in Rage „und uns allen geht es so. Abbie hat
uns alle reingelegt und jemanden aus unserem Leben getötet. Dafür jagen wir
sie“. Alexandra sah mittlerweile ziemlich aufgelöst aus. „Sie dürfte noch nicht
wissen, dass du nicht tot bist. Können wir nicht mit zu dir kommen und sie
befragen? Dann wirst du die Wahrheit erkennen“ fragte sie mich. Ich weiß auch
nicht warum ich zustimmte, doch Minuten später stand die ganze Gruppe vor meiner
Tür. „Wahrscheinlich ist es besser, wenn erst mal nur ein paar von uns mit
reinkommen. Wenn sie nicht allein ist, könnt ihr uns ja immer noch zu Hilfe
eilen“ sagte ich zu meinen ungeduldig wartenden Artgenossen. Leise schloss ich
die Tür auf und winkte Alexandra und zwei weitere Vampire rein. Plötzlich ging
die Tür am Ende des Flurs auf und Abbie stand im Licht. „Willst du mir
vielleicht etwas sagen?“ fragte Alexandra in die Stille hinein. „Ich glaube kaum
das sie noch sehr viel zu sagen hat“ bellte einer der beiden anderen Vamps die
in meiner Wohnung standen. „Schnappt sie!“ Sofort stürzten sich ein Dutzend
Vampire auf Abbie.
Noch bevor ich etwas dagegen tun konnte, schleppten die anderen sie aus der
Wohnung ins Freie. Aber ich hätte eh nichts gemacht. Ihr Gesichtsausdruck sagte
mir alles. Nur Alexandra blieb bei mir. „Ich kann gar nicht glauben das wir sie
endlich haben. Nicht auszudenken, wenn sie dich auch noch umgebracht hätte“ sie
zitterte am ganzen Leib. Ich konnte nichts dagegen tun, ich musste sie einfach
in den Arm nehmen. „Wenn sie die Wahrheit sagt, findet ihr auch noch die anderen
Vampirjäger“. „Ich hoffe doch mal. Dann müsste ich nicht immer in dieser Angst
leben, die nächste zu sein.
Weißt du, sie hatte so viel Erfolg mit der Masche das sie vergewaltigt wird und
dann gerettet, das es wahrscheinlich noch viel mehr Opfer gibt, als wir wissen.“
„Mach dir mal lieber keine Gedanken darüber. Ihr habt sie doch jetzt. Die
anderen werden das schon aus ihr rauskitzeln. Willst du hier bleiben oder holt
dein Gefährte dich ab? Die Nacht endet bald.“ „Ich habe keinen Gefährten. Ich
konnte mich einfach auf nichts anderes als Abbie konzentrieren“ sie schmiegte
sich an meine Brust „aber es wäre echt nett wenn du ein Plätzchen für mich
hättest.“
Ein Jahr später beschloss ich meine Memoiren zu schreiben. So sitze ich jetzt
auf meiner Terrasse und schreibe. Grade kommt Alexandra von der Jagd wieder. Wir
sind immer noch ein Paar. Seit der Nacht von Abbies „Verschwinden“ sind wir
unzertrennlich. Sie kommt auf mich zu und setzt sich auf meinen Schoss. Meine
Hand legt sich um ihr Taille und hält sie fest.
Abbie hat uns zusammen gebracht obwohl sie uns töten wollte. Wir sollten ihr
danken. Doch sie hat uns unterschätzt.
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