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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Im Zenit

 

von Sarah Rothmann



Ich weiß nicht wie lange es schon her ist, seit ich dich das letzte Mal sah. Waren es sechs Jahre? Oder sogar sieben?
Tatsache ist, dass ich diese Zeit meines Lebens damit verschwendet habe dich zu suchen – meinen Engel.
Warum warst du nie da, wenn ich dich gebraucht hätte? Warum warst du nicht da, als sie aus mir machten, was ich nun bin?
Ich weiß noch ganz genau den Tag, an dem ich dich das erste Mal traf: Du warst so selbstlos... nie um dich selbst besorgt. Du kamst auf mich zu und fragtest nach meinem Namen.
Ich wusste nicht wie mir geschah als ich in deine Augen blickte. Waren es Sterne, die ich in ihnen glitzern sah oder Kometen?
Zwei Wochen später lag ich auch schon in deinen Armen. Wir waren ein Traumpaar, verstanden uns ohne Worte. Teilten ein Geheimnis.
Doch dann,
als ich eines Tages an deine Wohnungstür klopfte, warst du nicht da.
Du warst einfach verschwunden.
Wohin bist du gegangen? Warum hast du mich allein gelassen?
Ich kann nicht mehr.
Ich wollte nur, dass du das weißt.
Ich habe auch keine Ahnung, ob dich dieser Brief jemals erreichen wird, selbst wenn nicht... was soll’s… ich hab’s schließlich versucht.

Ich wollte kein Vampir werden. Warum hast du das zugelassen? Du hättest es verhindern können.
Aber stattdessen hast du mich mir selbst überlassen, mich zum Opfer gemacht.
Ich dachte du würdest mich lieben, doch jenes war nur ein weiterer Beweis dafür, dass du es nicht tatest. Und doch.. komm ich nicht umhin dich trotz alledem zu lieben.
Ja, ich liebe dich, doch mein Leben ist mir zu wertvoll, um es der Ewigkeit zu überlassen.
Dies ist mein Abschiedsgruß an dich.

In Liebe,

Eliza



Eliza legte ihre Feder zur Seite und steckte den Brief in einen Umschlag. Mit Schwung schrieb sie seinen Namen darauf und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln.
Zu lange schon hatte sie dieses Leben gespielt. Manche würden es lieben, ihr Leben, doch sie war von einem anderen Schlag. Das ständige Blutvergießen, der ständige Hunger.. dieses Leben nahm ihr ihre Würde.
Vorsichtig lugte Eliza hinter den Vorhang, den sie vor die Fenster gehängt hatte. Bald war es soweit, bald würde die Sonne im Zenit stehen und sie konnte diesem grotesken Dasein ein Ende bereiten. Hatte sie vorher noch eine gewisse Angst verspürt, so machte sich jetzt ein Gefühl der Entschlossenheit breit.


Festen Schrittes ging sie zur Tür.
Doch plötzlich wurde sie mit einem Ruck nach hinten gerissen. Erschrocken drehte sich Eliza um. „Du?“ keuchte sie entsetzt, vor ihr stand er, den sie so lange vermisst hatte
„Was zum Teufel tust du hier?!“
„Ich möchte nicht, dass du das tust.“ Die Verzweiflung in seiner Stimme schlug ihr förmlich entgegen.
„Ach nein?“, fragte sie nun angriffslustig, der erste Schock war überwunden, kochende Wut stieg in ihr auf. „DU willst nicht, dass ich das tue?? Seit wann interessiert dich das überhaupt?“
„Bitte, es tut mir leid, ich wollte dich schützen.“ Flehend streckte er seine Hände nach ihr aus
„Vor was?“ die Kälte in ihrer Stimme ließ ihn frieren.
„Vor dem Tod. Nur in dem sie dich zu dem machten, was wir nun sind, konntest du immer bei mir sein.“
„Ich wollte nicht so werden wie du, das wusstest du genau!“ fordernd sah sie ihn an
„Ich liebe dich, ich wollte dich nicht verlieren.“ Eine Träne rollte seine Wange hinunter, während er einen Schritt auf sie zumachte, doch Eliza wich zurück.
„Du liebst mich? Das soll Liebe sein?! Du hast mir mein Leben genommen, meinen Lebenswillen, du hast mich zu etwas werden lassen, was ich unter keinen Umständen werden wollte. Du hast mich zu einem Vampir werden lassen, verstehst du das?! Und dann… dann hast du mich allein gelassen.“ Die letzten Worte kamen nur noch unter schluchzen heraus, doch ihre Augen blickten immer noch fest entschlossen.
„Bitte.“ Brachte er nur verzweifelt heraus.
„Nein, du kommst zu spät.“ Sprach sie leise, machte die Tür auf und ging entschlossen der Sonne entgegen.
 

 

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