von
Sabsile
Nira betrachtete ihr Spiegelbild. Sie sah bezaubernd aus, in ihrem roten
Ballkleid, das über und über mit Federn bestückt war und ihren wundervollen,
blonden Locken. Doch was brachte ihr das. Sie seufzte. Mit langsamen, gemäßigten
Schritten ging sie zu ihrer Kutsche, sie wollte lieber gleich guten Eindruck
machen. Man sollte sie doch nicht verdächtigen. Der Kutscher lächelte bei ihrem
Anblick und fuhr dann los, sie waren schon etwas spät.
Als sie dann endlich die golden verzierten Treppen hochschritt, sah sie sich
unter den Menschen um, aus reiner Gewohnheit, da sie das immer tat. Den Nira
hatte bereits mehrere Male von besonderen Menschen gehört, die oft eine große
Rolle in der Existenz ihrer Art spielten, sie konnten alles verändern. Ein guter
Freund hatte ihr erzählt, man würde so etwas sofort spüren, die Anwesenheit und
die Magie dieses Menschen. Sie spürte nichts, hatte aber auch nichts erwartet,
langsam begann sie zu zweifeln, ob die Geschichten der Wahrheit entsprachen.
Als sie den Saal betrat, fing sie sofort bewundernde Blicke auf, doch sie war
sich sicher, dass auf solchen Veranstaltungen nicht damit gespart wurde. Heute
wollte sie auf Gespräche setzten, sich mal wieder nett unterhalten. Sie setzte
sich in ihrer Existenz eben oft kleine Ziele, sonst drehte man durch – was gar
nicht so selten vorkam. Wieder sah sie sich um und erblickte einen halbwegs
gutaussehenden Mann, der alleine an der Wand lehnte und auf jemanden warten zu
schien. Zielstrebig schritt sie auf hin zu. Sie war nicht mehr allzu satt, ihre
letzte „Mahlzeit“ lag 24 Stunden zurück und sie konnte ruhig noch etwas
vertragen. Hoffentlich war der Typ nicht allzu nett, Niro mochte es nicht,
netten Typen des Leben zu nehmen.
„Guten Tag, Sir“ . sagte sie, versuchte eine möglichst verführerisch Stimme
hinzubekommen.
„Guten Tag, Mam“ antwortete er mit einem strahlendem, einladendem Lächeln.
„Und, sind sie allein hier?“ fragte sie. Immer ein guter Gesprächsanfang.
„Äh, nein, nicht ganz, mit meinem Bruder, er dürfte in wenigen Sekunden
eintreffen. Ich heiße Serio, Serio van Veleeck.“ Antwortete er.
„Ah ja.“ Sagte sie, mit möglichst gleichgültigem Ton. Aber irgendwie langweilte
er sie.
Dann sah sie ihn.
Er kam auf sie zu, fing auch bewundernde Blicke ein, bis er vor ihnen stand und
sie sich in die Augen sehen konnten, sie sah in seine wunderschönen,
kupferfarbenen Augen, schien darin zu versinken, so tief. Auch er sah ihr in die
Augen. Sie verlor sich in seinen, bemerkte nicht einmal, dass sie mehrere
Sekunden so dastanden, sich einfach nur in die Augen sahen.
Bis sich Serio räusperte. „Ähm…ja, das ist mein Bruder Alias.“ Sagte er, er
schien leicht verwirrt.
Alias. Was für ein außergewöhnlicher, wunderschöner Name. Sie konnte nicht mehr
klar denken, außer an ihn. Er war um ein paar Zentimeter großer als sie, war
wesentlich hübscher als Serio, obwohl der schon nicht so schlecht aussah. Soviel
konnte sie normal beurteilen. Sie dachte viel weniger als sonst.
Ja, sie war verliebt. Wie Liebe auf den ersten Blick.
Doch so bald sie diesen Gedanken vollständig gedacht hatte, erwachte sie aus
ihrer Trance.
Verliebt. Nein. Nein. Sie durfte sich nicht verlieben. NEIN! Er war nicht wie
sie. Sie waren unterschiedlich, wie Jäger und Gejagter. Nein. Verzweiflung
breitete sich in ihr aus, doch ihre Augen immer noch in den seinen, hatte sich
immer noch nicht sattgesehen.
„Nein“ keuchte sie leise und wandte ihre Augen ab.
Alias keuchte ebenfalls. Wieder sah sie ihn an. Doch jetzt waren ihre Gedanken
wieder geordnet.
Ob es passiert war? War der besondere Mensch aufgetaucht? Nira wandte den Blick
ab, um sich besser konzentrieren zu können. Was hatte ihr Freund Nego gemacht,
dem das selbe mit Irina passiert war. Was war mit Irina…Nego und sie hatten
nicht viel gesprochen. Da viel es ihr wieder ein: Irina war eine von ihnen
geworden! Tatsächlich!
Das hieße dann also…
Wieder sah sie in seine Augen, dann stand ihre Entscheidung fest.
„Komm mit!“ flüsterte sie ihm leise ins Ohr, ohne zu zögern folgte er ihr. Der
Zauber lag also auf beiden Seiten.
Dann nahm sie ihn hinaus, um ihn mit einem leicht schmerzhaften Biss in den
Nacken in einen Vampir zu verwandeln, und damit ihre Existenz für immer zu
verändern…
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