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Vampir Geschichten
Kurzgeschichten über die
Nachtwesen |
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Magdalena |
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Zenobia
Magnus durchstreifte Europa, bis er nach anderthalb Jahrhunderten, nach
Schottland kam. Dort ließ er sich auf einer Burg nieder und herrschte, als Fürst
über das umliegende Land.
Vorher tötete er die Adelsfamilie, die das Gemäuer, bis da bewohnt hatte und
übernahm ihre Dienerschaft.
Sie fürchteten ihren neuen Herrn, den sie nur abends zu Gesicht bekamen, der das
Küchenpersonal entließ und anfing, Menschen in das Verlies zu sperren.
Die Diener bemerkten auch, dass er keines der Schlafzimmer benutzte.
Sein Aussehen war damals für einen Hochgeborenen nichts Ungewöhnliches. Die
meisten Adligen waren sehr blass, so dass man ihre Adern sehen konnte.
Daher auch der Glaube an das blaue Blut.
Auf jeden Fall ahnten sie, dass ihr Herr kein Mensch war und das verängstigte
sie noch mehr.
Er bewegte sich lautlos, ließ kaum Kerzen anzünden, so dass die Diener öfters
stolperten, weil sie nichts erkennen konnten.
Die Mägde versteckten ihre Bisswunden von ihm, vor den anderen, wenn er mit ihm
zusammengelegen hatte.
Trotzdem ersehnten sie das nächste Mal mit diesem schönen, makellosen Mann.
Er nahm sich gern die jungen, unberührten Mädchen und manchmal musste eine von
ihnen sterben.
Niemand wagte zu fragen, wo die Magd plötzlich geblieben war.
Manche Merkwürdigkeiten drangen bis ins Dorf und schürten die Furcht vor dem
neuen Fürst. Viele hielten ihn für den Teufel persönlich.
Magnus scherte das wenig. Durch ihre Angst, blieben sie schon der Burg fern.
Langsam wuchs sein Wunsch nach einer Gefährtin, aber die vielen Affären mit
anderen Unsterblichen, brachten nicht den gewünschten Erfolg.
Er empfand nicht viel für diese Frauen, oder nicht das was er erhoffte.
Vielleicht fand er sie ja unter den Sterblichen.
Einige Jahrzehnte vergingen, bis er 1091 auf einem nächtlichen Streifzug, ein
Weinen und Jammern hörte, das zwischen den Häusern hervorkam.
Neugierig schwebte er zu der Stelle, von wo die Laute kamen. Er roch zwei
Sterbliche und sah schließlich einen Mann, der eine junge Frau bedrängte.
Er hatte sie zu Boden geworfen und zerrte ihren Rock hoch.
Magnus betrachtete ihr verängstigtes Gesicht und war wie elektrisiert.
Er packte den Kerl an den Kleidern, riss ihn von ihr weg und brach ihm das
Genick. Den leblosen Körper schleuderte er einige Meter in die nächste Gasse.
Dann wandte er sich der Frau zu.
Sie zitterte noch immer vor Angst und blickte erstaunt zu dem feinen Herrn auf.
Magnus nahm ihre Hand in seine und zog sie auf die Füße:“ Keine Angst! Er ist
tot.“
„ Danke, Herr.“, stammelte sie.
Der Unsterbliche betrachtete sie genauer, reichte ihr ein Taschentuch für ihre
Tränen. Sie nahm es und fragte:“ Wer seid ihr?“
„ Nenn mich Magnus! Und wie heißt du, schönes Kind?“
„ Magdalena, Herr.“
Sie wagte nicht in seine Augen zu sehen. So schüchtern.
„ Ich geleite dich nach Hause.“, sagte er und ließ sie vorangehen.
Magdalena wischte sich mit seinem Tuch ihr Gesicht und er betrachtete sie
wieder, solange sie durch die Gassen gingen.
Sie war einen halben Kopf kleiner, als er, von schlanker Gestalt und unter ihrer
Haube schauten einige dicke, braune Locken hervor. Sie stammte wohl aus ärmeren
Verhältnissen, ihrer Kleidung nach. Und wie sie sein Tuch durch die Finger
gleiten ließ, hatte sie solch edlen Stoff noch nie berührt.
Vor einem einstöckigen Haus blieb sie stehen:“ Hier ist es, Herr! Ich danke euch
für alles.“
Er lächelte:“ Das tat ich doch gern.“
Sie streckte ihm sein Taschentuch hin.
„ Nein, behalte es.“
Diesmal sah sie ihn richtig an. Sie wollte sich an ihren Beschützer erinnern
können.
<< Was für wunderschöne, blaue Augen.>>, hörte Magnus in ihren Gedanken.
Er nahm vorsichtig ihre Hand und hauchte einen kaum spürbaren Kuss darauf. Ach,
wie scheu sie errötete.
„ Lebe wohl, Magdalena!“
„ Gott schütze euch, Herr.“
Dann verschwand sie im Haus.
Er stand noch kurze Zeit davor, um zu begreifen, was gerade geschehen war. Sein
Herz stand lichterloh in Flammen. Er spürte es ganz deutlich. Diese arme
Sterbliche hatte es entfacht.
Was für ein hübsches, keusches Wesen sie war. Das völlige Gegenteil von ihm. Wie
sollte er sie nur für sich gewinnen?
Natürlich war er sehr neugierig, was sie jetzt tat und spähte zu jedem Fenster
hinein.
Sie lebte mit ihrem Vater und drei jüngeren Geschwistern in diesem Haus.
Magdalena war der Mutterersatz, erledigte die Hausarbeit und zog die Geschwister
auf.
Sie saß auf ihrem Bett, in dem noch die Schwester und ein Bruder schliefen und
betrachtete sein Tuch.
Sie strich über seine Initialen und flüsterte seinen Namen.
Was für ein schöner, nobler Herr er war. Ob sie ihn jemals wiedersah?
Sie zog die Holzpantoffeln aus, legte sich hin und versteckte das Tuch unter
ihrem Rock.
Da wäre Magnus jetzt auch gern, aber eigentlich traute er sich kaum sie
anzufassen, geschweige denn, auf ihr zu liegen.
Das erschien ihm im Moment, wie ein Verbrechen. Solch eine Blume musste sachte
gepflückt werden.
Nun beobachtete er sie jede Nacht heimlich, bis zu jenem Abend, an dem er zum
Haus ritt und anklopfte.
Als der Vater ihm öffnete und ihn einließ, bat ihn Magnus um die Hand seiner
ältesten Tochter.
Magdalena wurde hereingerufen und Magnus spürte, dass ihr Herz einen
Freudensprung machte, als sie ihn erblickte.
Doch sie unterdrückte ihre Freude.
Ihr Vater wunderte sich sehr, warum dieser feine Herr so eine einfache Frau
wollte, die nichts besaß und nichts wert war.
Erst als Magnus ihm Goldmünzen anbot, willigte er ein:“ Nehmt sie mit, Herr.
Wenn ihr sie unbedingt wollt.“
Dieser entgegnete:“ Nicht heute. Ich komme in einigen Tagen wieder.“
Magdalena tröstete sich mit der Vorfreude auf ihre edle Hochzeit über die Prügel
ihres Vaters hinweg. Dafür, dass sie mit einem Adligen herumgehurt hatte und so
hochmütig war.
Sie unterhielt sich mit einer gleichaltrigen Nachbarin über ihren Verlobten.
Diese klärte sie noch über die Hochzeitsnacht auf und machte ihr ein wenig Angst
davor.
Magdalena konnte nicht glauben, dass ihr Retter solch unanständige Dinge tat.
Magnus überlegte sich unterdessen, wann er sie verwandeln sollte und entschloss
sich, es gleich nach der Vermählung zu tun. Die eigentliche Hochzeit der Beiden.
Er wollte mit einer gleichwertigen Partnerin die erste Nacht verbringen.
Endlich konnte er sie abholen.
Magnus hatte die kleine Burgkappelle mit Blumen schmücken lassen und für
Magdalena schon in den vorangegangenen Wochen, ein aufwendiges Kleid anfertigen
lassen und Schmuck für sie besorgt.
Seine Braut war schon den ganzen Tag über, sehr aufgeregt gewesen.
Sie konnte seine Ankunft kaum noch erwarten.
Als es an der Tür hämmerte, sprang sie auf und wartete, bis ihr Vater öffnete
und rief, sie solle vors Haus kommen.
Da stand ihr Bräutigam neben einer prächtigen Kutsche und lächelte sie an:“
Steig ein!“
Magnus warf dem Vater einen Beutel voll Gold zu, während sie schon Platz
genommen hatte und folgte ihr dann.
Er setzte sich ihr gegenüber und küsste ihre Hand zur Begrüßung. Magdalena
lächelte verlegen.
Am liebsten würde er ihre Lippen küssen, aber er hielt sich zurück.
Wenn er verliebt war, konnte er ganz anders sein, als sonst. Zärtlich und
romantisch!
Seine Braut bewunderte seine vornehmen Kleider und seine Schönheit.
Das lange, hellblonde Haar, seine strahlendblauen Augen und sein
feingeschnittenes Gesicht.
Er hatte volle Lippen und ebenmäßige, weiße Zähne. Eine Seltenheit damals, für
jemanden seines Alters.
Sie schätzte ihn in den mittleren Jahren.
Das musste alles ein Traum sein, dachte Magdalena, dass sie die Gattin dieses
Herrn werden durfte.
Magnus fragte:“ Wie alt bist du, Magdalena?“
„ Siebzehn, Herr.“, antwortete sie.
Er nickte und meinte:“ Wir sind bald da. Morgen Abend werden wir heiraten. Die
Diener sollen sich den ganzen Tag um dich kümmern. Ich bin noch bis abends
beschäftigt. Freust du dich denn?“
Sie lächelte:“ Ja sehr. Es ist eine große Ehre, dass ihr mich erwählt habt. Ich
werde euch eine gute Gemahlin sein.“
Magnus tätschelte ihre Hand:“ Schön. Ich empfinde viel für dich und ich möchte,
dass du meine Gefühle teilst. Ich wusste sofort, als ich dich sah, dass du meine
Frau wirst.“
Magdalena strich zaghaft über seinen Handrücken. Er hatte ganz zarte Haut. Keine
Schwielen, wie sie, von der Arbeit. Und er war so blass gegen ihre Hand.
In Zukunft würde sie Diener haben. Nie mehr arbeiten müssen, genug zu essen,
schöne Kleider tragen und auf Bälle gehen.
Traumhaft !
Endlich tauchte die Burg auf einem Hügel auf.
Magdalena sah, dass viele Fenster beleuchtet waren und das Tor offen stand. Im
Hof nahmen Stallburschen die Kutsche in Empfang.
Magnus half seiner Braut aus dem Gefährt:“ Dein neues Zuhause! Ich hoffe es
gefällt dir.“
Zu einigen Mägden sagte er:“ Kommt her! Bringt Magdalena in ihr Gemach und tut,
was sie möchte.“
Die Frau aus einfachen Verhältnissen, war es nicht gewohnt bedient zu werden.
Sie wollte sich schon selbst entkleiden, als zwei Mädchen ihr dabei halfen. Auch
sprachen sie, sie mit My lady an und in der Höflichkeitsform.
Merkwürdig für die junge Frau!
Sie wurde in das Nebenzimmer geführt, in dem eine kupferne Badewanne stand.
Die Mädchen reichten ihr Seife und Bürste und solange Magdalena im Wasser saß,
wuschen sie ihre fettigen Haare.
Für adelige Verhältnisse war sie noch zu schmutzig, ihr Haar zu ungepflegt.
„ Bitte erhebt euch, My lady.“, sagte eine von ihnen.
Die andere nahm ein Rasiermesser zur Hand.
„ Was macht ihr?“
„ Rasieren. Das gehört sich vor der Hochzeit.“, erwiderte das Mädchen, das
begann an ihrer Wade entlang zufahren.
Nachdem auch ihr Schamhaar abrasiert war, war gewährleistet, dass sie keine
Flöhe und Läuse mehr hatte. Ihr Kopfhaar war eifrig durchgekämmt worden, um die
Quälgeister aufzuspüren.
Die Mägde betasteten noch ihre blauen Flecken, die sie noch von den Prügeln
hatte. Magdalena schämte sich dafür.
Hoffentlich störte Magnus sich nicht daran. Sie wollte doch so schön wie
möglich, für ihn sein.
Nun streiften sie ihr ein helles, langes und sehr weiches Nachtgewand über.
Magdalena betrachtete sich in einem langen Metallspiegel und konnte kaum
glauben, dass sie das war.
Ihr Haar fiel seidig und glänzend über ihre Schultern und in dem feinen Stoff,
sah sie ganz anders aus.
„ Ich wusste gar nicht, dass ich so schön bin.“
Eine Magd erwiderte:“ Ihr werdet morgen noch schöner sein, My lady. Ich zeige
euch euer Hochzeitskleid. Seht dort!“
Sie führte Magdalena zu einem Kleiderständer, auf dem es hing. Es war wirklich
atemberaubend.
Der Leib und die Oberarme aus dunkelgrünem Samt mit goldenen Stickereien und die
Unterarme aus transparenter, hellgrüner Seide. Der Rock bestand aus beiden
Materialien.
Magdalena hätte es am liebsten gleich angezogen. Ihre Ungeduld wuchs.
Sie fragte:“ Wie ist der Fürst eigentlich?“
Die Beiden sahen sich gegenseitig an, schwiegen zuerst, dann meinte eine von
ihnen:“ Wir sehen ihn nicht so oft.“
Die Mägde hatten Mitleid mit der armen Frau. Was hatte ihr merkwürdiger Burgherr
mit ihr vor?
Andererseits fürchteten sie, dass er sie nicht mehr in sein Bett holen würde,
wenn erst sein Weib bei ihm lag.
Alle Mägde sehnten sich nach ihrem attraktiven Herrn, der sie so befriedigend
liebte. Nur seine Bisse waren schmerzhaft.
Magdalena bemerkte die Wunden bei den Beiden an den Handgelenken und im Nacken.
Sie dachte sich nichts weiter dabei.
Tagsüber spazierte sie durch die Burganlage und erwartete sehnsüchtig den Abend.
Als die Sonne versank, war sie fertig zurechtgemacht.
Sie trug das Kleid, einen langen hellgrünen Schleier und einen goldenen
Haarreifen mit Smaragden darin.
Wie eine Prinzessin kam sie sich vor.
Man führte sie bei Einbruch der Dunkelheit in die Kapelle, wo der Pfarrer
bereits anwesend war.
Ihr Zukünftiger tauchte kurze Zeit später an der Kirchentür auf. Wie
herrschaftlich er aussah in seiner dunkelroten, goldverzierten Tunika und seinem
Schwert am Gürtel.
Magdalena strahlte ihm entgegen und er lächelte zurück. Dann stellte er sich
neben sie und nahm ihre Hand.
„ Du bist wunderschön!“, flüsterte er.
Der Priester vollzog die Trauung, die Magdalena so wichtig war. Magnus wusste
das. Er gab nichts mehr auf diese menschlichen Rituale und auf die religiösen
schon gar nicht.
Aber, wenn es ihr Wunsch war, wollte er ihn ihr erfüllen.
Anschließend folgte das Ritual, das Magnus am wichtigsten war.
Er führte seine frisch Angetraute auf den höchsten Turm der Burg und dort küsste
er sie zum ersten Mal.
Magdalena bekam ganz weiche Knie, als er sie küsste. Wunderbar, fühlte sich das
an! So zart, aber kühl. Auch seine Finger waren kalt.
„ Ach Herr, ich bin so glücklich!“
„ Bitte nenn mich Magnus. Wir sind doch keine Fremden mehr. Du bist meine
Gemahlin.“
Seine seidigen Lippen legten sich wieder auf ihre und seine Arme umschlangen
sie. Er strich mit dem Mund über ihre warmen Wangen, liebkoste ihren Hals und
lauschte ihrem Herzschlag.
Magdalenas Hingabe wuchs.
Er wartete auf seine erwachende Gier und flüsterte an ihr Ohr:„ Willst du
wirklich mein Leben mit mir teilen? So werden, wie ich?“
„ Ja, Liebster!“
Er drückte behutsam seine Zähne in ihre Haut. Magdalena spürte nur einen kurzen,
stechenden Schmerz und dann wurde alles wundervoll. Sie hatte schöne Visionen
von ihrer Zukunft.
Magnus gab ihr so viel von seinem Blut zu trinken, wie er nur konnte. Dann, als
ihr Magen voll damit war, begann er es wieder auszusaugen.
Er war fast schon zu schwach, hatte ihr zuviel gegeben, es kostete ihn alle
Anstrengung es ihr nochmals zu nehmen, aber er schaffte es.
Solange er seinen Rausch genoss, hielt er sie fest im Arm und betrachtete ihr
lächelndes Antlitz.
Seine Gefährtin! Endlich!
Magnus trug sie in seine Grabkammer tief unter der Burg.
Dorthin gelangte kein Mensch, weil er über Stockwerke die Treppe weggeschlagen
hatte. Sie endete irgendwann in einem schwarzen Abgrund.
Er legte Magdalena in ihren Sarkophag, der aus rosafarbenen Marmor bestand.
Seiner war aus schwarzem Granit mit Gold verziert.
Als er erwachte, brachte er sie wieder nach oben in eines der Schlafgemächer.
Er zog ihr das, von den menschlichen Ausscheidungen, verdreckte Kleid aus. Zum
ersten Mal konnte er ihren nackten Körper bewundern.
Die Unsterblichkeit hatte ihr eine gleichmäßige, samtene Haut beschert. Ihr Haar
schimmerte in verschiedenen Brauntönen mit einem rötlichen Stich und ihre
Wangenknochen waren noch höher geworden.
Er streichelte über ihre Brüste, die voll und fest waren.
Schon als Sterbliche hatte sie einen großen Busen gehabt.
Magnus erregte dieser Anblick. Er entkleidete sich, um neben ihr liegend auf ihr
Erwachen zu warten.
Magdalena erschrak ein wenig, als sie sich nackt im Bett neben ihm, wiederfand
und er auch schon ausgezogen war.
Sie dachte an die Worte ihrer Nachbarin, dass es weh tun würde und bluten.
Magnus erriet ihre Gedanken:“ Keine Angst, mein Liebling.“
Seine Küsse und sein Streicheln erregten Magdalena. Er war so wundervoll.
Sie bemerkte kaum, wie er in sie eindrang. Erst, als er sich bewegte, ahnte sie,
was er jetzt wohl mit ihr tat.
Doch es schmerzte überhaupt nicht. Es war sogar sehr schön.
Sie streichelte über seinen muskulösen Rücken.
Was für zarte Haut er überall hatte. So makellos war keiner aus dem niederen
Volk und sie durfte mit ihm zusammen sein, ihn berühren und seine seidigen
Lippen küssen.
Das fühlte sich alles so wunderbar an.
Später, als sie nebeneinander lagen, sah er Tränen auf ihren Wangen. Er wischte
mit dem Finger darüber und fragte:“ Warum weinst du?“
„ Weil ich so glücklich bin. Ich kann das alles noch nicht glauben.“
Magnus lächelte sie an:“ Es ist alles wahr! Du bist meine Gefährtin. Wir werden
zusammen über dieses Land herrschen.“
Er erhob sich von der Liegestatt und trat ans Fenster. Magdalena sah ihn
erstmals in voller Blöße. Sie bewunderte seine Statur.
Dann stand sie auch auf und kam neben ihn. Magnus wies nach draußen:“ Schau! Das
gehört uns.“
„ Die ganzen Dörfer da unten?“, fragte sie.
Er legte einen Arm um ihre Taille:“ Ja.“ Seine blauen Augen sahen sie an:“ Ich
liebe dich, Magdalena.“
Dann küsste er sie abermals und zog sie an sich. Die junge Frau erwiderte seine
Zärtlichkeiten und sah aus den Augenwinkeln, wie seine Phallus zu seiner
imposanten Größe heranwuchs. Ein merkwürdiges Organ.
Er liebte sie noch öfters in dieser Nacht und jedes Mal schien es ihr besser zu
gefallen. Ihre vampirische Leidenschaft erwachte immer stärker.
Bald musste er ihr die Wahrheit über sich sagen.
Magdalena fühlte den Morgen. Ihre Glieder wurden schwerer. Nun musste Magnus sie
aufklären.
„ Liebste, ich muss dir etwas gestehen.“
Ja, Magnus?“
Er blickte zu Boden:“ Ich...ich bin kein Mensch.“
Sie erwiderte erstaunt:“ Kein Mensch? Aber was dann?“
Er rang mit sich selbst:“ Ein Unsterblicher! Ich kann ewig leben. Und du bist
nun ebenfalls unsterblich.“
Magdalena legte die Hand auf ihre Brust:“ Ich? Aber ich fühle mich gar nicht
anders.“
„ Hast du schon in den Spiegel gesehen? Deine Haut, deine Haare, dein ganzer
Körper?“
Sie schüttelte den Kopf und stellte sich vor das spiegelnde Metall.
Was sie sah, war eine Fremde.
Ihr Gesicht war noch schmaler geworden und so blass. Sie sah, wie eine
Hochgeborene aus. Auch die blauen Male waren restlos verschwunden und ihre Zähne
strahlten, wie seine.
„ Was ist nur geschehen? Wie wurde ich dazu?“
Er trat hinter sie:“ Durch mein Blut. Ich gab es dir zu trinken. Öffne deine
Lippen. Du musst die ganze Wahrheit wissen.“
Magdalena erschrak über ihre Reißzähne.
Sie schlug die Hand davor und als sie, sie bei ihm sah, rannte sie zum Bett.
„ Was ist das für eine Unsterblichkeit? Was bin ich?“
Er meinte:“ Nun gut. Ich kann es dir nicht verschweigen. Wir sind Dämonen,
gefangen in der Finsternis.“
Sie brach in Tränen aus:“ Was hast du mir angetan? Du hast mich zur Hölle
verdammt.“
Magdalena breitete ihre Hände aus und sah zur Decke:“ Oh Gott, rette mich!“
Magnus stand plötzlich vor ihr:“ Bitte, Magdalena! Beruhige dich. Es ist nicht
schrecklich. Wir können vieles, was für Menschen nicht möglich ist und wir sind
fast unverwundbar. Du wirst immer jung und wunderschön bleiben und du kannst
tun, was du willst.“
Sie sah ihn zornig an:“ Teufel! Du hast mich zum Bösen verführt mit deiner
falschen Schönheit. Zeig endlich dein wahres Gesicht, Dämon!“
Magnus blieb gelassen:“ Ich habe kein anderes und du auch nicht. Die Sterblichen
sehen uns ein wenig anders.“
Sie schniefte:“ Ja. So wie du mich geblendet hast mit deiner schönen Schale.“
Magdalena sank kraftlos auf das Bett und starrte zu Boden:“ Ich wollte doch nur
ein schönes Leben. Warum werde ich so hart bestraft?“
Magnus wurde ärgerlich:“ Strafe, mmh? Ich schenkte dir das ewige Leben und du
verfluchst mich.“
„ Ewiges Leben? Ein Dasein in der Hölle!“, schrie sie.
Magnus erwiderte:“ Gut, wie du meinst. Ich lege mich jetzt zur Ruhe. Komm mit!“
Er ergriff ihren Arm, aber sie zierte sich:“ Wohin?“
„ Runter in meine Kammer. Wir müssen uns schlafen legen.“
„ Warum nicht hier?“, fragte sie.
Er antwortete ungeduldig:“ Wir verbrennen im Tageslicht. Deshalb!“
Magnus zerrte sie weiter, aber sie sträubte sich. Dann packte er sie unter den
Arm und trug sie mit sich.
Seine Gefährtin versuchte freizukommen.
„ Sei ruhig, Magdalena! Willst du verbrennen?“
Sie sah den schwarzen Abgrund im Turm und schrie:“ Nein, ich will nicht
sterben.“
Magnus schwebte hinab:“ Du kannst nicht mehr sterben und hier sind wir sicher
vor der Sonne und den Menschen.“
Magdalena befand sich nun am Grund des Turms. Es war feucht und modrig hier
unten. Trotz ihrer Nacktheit fror sie nicht.
Ihr Schöpfer führte sie durch eine Tür und ein beleuchteter Gang tauchte vor
ihnen auf. Dann stiegen sie in die Grabkammer.
Magdalena bekam wieder Angst:“ Wo sind wir?“
Magnus öffnete den rosaroten Marmorsarkophag:“ Hier ist dein Schlafplatz. Meiner
ist dort.“ Und zeigte auf den schwarzen.
Sie schüttelte energisch den Kopf:“ Nein, da liege ich nicht hinein. Niemals!“
„ Stell dich nicht an! Es geschieht dir nichts. Du brauchst nicht mehr zu atmen
und du siehst im Dunkeln. Also, steig hinein!“
Sie blieb am Rand des Sarges stehen und spähte ins Innere.
Es lag ein Samtkissen und eine seidene Decke darin und darüber waren frische
Blüten verstreut. Magdalena nahm eine davon in die Hand und roch daran.
Wie stark sie duftete.
„ Gefallen sie dir?“
Sie fragte:“ Hast du sie hinein getan?“
Ihr Gefährte trat vor sie hin und küsste sie:“ Ja, sonst kommt hier niemand her.
Bitte, mein Liebling! Leg dich schlafen.“
Magdalena nickte und stieg in den Sarkophag. Sie war zu schwach, um sich weiter
zu sträuben.
Magnus schloss den Deckel über ihr und legte sich in seinen.
Kaum hatte sie sich auf das weiche Kissen gebettet, schlummerte sie ein.
Am nächsten Abend, als sie erwachte, vernahm sie so viele Geräusche. Irgendwo
plätscherte Wasser, Ratten fiepten und das Geräusch von brennenden Kerzen war zu
hören.
Sie erkannte die marmorierten Innenwände ihrer Schlafstätte und ihren Körper. Es
war nicht finster hier drin.
Ein Krampf erfasste sie plötzlich und sie schrak auf:“ Magnus, hilf mir!“
Der Deckel wurde zur Seite geschoben:“ Was ist, Liebes?“
„ Ich habe Krämpfe.“
Er zog sie an der Hand herauf:“ Das vergeht. Komm, zieh dich an. Dann können wir
hinaus.“
Es lag schon ein weiteres wunderschönes Kleid bereit. Diesmal in blauem Samt.
Magnus half ihr hinein. Ihr war unwohl und eine Unruhe war in ihr.
Magdalena war erstaunt, als Magnus sie hinauftrug, bis die Treppe anfing. Konnte
sie das auch?
„ Natürlich.“, meinte er lächelnd. „ Wir können fliegen, wie die Vögel. Du musst
es dir nur vorstellen können.“
Sie traten schließlich in die Wohnräume der Burg.
Magdalena hörte die Diener. Ihr Flüstern, ihre Schritte und ihre Herzen. Ein
leises Pochen drang an ihr Ohr.
Zum ersten Mal sah sie die Menschen mit ihren Vampiraugen.
Ein Diener verneigte sich vor ihnen, um die Befehle des Fürsten
entgegenzunehmen.
Magdalena achtete nicht auf die Worte, sondern nur auf die Geräusche seines
Körpers. Er dünstete einen angenehmen Geruch aus und seine Haut war dunkel und
schweißglänzend im Gegensatz zu ihrer matten, blassen Samthaut.
Ihr Gefährte spürte ihre wachsende Gier. Er geleitete sie zu ihrem Frauengemach,
wo ihre Zofen schon ein Bad hergerichtet hatten.
Ihre Herzen machten die Fürstin fast wahnsinnig.
Magdalena wehrte sich gegen ihre Gier. Sie hörte die Gedanken der Beiden.
Sie bewunderten ihre plötzliche makellose, helle Haut und ihr leuchtendes Haar.
Es war so seidig geworden.
Die Unsterbliche klammerte sich an den Wannenrand, um das Mädchen nicht zu
packen, das sich ahnungslos über die Wanne beugte, um heißes Wasser
nachzugießen.
Magdalena starrte auf ihren Nacken, sah die Adern unter der Haut pochen.
Der Dämon gewann die Oberhand.
Wasser spritzte auf, ein Schrei hallte durchs Zimmer und die andere Magd sah,
wie die Herrin das Mädchen in den Hals gebissen hatte und in die Wanne zog.
Sie ließ ihren Eimer fallen und rannte in Panik hinaus. Sie rief nach anderen
Dienern.
Als die in das Gemach stürmten, war niemand mehr hier. Nur das blutige Wasser,
zeugte von dem Verbrechen.
Alle bekreuzigten sich und riefen die Heiligen an.
Die Dämonen mussten irgendwie besiegt werden, aber die meisten fürchteten um ihr
Leben und unternahmen, außer Gebeten und Schutzzeichen nichts.
Der Fürst war zu mächtig.
Magnus beobachtete seine Geliebte.
Er war in sein offizielles Schlafgemach hereingekommen und blieb aber einige
Ellen entfernt stehen.
Das Mädchen war bereits tot und seine Gattin machte sich über die Reste her.
Magdalena fühlte sich wunderbar.
Sie sank neben der Toten nieder und genoss ihre Empfindungen. Als der Rausch
vorbei war, schreckte sie auf. Sie starrte auf die zerfleischte Leiche und
begriff, dass sie das gewesen war.
Magdalena begann zu weinen:“ Oh Gott! Was habe ich getan?“
Magnus näherte sich:“ War ihr Blut schmackhaft, Liebste?“
Sie sah ihn flehend an.“ Ich will kein Teufel sein. Mach mich zu einem Menschen.
Bitte Magnus!“
„ Das geht nicht. Es ist nicht rückgängig zu machen.“
Magdalena vergrub ihr Gesicht zwischen den Armen und weinte bitterlich.
Schließlich rannte sie aus dem Raum und blieb an den Burgmauern stehen. Ihr
Blick schweifte über das Land und sie sah auf den Burggraben hinab.
Mit einem Satz sprang sie über die Brüstung und ließ sich fallen. Ihr Körper
klatschte auf dem Wasser auf und versank.
Magnus kam zu der Stelle, lächelte und meinte in Gedanken:<< Du kannst so nicht
sterben.>>
Magdalena zwang sich unter Wasser zu bleiben, aber es geschah nichts. Ihre Augen
durchdrangen das Dunkel des Wassers und sie bekam keine Atemnot.
Ihr Gemahl rief nach ihr:“ Magdalena, komm herauf! Du kannst dich nicht töten.“
Schließlich tauchte sie wieder auf:“ Zu was hast du mich da verdammt.“
„ Nicht verdammt. Ich gab dir ewiges Leben.“
Er schwebte über ihr und streckte seine Hand aus:“ Komm. Ich ziehe dich hoch.“
Und griff nach ihrem Arm, um sie aus dem Wasser zu ziehen.
Kurz darauf stand sie mit nasser Haut oben auf dem Turm. Es fühlte sich kühl an,
aber sie fror nicht. Trotz des Windes, der hier oben um sie wehte.
Magnus sagte:“ Zieh dir etwas Trockenes an. Wenn die Diener dich so sehen.“
Sie erwiderte nichts. So entsetzt war sie von ihrer neuen Natur.
Wie mechanisch, ließ sie sich von ihrem Gefährten in das Innere der Burg ziehen
und nahm das Kleid entgegen, das er ihr hinhielt.
Tränen kullerten über ihre Wangen und ihre Augen blickten abwesend vor sich hin.
Magnus machte sich Sorgen.
Er küsste ihre Lippen, aber es kam kein Erwidern.
„ Magdalena, Liebes. Was ist mit dir? Kann ich etwas für dich tun?“
Sie schüttelte ein wenig den Kopf und setzte sich ans Fenster.
Magnus ging schließlich. Er hoffte, dass sie morgen wieder normal sein würde.
Die Neugeborene war von einer Kraft erfasst worden, die sie hinaus in die Ferne
trieb.
Sie flog über die Wiesen vor Magnus Anwesen und immer weiter.
Magnus stand auf dem Turm und blickte ungeduldig in die Ferne.
Er spürte bereits den Morgen und sein Weib war immer noch nicht zurück. Endlich
sah er ihre Umrisse im Nachthimmel.
<< Magdalena, beeil dich! Es wird bald Tag.>>
<< Ja, Magnus.>>
Kurz darauf setzte sie neben ihm auf.
„Wo warst du?“ Er ging mit ihr hinein:“ Geht es dir besser?“
Sie nickte nur.
Magnus umarmte und küsste sie erleichtert, hob ihren Rock, um an ihre nackten
Schenkel zu gelangen.
Seine Gefährtin wurde von einer plötzlichen, heftigen Erregung erfasst.
So etwas kannte sie noch nicht. Ihr Atem ging stoßweise und ihr Unterleib
pulsierte. Schließlich ihr ganzer Körper.
Wie der Durst zuvor, schien die Lust sie auffressen zu wollen. War das bei den
anderen auch so?
„ Ja, Liebste!“, hauchte Magnus. „ Ich vergehe fast. Genauso, wie du.“
Er drängte sich mit ihr an eine Wand und zog ihre Beine nach oben.
Magdalena schämte sich. Wenn sie jemand dabei sah.
„ Lass die menschlichen Gedanken. Das alles ist jetzt unwichtig.“, sagte er. „
Wir kennen keine Reue mehr.“
Sie spürte ihn, ersehnte seine Stöße so sehr, wie nie zuvor, damit er dieses
triebhafte Verlangen befriedigte.
Er war heftig, aber sie genoss es.
Sie hatten auch ihr Blut ausgetauscht. Er schenkte ihr ein wenig seiner Kraft.
„ Ich liebe dich. Ich kann nichts dagegen ausrichten. Du hast mich in der Hand
und manchmal macht mich das wütend. Ich bin es gewohnt, frei zu sein und
unabhängig. Aber nun bin ich an dich gekettet und möchte nicht, dass wir uns
trennen müssen.“
Magdalena erwiderte:“ Warum sollten wir das auch? Ich liebe dich doch ebenfalls.
Keiner kann sich mit dir messen.“
Er rückte seine Kleider wieder zurecht:“ Gehen wir schlafen, Liebste.“
Eine Magd hatte die Herrschaften beobachtet.
Bei seinem Weib war er also genauso unbeherrscht, wie bei seinen Gespielinnen.
Sie hatte gesehen, wie der Herr der Fürstin in die Kehle gebissen hatte, Blut
geflossen war und sie gefaucht hatte, wie eine Katze.
Ihre Augen hatten aufgeglommen und die Magd hatte die langen Zähne gesehen.
Es waren wahrhaftig Teufel oder Dämonen, wie im Dorf behauptet wurde.
Er hatte seine arme Braut dazu gemacht.
Als die Magd sich davon stehlen wollte, stand plötzlich ihr Herr vor ihr.
„ Du hast uns gesehen.“
Er packte ihren Arm:“ Ich muss dich leider ins Verlies sperren.“
Sie bettelte:“ Bitte, Herr. Ich sage es niemandem. Wirklich niemandem, aber
lasst mich gehen.“
Magnus schüttelte den Kopf:“ Ich glaube dir nicht. Komm schon mit. Du wirst
nicht lange da unten sein.“
„ Was geschieht mit mir?“
Er sagte ungerührt:“ Ich werde dein Blut trinken, wenn es Zeit ist.“ Dabei
entblößte er seine Zähne.
Die Magd wurde starr vor Entsetzen und er warf sie in ihre finstere Zelle.
Magdalena hatte von alldem nichts bemerkt.
Sie befand sich schon in der Grabkammer.
Der Burgherr bediente sich nach zwei Nächten an dem eingesperrten Mädchen.
Ihr Verschwinden ängstigte wieder einmal die Dienerschaft.
Ab und zu kam das vor und keiner sah die Leute jemals wieder.
Magnus versenkte die Leichen meistens im Burggraben. Der Grund war mit Knochen
übersät.
Magdalena fühlte die nackte Angst, ihr entgegenschlagen, als sie vor einigen
Dienern erschien.
Das machte sie zutiefst traurig. Sie war nun ein Teufel für diese Leute.
Sie suchte einen Pfarrer auf, um zu erfahren, was sie erlösen könnte.
Doch der bewarf sie nur mit Verwünschungen, als er erkannte, was für ein Wesen
sie war.
Magdalena warf sich vor den Altar ihrer Burgkapelle und bettelte, um ihr
sterbliches Leben.
„ Herr, nimm diesen Fluch von mir! Ich kehre zu meinem Vater zurück und bleibe
dort für immer. Sag, was ich tun soll. Bitte mach mich wieder zu einem Menschen.
Ich kann das nicht ertragen. Und das soll ewig so weitergehen? Nacht um Nacht,
Tote um Tote. Sie hassen mich. Jeder verachtet das was ich bin, ein teuflisches
Wesen!“
Sie rief es lauter:“ Ja, ein Diener Satans hast du aus mir gemacht. Verflucht
seiest du in alle Ewigkeit!“
Magnus hörte es, aber ließ sie weitertoben.
Wenn sie sterben müsste, dann würde sie ihn anflehen, sie zu retten.
Dumme, bigotte Sterbliche!
Ihr Verstand war noch menschlich. Bald würde sich das ändern, davon war er
überzeugt.
„ Magdalena, was soll der Unfug? Was rufst du dieses Kreuz an? Das hat keine
Ohren.“
Sie zischte:“ Ungeheuer! Geh weg!“
Er kam näher.“ Was weißt du schon von Gott. Wo war er, als wir hier vor dem
Altar standen und der Priester uns vermählte? Er hat nicht verhindert, dass du,
eine Jungfrau, einen Dämon heiratest. In seiner Kirche, Schatz. Überleg es dir
einmal!“
Sie lag auf den Steinfliesen und weinte. Dann schniefte sie:“ Gibt es nichts,
was uns zurückbringt? Möchtest du nicht wieder menschlich sein?“
Er lachte.“ Bestimmt nicht! Ich will keine Krankheiten, keinen Tod, oder die
ganzen Beschränkungen. Vielleicht bin ich schon zu lange unsterblich.“
„ Wie lange denn?“, fragte sie.
„ Zweihundert Jahre bereits. Bitte Magdalena. Steh auf und komm mit nach unten.
Ich möchte doch, dass du glücklich bist. Unser Dasein kann sehr schön sein. Wir
sehen die Dinge mit anderen Augen und begreifen alles schneller. Die ganze Welt
steht uns offen.“
Sie betrachtete ihn, als sie sich aufrichtete.
Wenn er doch nicht so schön wäre, dann würde sie fortgehen. Aber sobald sie ihn
anblickte, verfiel sie ihm wieder. Dem schönen Teufel!
Magdalena betrachtete seine Silhouette vor dem helleren Fenster.
Sein weißblondes, langes Haar reichte ihm fast bis zur Mitte des Rückens. In
leichten Wellen ergoss es sich hinab. Er war groß und gut gebaut. In der Blüte
seiner Jahre unsterblich geworden.
Auch fühlte sie die Liebe, die er ihr entgegenbrachte. Dieses Gefühl hauste auch
in Wesen, wie ihm.
Damit konnte er sie nicht belügen. Durch ihre Unsterblichkeit wusste sie es,
konnte sie in sein Herz sehen.
Wie untröstlich er jetzt aussah. Fast bemitleidenswert.
„ Magnus, ich würde lieber ein sterbliches Leben mit dir führen. Wir könnten
Kinder haben und all das.“
Er verneinte:“ Bald wirst du mich verstehen. Für uns gibt es kein Zurück. Nie
mehr!“
Dann zog er ein Taschentuch aus seiner Jacke und reichte es ihr:“ Weine nicht
mehr.“
Magdalena nahm es und schmiegte sich an seine Brust. Er strich ihr über das Haar
und küsste ihre Wange.
Sie fühlte sich geborgen in seinen Armen und schloss die Augen. Sie spürte, wie
er sie hochhob und die Luft an ihr vorbeistrich.
Lautlos schwebte er mit ihr die Treppen vom Turm hinab, durch die Räume, bis zu
den abruptendenden Stufen.
Erst jetzt öffnete sie wieder ihre Lider und sah seine leuchteten, blauen Augen,
die sie anblickten:“ Magnus, wie können wir sterben?“
„ Du meinst, was uns tötet?“
„ Ja.“, flüsterte sie.
Er setzte sie auf einen Stuhl in der Grabkammer:“ Du würdest dich umbringen,
wenn ich es dir sage. Ich möchte dich nicht verlieren.“
Magdalena beobachtete ihn. Er schob den Deckel seines Sarges auf und wandte sich
wieder um.
„ Schlaf heute bei mir. Ich will dich nicht allein lassen.“
Sie nickte und erhob sich vom Stuhl, um zu ihm zu gehen.
„ Kann ich noch Kinder von dir empfangen?“
Er schüttelte den Kopf:„ Nein. Auch nicht von sterblichen Männern. Das ist bei
unserer Art so. Nur durch unser Blut können wir andere verwandeln.“
„ Welch ein Jammer! Ich hätte gern einen Sohn von dir gehabt.“
Er lächelte erfreut:„ Ja, ich von dir ebenfalls. Aber wir haben doch uns. Genügt
es dir nicht?“
Magdalena entledigte sich ihres Kleides:„ Doch. Es wäre nur schöner gewesen. Ich
wünschte mir immer Kinder.“
Als er ihre Blöße erblickte, kam er hinter sie und küsste ihre Schultern:“ Du
bist so schön, meine Teure. Verdiene ich das überhaupt?“
Sie drehte sich um:“ Ja, das tust du. Ich bin dir verfallen, mein Teufel.“
Magnus hatte ihr seine Entstehung noch nie erzählt, oder über sein sterbliches
Leben davor.
„ Ach, Süße. Das ist lange her. Ich war ein Krieger, kämpfte und tötete. Bis ich
in die Gefangenschaft der Normannen geriet. Ich sollte ihrem blutrünstigen Gott
geopfert werden. Diese Ehre hatten nur die tapfersten Kämpfer. Dieser Gott war
ein Unsterblicher, wie wir und er gab mir sein Blut zu trinken.“
Magdalena fragte:“ Wusstest du, was du warst?“
„ Nein, nicht genau. Ich wusste nur, dass mir der Tag schadet, dass ich Blut
trinken musste und dass ich stärker und schneller war, als vorher. Mein Schöpfer
schickte mich in meiner Auferstehungsnacht fort. Ich stand ganz am Anfang, aber
dieses Leben gefiel mir. Ich dürstete nach neuen Abenteuern und reiste durch die
Welt, bis ich vor einigen Jahrzehnten hier ankam. Dann sehnte ich mich immer
mehr nach einer Gefährtin, fand sie aber nicht. Bis ich dich traf.“
Sie erhob sich:“ Was ist an mir besonderes? Du suchtest zwei Jahrhunderte und
fandest keine Gemahlin?“
Er lächelte ihr zu:“ Keine, so wie du. Ich verliebte mich. Ganz einfach!“
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