| |






 |
|
|

Vampir Geschichten
Kurzgeschichten über die
Nachtwesen |
|
Das Duell |
|
Zenobia
Seit einigen Nächten geschahen merkwürdige Dinge in Nicholas Revier. Immer
wieder fand er Menschen mit aufgerissenen Hälsen auf offener Strasse liegen.
Das Blut bildete jedes Mal eine riesige Lache um die Körper herum. Nicholas
ahnte, was das bedeutete, wenn der Artgenosse den Lebenssaft verschmähte.
Er wollte ihn, als Revierinhaber, provozieren und durch die Morde seine
Absichten kundtun. Wahrscheinlich würde es nicht mehr lange dauern, bis sich der
Unbekannte zeigen würde, um seine Forderungen zu stellen.
Nicholas war darauf gefasst. Er hatte im Laufe der Jahrhunderte schon öfters
sein Gebiet verteidigen müssen.
Das war eben das Schicksal, wenn man gute Jagdgründe besaß. Es gab immer andere
Unsterbliche, die sie erobern wollten.
Durch seine Kampferfahrung blieb Nicholas, bis jetzt, noch einigermaßen
gelassen. Er hatte den anderen zwar noch nicht gespürt, aber das musste nicht
bedeuten, dass er stärker war.
Bei dreihundert Jahren Lebenserfahrung, fühlte er sich ziemlich sicher.
An einem Abend, als Nicholas selbst auf Jagd war und über sein Gebiet
hinwegglitt, hörte er den Schrei einer Frau.
Sogleich ortete er die Herkunft des Schreies, aber als er zu der Stelle kam, war
sie bereits tot und ihr Hals abermals zerfleischt, wie bei den anderen Opfern.
Sie musste erst kurz vor seinem Eintreffen, gestorben sein, denn ihr Körper war
noch warm und das Blut floss aus der klaffenden Wunde.
Suchend blickte Nicholas sich um, musterte die umliegenden Dächer und den
Himmel, aber er konnte nichts entdecken und auch keine Schwingungen spüren.
Wo versteckte der andere sich?
Allmählich kamen ihm Zweifel, ob es diesmal einfach werden würde, zu siegen.
Der intensive Geruch des Blutes auf dem Asphalt, lenkte ihn ab und ließ seine
Adern zusammenkrampfen. Er starrte auf die Lache zu seinen Füssen, aber die Gier
erwachte nicht. Nicht, wenn sie schon tot waren.
Er brauchte den Puls, als Stimulans, gepaart mit dem menschlichen Geruch. Die
Geräusche des Herzens, versetzten seinen Körper in Aufruhr und wenn er ihnen
lauschte, dann ballte sich die Gier in seinem Bauch zusammen, um langsam hoch
zukriechen, während der Puls in seinen Ohren, unaufhörlich zu einem Dröhnen
anschwoll, um dann plötzlich auszubrechen und das Opfer zu packen.
Vermutlich war es ratsam, seine Kraftreserven schnellst möglich aufzufüllen. Wer
wusste schon, wann der Herausforderer, sich zeigen würde. Sicher in einem
Moment, in dem Nicholas am schwächsten war, so wie jetzt.
Hungrig und ausgezehrt.
Er hörte auf einmal ein schwaches Flirren der Luft und spürte leichte
Vibrationen im Körper.
Der Andere!
Nicholas erblickte ihn, in einigen Yards Entfernung, an einer Straßenlaterne,
lehnen. Der schwarzhaarige Unbekannte setzte sich langsam in Bewegung, kam auf
menschliche Weise auf Nicholas zu.
Dieser rührte sich nicht von der Stelle, beobachtete den Fremden sehr genau, um
einem Überraschungsangriff zuvor zukommen.
Er wusste ja nicht, ob sich der andere an die Regeln des Kodex hielt. Heutzutage
verkamen die alten Gesetze immer mehr.
Die jungen Unsterblichen kannten Begriffe, wie Respekt und Ehre nicht mehr.
Schon einige Male, hatten ganze Horden von Jungen, die Grundstücke von Älteren
überfallen und sie niedergemetzelt.
Nach altem Gesetz, war das eindeutig Mord.
Die Vernichtung eines Artgenossen war nur im Duell legitim, oder bei der Sühne.
Der andere Unsterbliche, mit südländischem Aussehen, war nun auf einige Schritte
herangekommen und sah Nicholas abschätzend an. Er verzog keine Miene, als er ihm
mitteilte, dass er sein Revier wolle und dass Nicholas Garten, morgen der
Austragungsort, des Duells sein solle.
Der Revierbesitzer erklärte sich einverstanden und erwiderte den kalten Blick
des Herausforderers, aus stahlblauen Augen.
Nicholas schätzte ihre Stärke, aufgrund der Aura, die er spürte, ungefähr gleich
ein und das beruhigte ihn ein wenig. Zumindest war der andere Vampir nicht
mächtiger.
Wahrscheinlich, weil er äußerlich, im Gegensatz zu Nicholas, sehr jung war.
Der Ältere schätzte sein Umwandlungsalter auf Anfang zwanzig. Er hingegen, hatte
schon reife vierzig erreicht gehabt, als ihn ein damaliger Freund, unsterblich
machte. Nicholas war an Tuberkulose erkrankt und hatte nur noch den Tod zu
erwarten gehabt.
Damals ließ er seine geliebte Frau und seine drei Kinder, für dieses neue Dasein
zurück. Er hatte den Preis für die Unsterblichkeit gekannt, seine eigene
Beerdigung inszeniert, um für die sterbliche Welt, tot zu sein.
Die schwerste Bürde, war die Trennung von seiner Frau gewesen. Sie hatten sich
sehr geliebt und er quälte sich lange damit, nicht zu ihr zurück zu können. Er
hatte sie oft beobachtet, oder sie heimlich im Schlaf betrachtet. Einmal war er
dabei schwach geworden, hatte sich ihr genähert und sie geliebt. Estelle hatte
es für einen erotischen Wunschtraum gehalten. Um sich abzulenken, verließ er
England für viele Jahre.
Sein Herausforderer wandte sich nun von ihm ab und sagte:“ Wir sehen uns morgen.
Noch wohl bekommt’ s. Dein Nahrungsangebot hier, ist ja ganz gut, wie ich
feststellen durfte. Auch, wenn ich nur gekostet habe.“
Dabei grinste er Nicholas hinterhältig an und verschwand in der Luft.
Nach seiner erfolgreichen Jagd, kehrte der Ältere zu seinem Haus zurück. Es war
ein unscheinbares Einfamilienhäuschen in einem Londoner Vorort, mit großem
Garten. Nichts besonderes, aber das war ihm gerade recht. Er wollte nicht weiter
auffallen.
Seine drei Gefährtinnen saßen gerade im Wohnzimmer zusammen und kicherten, als
er hereinkam.
Madeleine bemerkte, als erste seinen ernsten Gesichtsausdruck und spürte die
Gefahr. Sie war die Älteste der drei Frauen.
„ Was ist, Nicholas?“
Er blickte in die Runde:“ Packt eure Sachen! Ihr müsst den Tag irgendwo anders
verbringen. Ich wurde herausgefordert.“
Madeleine nickte nur und verließ das Zimmer. Sie kannte das Prozedere schon.
Anne und Claire wussten hingegen nicht genau, von was er sprach.
Claire, seine Jüngste, fragte verwirrt:“ Wieso? Wo soll ich hin?“
Nicholas entgegnete:“ Madeleine wird schon etwas finden. Geh einfach mit ihr. Es
wäre zu riskant, wenn ihr hier bleibt. Ich weiß nicht, was der Unbekannte
vorhat. Wir werden in unserem Garten kämpfen und ich kann nicht garantieren,
dass ich gewinne.“
Claire stürzte zu ihm und umarmte ihn stürmisch:“ Du musst siegen. Ich will dich
nicht verlieren.“
Er streichelte über ihre Wange und lächelte.“ Ich tu mein Bestes, glaub mir. Und
nun geh!“
Seine kleine, blonde Prinzessin fügte sich widerwillig, küsste ihn zum Abschied
und verschwand dann in den Keller, um noch einige Dinge mitzunehmen.
Anne war schon vorhin mit Madeleine verschwunden. Claire war die Einzige von
ihnen, die er verwandelt hatte. Sie war noch sehr jung und weckte immer wieder
seinen Beschützerinstinkt.
Madeleine hingegen, konnte sehr gut auf sich alleine aufpassen. Sie war es
gewohnt, allein zu leben und hatte hundertfünfzig Jahre hinter sich.
Nicholas hörte, wie sie im Flur sagte:“ Also, Mädels! Hauen wir ab!“
Dann war er allein.
Er trat an die Schublade einer alten Kommode und zog sie auf. Darin kam ein
Kurzschwert, auf Samt gebettet, zum Vorschein.
Es hatte schon einigen unsterblichen Gegnern, den Kopf abgetrennt.
Nicholas hob es heraus, betrachtete die blitzende Klinge und fuhr leicht über
die Schneide. Es hinterließ einen schwach blutenden Kratzer, der sich schnell
wieder schloss.
Zufrieden mit der Schärfe, der Klinge, legte er es wieder zurück.
Bis morgen!
Die Regeln eines Duells waren nach dem Kodex ziemlich genau festgelegt.
Vor dem eigentlichen Kampf, musste die Herausforderung persönlich ausgesprochen
werden. Daran hatte sich der Fremde gehalten.
Vermutlich würde er sich auch an die Weiteren halten. Nur von Unsterblichen zu
Unsterblichen und nur mit Zähnen und Klauen.
Das Schwert oder Messer durfte erst am Ende eines Kampfes, wenn der Sieger schon
feststand, für den Gnadenhieb eingesetzt werden.
Gnade deshalb, weil der Verlierer mit abgeschlagenem Kopf, ohne Bewusstsein am
Morgen verbrannte. Er hätte sonst schreckliche Schmerzen zu erdulden.
Nicholas erwachte heute früher, als sonst. Wahrscheinlich, weil sich sein Körper
unbewusst auf das Duell eingestellt hatte. Der Himmel war noch leicht rötlich,
als er in die Wohnräume trat.
Die Leere im Haus und auch in seinem Bett, war ungewohnt.
Normalerweise schlief Claire oder Madeleine bei ihm. Anne war mehr Claires
Gefährtin. Sie führten eine Art Dreiecksbeziehung.
Ein wenig Furcht vor dem Kampf, verspürte er schon. Es war ein fast ebenbürtiger
Gegner und er konnte nicht genau abschätzen, wie stark der andere wirklich war.
Vom Aussehen her, würde sich Nicholas mehr Chancen einräumen. Sein Gegner war
schmächtiger und jünger. Aber das waren, in ihren Kreisen, keine verlässlichen
Zeichen für geringere Macht.
Nicholas betrachtete sich im Spiegel, der über der Kommode hing, aus der er das
Schwert herausnahm.
Man sah ihm an, dass er spät unsterblich wurde. Seine braunen, halblangen Haare
waren von grauen Strähnen durchzogen und in den Augenwinkeln zeichneten sich
leichte Fältchen ab.
Das tat seiner Attraktivität bei Artgenossen allerdings keinen Abbruch, verlieh
ihm eher eine respekteinflößende Ausstrahlung.
Nun steckte er das Schwert in die Halterung, an seinem Gürtel und zog eine Jacke
über.
Er würde auf dem Dach seines Hauses, auf den Herausforderer warten. Dann
entdeckte er ihn hoffentlich rechtzeitig.
Nicholas hockte auf dem First und betrachtete die Sterne, die zwischen den
Wolken hervorschauten.
Ein leichter Nieselregen setzte ein, was ihn überhaupt nicht kümmerte. Er
brauchte die Kälte nicht mehr zu fürchten.
Immer wieder suchte er den Himmel nach einer Gestalt ab, aber bis jetzt, ließ
sich niemand blicken.
Seine Sinne arbeiteten auf Hochtouren, um die kleinste Veränderung sofort zu
bemerken. Jeder Bruchteil einer Sekunde zählte, konnte über Sieg oder Niederlage
entscheiden.
Fast die halbe Nacht saß er nun schon hier, inzwischen völlig durchnässt. Die
nassen Klamotten würden ihn später eher behindern, als vor Bissen und Kratzern
schützen.
Also, zog er die Jacke und den Pulli aus, damit er genug Bewegungsfreiheit
hatte.
Gerade warf er den Pulli auf die Dachziegel, als sein Gegner plötzlich einige
Schritte von ihm entfernt, da stand und ihn heimtückisch anlächelte.
„ Sei gegrüßt, Nicholas! Ich wollte mich nur noch vorstellen. Damit du weißt,
wer dich zur Strecke bringen wird. Mein Name ist Lorenzo und mich hat es vom
sonnigen Spanien in diese kalte, verregnete Gegend verschlagen. Lass uns
beginnen!“
Der Revierbesitzer raunte:“ Von mir aus.“, und griff sofort an.
Damit hatte Lorenzo nicht gerechnet. Er wurde in den Arm gebissen und vom Dach
geschleudert. Natürlich fing er sich ab und wollte Nicholas aus der Luft
angreifen, aber der war schon bei ihm und packte ihn am Bein.
Nicholas krallte sich mit seinen Klauen, in die Wade des anderen und zog ihn mit
sich zu Boden. Dort versuchte er Lorenzo auf die Erde zu pressen, aber der
schlug mit seinen ausgefahrenen Klauen nach Nicholas Gesicht und erwischte ihn
an der Brust.
Vier tiefe Kratzer klafften nun in der Haut und bluteten kurz, aber es
versiegte, aufgrund der schnellen Heilung wieder.
Das Ziel eines Kampfes war, dem Gegner stark blutende Wunden zuzufügen, die ihn
in kurzer Zeit schwächen würden. Das war die einzige Möglichkeit dem Gegner zu
schaden. Schmerz empfanden die Unsterblichen dabei nicht.
So versuchte jeder der Kontrahenten, dem anderen eine Hauptarterie aufzureißen.
Nicholas kniete über Lorenzo, wehrte die Attacken seiner Klauen ab und wollte
seine Handgelenke zu fassen bekommen.
Der andere knurrte wütend und bleckte die Reißzähne, versuchte sich unter
Nicholas Knien herauszuwinden, die er ihm in die Brust stemmte.
Bei beiden Vampiren glühten die Augen vor Gereiztheit.
Da erwischte der Ältere, Lorenzos Handgelenk, mit den Zähnen und verbiss sich
darin. Nicholas hatte eine Vene getroffen. Unter seinen Lippen quoll das Blut
hervor und er begann zu saugen.
Der Spanier versuchte den Arm wegzuzerren, aber Nicholas hielt ihn noch mit der
anderen Hand umklammert.
Das war die Chance für den Hausherrn. Er musste ihm soviel Blut, wie möglich
rauben. Dadurch, dass er gestern gejagt hatte, konnte er heute wieder einen Teil
des Saftes aufnehmen.
Die Schläge und Kratzer die er während des Trinkens einstecken musste, schienen
ihn nicht zu berühren. Seine Wange wurde aufgeschlitzt und die gegnerische Faust
donnerte einige Male gegen seinen Schädel.
Als er satt war, ließ Nicholas von der Ader ab und drückte den Arm von Lorenzo
mit Mühe zu Boden. Dabei tropfte Blut aus seiner Nase heraus. Sicherlich von den
Schlägen an seinem Kopf.
Nun hatte sein Gegner nur noch einen Arm frei, mit dessen Krallen, Lorenzo ihm
den Oberkörper zerfleischte. Die Haut hing stellenweise in Fetzen herunter, aber
Nicholas konzentrierte sich jetzt nur auf die Hauptader des Unterlegenen. An die
musste er herankommen und dafür nahm er weitere Verletzungen in Kauf.
Er ließ Lorenzo weitertoben und sich unter seinem Gewicht winden und wartete nur
auf den richtigen Augenblick. Er bekam ihn.
Der Herausforderer präsentierte ihm kurz die Schlagader, als er den Kopf
herumwarf und Nicholas zögerte keinen Augenblick, ließ den einen Arm von Lorenzo
los, packte ihn an den schwarzen, langen Haaren und schlug seine Zähne, so tief
er konnte, in dessen Halsseite.
Sein Gegner fauchte wild, zerkratzte seinen Rücken, aber Nicholas grub seine
Zähne noch tiefer in das Fleisch. Dann zog er mit einem kräftigen Ruck den Kopf
zurück und riss Lorenzo dabei die ganze Seite auf. Das Blut schoss Nicholas ins
Gesicht und er sprang nun auf die Füße, um abzuwarten.
Sein Gegner richtete sich ebenfalls auf und betrachtete Nicholas lauernd. Das
Blut floss unaufhörlich aus der großen Fleischwunde, färbte die Kleidung auf der
einen Seite rot. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis Lorenzo
zusammenbrechen würde.
Nicholas betrachtete seinen Gegner bloß noch, um seine folgenden Attacken
abzuwehren. Er riskierte ab jetzt keine Verwundungen mehr.
Dem anderen hingegen blieb nicht mehr viel Zeit, um den Revierbesitzer ernsthaft
zu verletzen.
Mit einem gewaltigen Satz, stürzte er sich auf Nicholas, doch dieser wich nur
aus.
Dieses Spiel trieben sie einige Male, bis Lorenzos Beine anfingen zu zittern.
Nicholas hatte keine Lust mehr, es noch länger hinauszuzögern.
Er sprang knurrend auf den anderen Unsterblichen, riss ihn zu Boden und verbiss
sich in der noch unversehrten Halsseite.
Abermals zerfetzte er eine Arterie und zog sich wieder zurück. Alles ging so
schnell, dass Lorenzo ihn nicht mal verletzt hatte.
„ Elender Schweinehund!“, fluchte dieser.
Er tastete mit einer Hand nach der neuen Wunde und starrte fassungslos auf die
Hand voller Blut.
„ Gib auf!“, forderte Nicholas. „ Oder soll ich dich noch mehr auseinander
nehmen? Du hast keine Chance mehr.“
Lorenzo schüttelte nur den Kopf und zog nun sein Schwert. Es war länger, als das
von Nicholas.
Der Ältere zog ebenfalls seine Waffe:“ Na gut. Wie du willst?!“
Sie umschlichen sich mit erhobenen Schwertern, starrten dem anderen jeweils in
die funkelnden Augen.
Da sich Nicholas haushoch überlegen fühlte, machte er einen Sprung nach vorn und
wollte auf Lorenzo einschlagen. Aber der duckte sich und hieb sein Schwert mit
voller Wucht in Nicholas Seite.
Der Ältere spürte regelrecht, wie seine Muskeln zerschnitten wurden und
natürlich erwischte es auch einige Adern.
<< Verdammter Mist!>>, schoss ihm durch den Kopf und er sah Lorenzos amüsiertes
Grinsen:“ Von wegen, gib auf! Jetzt herrscht wohl wieder Gleichstand. Mal sehen,
wer schneller schlapp macht.“
Nicholas fühlte das Blut aus dem tiefen Schnitt heraussprudeln und er verfluchte
seine Nacktheit. Ansonsten hätte es zuerst das Leder seiner Jacke und den dicken
Pulli zerschnitten. Dann wäre die Klinge nie so tief eingedrungen.
Er presste mit einer Hand die Ränder der Wunde zusammen und mit der anderen
hielt er sein Schwert auf den Gegner gerichtet.
Diesmal griff der Spanier an, schoss frontal auf ihn zu und fuchtelte mit der
Waffe hin und her. Nicholas brachte sich durch einen Sprung in die Luft, in
Sicherheit und stach dann nach unten. Er verletzte den Rücken seines Angreifers.
Allmählich verließen Lorenzo immer mehr die Kräfte, aber auch Nicholas spürte
Schwäche in den Beinen.
Sie belauerten sich ein weiteres Mal, standen beide regungslos im nassen Gras,
um keine Kraft zu vergeuden.
Bei Beiden strömte noch immer Blut aus den Wunden. Nicholas hatte die geringere
Verletzung, so dass der Strom schon bald versiegen würde.
Das Gesicht seines Gegners wurde ausgezehrter, die Wangen waren eingefallen und
die Knochen zeichneten sich bereits ein wenig ab. Die Halswunden schlossen sich
nicht schnell genug, weswegen Lorenzo sicher schon die Hälfte seines
Lebenssaftes eingebüßt hatte.
Nicholas musste ihn hinhalten, bis er zu schwach wäre, sich zu wehren.
Er flüchtete sich scheinbar aufs Dach zurück und Lorenzo folgte ihm natürlich.
Genau da, wollte Nicholas ihn haben. Er ging einige Schritte zurück, richtete
sein Schwert auf den Spanier, bis die Fernsehantenne sein Weiterkommen
verhinderte.
Nicholas setzte nun alles auf eine Karte. Er musste den anderen endlich
unschädlich machen.
Er riss die Antenne aus ihrer Halterung und rammte sie in Lorenzos Leib, der die
Situation ausnutzend, vorsprang, um Nicholas zu packen.
Bei dem Versuch sich von dem Ding zu befreien, zerschnitten die querstehenden
Metallstäbe, immer mehr Adern, in Lorenzos Bauch.
Nicholas hielt das Ende der Antenne eisern fest und sein Kontrahent zerrte
daran, wie der Fisch an der Harpune. Sein Knurren wurde wilder und er versuchte
mit den Klauen nach Nicholas zu schlagen, aber der Metallstab brachte genügend
Abstand zwischen die Beiden.
Nur Lorenzos Schwert war noch eine Bedrohung, mit dem er nach Nicholas schlug.
Deshalb ließ der die Antenne los, sein Herausforderer verlor das Gleichgewicht
und rutschte die Dachschräge hinunter. Dabei verklemmte sich der Antennenstab
zwischen Dach und Regenrinne und Lorenzo hing nun daran und kam nicht mehr los.
Seine Arme erreichten die Rinne nicht, um sie zu verbiegen und sich die vielen
Stäbe aus dem Oberkörper zu reißen, würde ihn noch mehr verletzen. Er hatte sein
Schwert beim Sturz verloren und das hatte sich jetzt Nicholas angeeignet. Er
hatte wohl verloren.
Nicholas stand nun über ihm, am Rand des Daches und betrachtete sich die Lage.
Dann fragte er:“ Hast du genug?“
Sein Gegner hing kraftlos an der Antenne, wie an einem Fleischerhaken und
antwortete boshaft: „ Mach schon! Bring es hinter dich.“
Lorenzos Unterleib, aus dem der lange Stab ragte, war total zerfleischt und es
brodelte darin, wie in einem Vulkan. Er hatte inzwischen keine Kraft mehr und
erwartete den Todeshieb von Nicholas.
Dieser holte nun mit dem Schwert aus, schlug zu und der Schädel seines
Herausforderers fiel endgültig hinunter ins Gras. Nicholas atmete auf.
Er beobachtete noch, wie die Adern aus dem Halsstumpf krochen, um ihr Gegenstück
zu finden und wie die Glieder noch eine Zeit lang zuckten.
Dann rief er per Gedanken, nach seinen Gefährtinnen, die schon wie auf Kohlen
sitzend, bei einem verlassenen Fabrikgelände, gewartet hatten.
Madeleine hatte den beiden anderen Frauen eingebläut, ja nicht bei Nicholas
nachzufragen, um ihn nicht unnötig abzulenken.
Als sie schließlich beim Haus eintrafen, hing ein kopfloser, nackter Körper an
der Dachrinne und der Kopf lag oben auf dem Kamin.
Den Rest würde tagsüber die Sonne erledigen und Nicholas zerhackte dann am
nächsten Abend den verbrannten Leib in kleine Stücke und verscharrte sie im
Garten.
Er hoffte, dass sich das nicht so schnell wiederholen würde. Seine Verletzungen
waren fast verschwunden. Nur noch rötliche Linien erinnerten an die tiefen
Schnitte.
Morgen nacht würde er wieder auf Jagd gehen müssen, denn durch den starken
Blutverlust, kam der Hunger schneller zurück, als üblich.
Claire war sehr erleichtert, dass ihr Schöpfer weiterhin existierte und nicht zu
so einer schwarzen, ausgemergelten Mumie verschmort war, wie dieser Lorenzo.
Sie hatte bis dahin noch nie mit eigenen Augen gesehen, wie die Sonne einen
unsterblichen Körper schädigte.
Es war die endgültige Vernichtung!
zurück
Kontakt zum Autor: Wenn Ihr auf den Künstlernamen unter dem Tabellenkopf klickt
(nicht bei allen Geschichten möglich)
|
|
|