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Vampir Geschichten
Kurzgeschichten über die
Nachtwesen |
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Die Jagd |
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Belladonna999
Dichter Nebel zog durch die schmalen Gassen der Altstadt.
Silbern schimmerte sich das Mondlicht in den kleinen Rinnsalen die sich durch
den kurzen, aber heftigen Platzregen gebildet hatten. Unaufhörlich suchte sich
das kühle Nass seinen Weg in den Untergrund.
Die Strassen waren wie ausgestorben. Hektisch hatten die Menschen Unterschlupf
in Hausgängen, Einfahrten und Wohnungen gesucht.
Keiner wollte bei diesem nasskalten düsteren Wetter noch unterwegs sein. Selbst
die streunenden Hunde und Katzen hatten sich in ihre Löcher verkrochen und
wagten sich nicht wieder heraus.
Sie spürten wohl dass noch etwas anderes in den dunklen Gassen lauerte, etwas
weitaus gefährlicheres. Etwas das sich in der Dämmerung des nächtlichen Prag
verborgen hielt.
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Sein Durst trieb ihn voran, die Gier nach menschlichem Blut.
Seine Eingeweide schmerzten, er musste diese Nacht unbedingt trinken. Das alles
kam ihm immer noch so neu vor. Die Gefühle und Empfindungen die er von den
Sterblichen auffing.
Die Geräusche die er nie zuvor so klar und deutlich wahrgenommen hatte.
Die Intensität der Farben und Gerüche die ihn einhüllten. Seine Wandlung lag
bereits einige Zeit zurück und dennoch kam er sich vor wie in jener ersten
Nacht, in der ihn sein Lehrer in das dunkle Geheimnis einweihte.
Er jagte gerne in den einsamen, abgelegenen Gassen und Gärten der Stadt, fernab
von den Touristen die des Nachts durch die Altstadt strömten. Hier lauerte er
auf Familienväter die von der Spätschicht kamen oder er verschaffte sich durch
offene Balkontüren Zugang zu ihren Wohnungen.
Genauso gerne spielte er aber auch mit seinen weiblichen Opfern, indem er sie
offen auf der Strasse oder in Bars und Diskotheken ansprach. Er musste sich
keineswegs in der Dunkelheit verstecken und auf Frauen hatte er eine schier
magische Anziehungskraft.
Bei ihnen musste er meist nicht einmal seine dunkle Gabe einsetzten. Seine Opfer
erinnerten sich nach seinem Kuss an nichts, sie behielten keine Wunden zurück
und keines seiner Opfer musste sterben.
In der Ferne hörte er Schritte die sich ihm unaufhaltsam näherten und eine
ältere Frau bog in die dunkle Gasse ein, in der er bereits auf sie lauerte. Er
verbarg sich in einer dunklen Nische und griff Blitzschnell zu als sie in seine
Greifweite kam. Er hatte sie von hinten gepackt, ihr mit einer Hand den Mund
verschlossen.
Mit sanfter Stimme redete er auf sie ein und im gleichen Moment wurde sie ruhig.
Sie leistete keinerlei Gegenwehr, legte den Kopf so zur Seite so dass sich die
Haut an ihrem Hals straffte. Der Duft ihres Blutes raubte ihm schier den
Verstand, zu lange hatte er nichts getrunken und dann biss er zu.
Ihr Körper zuckte zusammen. Das warme Blut schoss in seinen Mund und er nahm es
begierig auf. Ihr Blut sprach in Bildern zu ihm. Er sah erfreuliche und weniger
erfreuliche Erinnerungen und ihre Gefühle gingen auf ihn über. Sie war eine arme
kleine leidgeplagte Frau.
Seine Lippen lösten sich von ihrem Hals. Sanft strich er mit seiner Zunge über
die offene Wunde, die sich im gleichen Moment schloss so als wäre sie nie da
gewesen. Er drehte sie zu sich herum und brachte ihr Gesicht nahe an seines.
Er blickte ihr tief in die Augen. Ein Schwall von Glücksgefühlen überkam sie und
sie lächelte. Er löste seinen Griff und sah ihr noch nach, als sie bereits um
die nächste Ecke gebogen war.
Das warme Blut durchströmte seinen Körper. Für ihn war dieses Gefühl jedes Mal
wieder fantastisch. Gestärkt zog er weiter durch die Altstadt. Dies sollte heute
Nacht nicht sein einziges Opfer bleiben.
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Stimmen drangen aus dem nahe gelegenen Wirtshaus durch die verwaisten Gassen. Er
stand im Halbschatten einer alten doppelflügigen Eingangstür und beobachtete das
rege Treiben im inneren der Gaststube.
Die Gäste lachten, tanzten und genossen ihr Feierabendbier mit deftiger
Hausmannskost. Er nahm die verschiedenen Gerüche auf, ein Gemisch aus Essen,
Schweiß, Parfum aber noch etwas anderes lag in der Luft, etwas das sein
innerstes Erbeben ließ.
Blut…das warme, salzige Blut das durch die Adern dieser Sterblichen ran. Er
konnte es durch die Adern fließen hören, das Pumpen, das es unaufhörlich durch
die Körper jagte. Er nahm verschiede Duftnoten auf. Nicht jedes Blut roch oder
schmeckte gleich.
Plötzlich nahm er einen besonders feinen Duft auf. Zweifellos war es das Blut
einer Frau, so rein und lieblich und dennoch schwang da etwas anderes mit, etwas
das er bis jetzt noch nie wahrgenommen hatte. Er versuchte ihre Gefühle zu
ertasten, was ihm seltsamerweise schwer viel.
Diese Frau war sehr verschlossen und dennoch spürte er ein Feuer das verborgen
in ihrem Innersten zu lodern schien. Etwas Geheimnisvolles hüllte sie ein. Er
konnte sie nicht sehn, nur spüren und was er spürte war Einsamkeit.
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Der Drang ihr nahe zu sein wurde immer stärker.
Er musste sie sehen, in ihre Augen blicken, er musste sie besitzen. Inzwischen
hatte er die Straße überquert, stand etwas Abseits am letzten Fenster und
blickte hinein. Von hier aus hatte er einen guten Überblick über die Wirtsstube
und dann sah er sie.
Sie saß in einer der hinteren dunkleren Ecken. Auf dem Tisch vor ihr brannte
eine Kerze, die fast heruntergebrannt war, ein Glas Rotwein und ein Buch in das
sie sorgsam Eintragungen machte. Die Flamme spiegelte sich in ihren
smaragdfarbenen Augen, die sie sehr dunkel geschminkt hatte.
Langes rotgelocktes Haar viel ihr über die Schulten und blieb auf ihren vollen
Brüsten liegen. Sie trug ein schwarzes Samtkleid mit Spitze, welches sich
verführerisch um ihre wohlgeformten Rundungen legte.
Eine geheimnisvolle Aura umgab sie.
Er beobachtete sie eine Zeitlang. Sie war vertieft in ihre Notizen und nahm
immer wieder einen Schluck bis ihr Glas leer war. Plötzlich blickte sie auf und
sah genau in seine Richtung.
Der Schreck durchfuhr in.
Nein das war nicht möglich, sie konnte ihn nicht sehen. Er stand verborgen vor
den Blicken der Sterblichen im Schatten. Und dennoch schien sie ihn wahrzunehmen
oder täuschte er sich?
Wer oder was war diese Frau? Zweifellos war sie ein Mensch, er vernahm den
gleichmäßigen Schlag ihres Herzens und den Duft ihres lieblichen Blutes. Und
dennoch umgab sie etwas mystisches, er konnte eine tiefe Sehnsucht spüren.
Er überlegte ob er hier darauf warten sollte bis sie das Lokal verließ oder ob
er es betreten sollte. Sie nahm ihm die Entscheidung ab, denn im selben Moment
deutete sie der Bedienung an ihr die Rechnung zu bringen. Sie bezahlte, zog den
langen Ledermantel über und ging in Richtung Tür.
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Er hatte sich in die Dunkelheit der gegenüberliegenden Straßenseite
zurückgezogen. Sie zog die Türe hinter sich ins Schloss, richtete ihren Mantel
und lief ohne sich umzublicken los.
Sie kam wieder in den belebteren Teil der Stadt und schien über die Karlsbrücke
auf die andere Seite der Moldau zu wollen. Er folgte ihr verborgen vor der
Außenwelt durch die Dunkelheit. Es war ihm möglich sich unerkannt fortzubewegen
und plötzlich wie aus dem Nichts aufzutauchen.
Er zog es vor im Verborgenen zu bleiben, denn er war sich immer noch nicht
sicher ob sie ihn nicht doch wahrnahm. Mitten auf der Brücke blieb sie stehen
und warf einen Blick auf den Strom unter ihr. Der Vollmond zeigte sich zwischen
den Wolken und tauchte alles in ein mystisches Licht.
Das Ende der Brücke war in dichte Nebelschwaden getaucht. Für ihn wäre es jetzt
eine Leichtigkeit gewesen sich ihr zu nähern und von ihr zu kosten. Niemand
hätte etwas von ihrer Anwesenheit bemerkt.
Doch etwas hielt ihn zurück. Sein Jagdtrieb war geweckt, sein Verlangen ihr Blut
zu trinken und ihren Körper zu spüren. Sie saß in der Falle, sie war das kleine
Rehkitz und er der blutrünstige Wolf.
Er folgte ihr über die Brücke und durch die Strassen, bis sie schließlich in
einen kleinen Weg einbog der in den Park führte. Er schmunzelte, denn einen
besseren Ort sich ihrer zu bemächtigen gab es nicht.
Das Mondlicht war gerade hell genug zum sich zu orientieren. Sie lief sicheren
Schrittes über den schmalen Waldweg. Kein Mensch war weit und breit auszumachen.
Jetzt bemerkte er dass sie direkt auf einen kleinen freistehenden Pavillon
zusteuerte. Dort angekommen setzte sie sich auf die Balustrade und kramte in
ihrer Tasche.
Am Schein der kleinen Flamme erkannte er dass sie sich eine Zigarette angezündet
hatte. Er kam nahe genug an sie heran um sie aus der Nähe beobachten zu können.
Wieder versuchte er in ihre Gedanken einzudringen, doch sie ließ es nicht zu und
so zog er sich aus ihren Gedanken zurück.
Er musste diese Frau besitzen, koste es was es wolle.
„Du braucht dich nicht vor mir zu verbergen, ich weiß dass du da bist und dass
du mir vom Restaurant aus gefolgt bist“, sagte sie plötzlich.
Erschrocken blickte er auf und versuchte wieder sich zu fassen. Sie hatte ihn
also doch gespürt.
Wie war das möglich?
£
Wie aus dem Nichts tauchte er plötzlich vor ihr auf.
Sie erschrak, sprang auf und trat einen Schritt zurück. Doch das brachte sie
nicht weiter weg von ihm, denn nun hatte sie die Säule des Pavillons im Rücken
und ihn vor sich. Er machte einen Schritt auf sie zu und hatte sie in der Falle.
„Du weißt also dass ich dir gefolgt bin“, sagte er.
„Ja…ich habe deine Anwesenheit bereits im Restaurant bemerkt“, sprach sie.
Wieder vernahm er den süßen Duft ihres Blutes.
Er beugte sich nach vorne und atmete ihn tief ein.
„Und weißt du auch was ich von dir will“, fragte er sie mit einem teuflischen
Lachen auf den Lippen und öffnete ihren Mantel um ihr Dekollete freizulegen.
Zeitgleich umschlang er ihre Hüften und zog sie fest an sich.
„Ja…mein Blut, sagte sie und im gleichen Augenblick vergrub er seine Zähne
oberhalb der linken Brust in ihrem Fleisch.
Ihr Blut war wie flüssige Lava und es schien ihn schier zu verbrennen. So etwas
hatte er bis jetzt nur ein einziges Mal gespürt. Es war die Nacht seiner
Wandlung, die Nacht in der er von seinem Schöpfer das unsterbliche Blut
empfangen hatte. Er sah Bilder vor seinem inneren Auge aufblitzen.
Er sah sie umgeben von einem Strom aus Blut. Und er sah sich in ihren Gedanken,
er spürte die Leidenschaft die sie ihm entgegenbrachte und das Verlangen nach
ihm.
Er riss den Kopf zurück, er musste es denn sonst hätte er unweigerlich zuviel
getrunken und sie damit getötet.
Dieses Blut…ihr Blut war in gewisser Hinsicht Vampirblut, nur das sie ein Mensch
was. Wie war das möglich. Konnte es sein dass ehemalige Vampire als Menschen
wiedergeboren wurden.
Er wusste es nicht, es gab so viel das er nicht wusste. Doch eines wusste er,
die Frau in seinen Armen liebte und begehrte ihn. Er hob sie hoch, trug sie in
die Mitte des Pavillons und setzt sie dort auf den Boden.
Er nahm neben ihr Platz und blickte in ihr Gesicht. Sie war geschwächt und hielt
ihre Hände um seinen Hals. Dann strich sie ihm das lange dunkle Haar aus dem
Gesicht und sah ihn schweigend an.
Langsam beugte er sich nach vorne und berührte ihre Lippen mit einem
leidenschaftlichen Kuss den sie innig erwiderte. Um sie herum schien die Zeit
still zu stehen. Beide tauchten ein in eine Welt voller Leidenschaft und
Begierde. Er hatte eine Gefährtin gefunden und von diesem Augenblick an würden
sie gemeinsam die Nacht durchstreifen.
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