Mein Satinnachthemd klebte an meiner Haut, durch die Feuchtigkeit in der Luft.
Ich drehte und wand mich unter meiner Bettdecke, doch ich konnte nicht schlafen.
Also setzte ich mich auf und legte den Kopf in meine Hände. Ich wollte etwas
gegen diese unerträgliche feuchte, warme Luft tun, die auf mir lag wie ein
Bleimantel. Ich stand auf und machte die Jalousie hoch. Dann trat ich hinaus auf
meinen Balkon. Die Luft draußen war auch nicht viel besser, sie roch nach Blumen
und feuchter Erde und ich hatte auf einmal große Lust einen Spaziergang zu
machen.
Ich zog eine kurze Shorts über und ging hinaus. Ich ging an den See, der an
meinem Haus lag. Und schaute auf den dunklen Wald, der sich vor mir monströs
erstreckte. Ich wusste nicht warum, aber ich fühlte mich seltsam angezogen von
dem Wald. Und ehe ich mich versah, stand ich schon zwischen den Bäumen.
Ich ging immer weiter, bis ich nicht mehr wusste wo ich war. Überall waren diese
gleich aussehenden und doch unidentischen Bäume und gaben mir ein
klaustrophobisches Gefühl.
Ich fühlte mich unwohl. Beobachtet. Ein Kribbeln ging durch jede Ader in meinen
Körper, und ich wusste was es war. Meine Angst, mein Adrenalin. Ich war panisch
und war kurz vorm Losschreien, doch ich wusste das mich niemand hören konnte.
Ich war tief allein im Wald. Aber dies war nur ein verzweifelt gefasster Gedanke
um mich zu beruhigen. Ich wusste, dass ich nicht allein war. Ich konnte nicht
mehr stehen bleiben, sträubte mich gegen den Bann, der mich im finsteren Wald
festhielt und rannte los. Ich rannte, von meiner Angst, meiner Panik getrieben,
so schnell ich konnte. Meine Lunge fing an zu stechen, doch ich ignorierte es.
Mein Drang zu Leben, davonzulaufen und keinen Blick mehr in den Wald zu werfen,
war übermannend.
Ich kam wieder auf den Weg und rannte weiter, doch ich war immer noch im Wald.
Plötzlich stolperte ich über eine hervorrangende Wurzel und fiel hin.
Meine Beine und Hände waren aufgeschürft und bluteten. Ich stand auf,
unterdrückte den stechenden, brennenden Schmerz und lief weiter. Endlich sah ich
das Ende des Waldes, dann den See und zugleich mein Haus. Ich lief weiter, holte
mit zitternden, brennenden Händen meinen Schlüssel raus und war so hastig beim
aufschließen, dass ich das Schlüsselloch zuerst verfehlte. Zum Glück steckte der
Schlüssel endlich drin und öffnete mit einem Klicken die Tür. Ich schlüpfte rein
und schlug die Tür härter als nötig zu. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und
ich atmete schwer. Dann lief ich in mein Zimmer, ließ die Jalousie wieder
runter, zog hastig meine Shorts aus und kroch unter meine Bettdecke.
Voller Erschöpfung schlief ich ein.
Am nächsten Morgen schien mir die Sonne ins Gesicht, jemand musste die Jalousie
hochgezogen haben. Als ich die Augen öffnete, blendeten mich die warmen
Strahlen.
Ich warf die Decke zurück und setzte mich auf. Langsam kam das, was mir letzte
Nacht widerfahren ist, wieder in mein Gedächnis zurück.
Als ich auf meinen Balkon trat, kamen mir die Ereignisse letzter Nacht garnicht
mehr real vor.
Ich ging runter und frühstückte. Doch ich hatte keinen großen Hunger, deswegen
aß ich nur ein halbes Brötchen.
In der folgenden Nacht konnte ich schon wieder nicht schlafen und abermals zog
es mich in den Wald.
Als ich wieder dort war packte mich die Angst erneut und ich wollte weglaufen.
Doch diesmal war es anders. Mein Körper wollte sich nicht mehr bewegen. Er war
starr vor Angst.
Plötzlich spürte ich einen Luftzug an meinem Hals und mir sträubten sich die
Nackenhaare.
Meine Augen waren zu schlecht, ich konnte nichts sehen, außer die schwachen
Umrisse der dunkeln Bäume und hinter den vorderen Bäumen den schwarze Rest des
Waldes.
Meine Furcht schnürte mir die Luft ab. Ich rang nach Luft und meine Beine gaben
nach. Ich fiel auf den nassen, moosbewachsenen Boden und schlang meine Arme um
meine Brust. Ich hatte solche Angst, die noch schlimmer war, als in der
vorherigen Nacht. In sekundenschnelle schien es mir, als sah ich ein Paar rote
Augen. Doch sie waren so schnell weg, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich
sie mir nicht eingebildet hatte. Die Taubheit verließ langsam meinen Körper und
ich stand langsam auf. Und als ich stand, lief ich los, wieder als ob mein Leben
davon abhing und wahrscheinlich war das auch so.
So ging es die nächsten drei Nächte lang, mit dem Unterschied, dass der Schmerz
und die Angst immer größer wurden und
ich immer mehr Anzeichen bekam, das mir klar wurde, dass wirklich etwas dort im
Wald war. In der ersten Nacht allein die Panik und der Bann, der mich dort
hielt. In der zweiten Nacht der Luftzug an meinem Nacken und die roten Augen, in
der Dritten ein süßlicher Duft, der mich betörte, in der Vierten schien es, als
schloss sich eine glatte, kalte Hand um meine Handgelenke und wollte mich
festhalten, in der Fünften spürte ich einen Kuss am Nacken und der süßliche Duft
stieg mir abermals in die Nase. Obwohl es erschreckend unheimlich war, was dort
mit mir in diesem düsteren Wald geschah, zog es mich auch in der sechsten Nacht
dorthin, doch die Angst blieb wie in den letzten fünf Nächten nicht aus.
Ich wusste den Weg schon und meine Füße trugen mich wie von allein dorthin.
Ich stand wieder im Wald und die Furcht kribbelte in meinen Adern. Ich wartete.
Für einen Moment sah ich die roten Augen, dann verschwanden sie hinter einen der
Bäume und zwei kalte, glatte Hände schlossen sich um meine Handgelenke.
Gleichzeitig brachte mich der süße Duft fast um den Verstand, der nun in meine
Nase stieg. Ich spürte einen Luftzug an meinem Nacken, mir wurd klar das es ein
Atmen glich. Ich spürte Küsse in meinem Nacken. Ich wollte mich umdrehen, doch
ich konnte nicht, der eiserne Griff der Kreatur hielt mich fest. Plötzlich war
ich wieder frei und ich drehte mich einmal um meine eigene Achse um die Kreatur
zu erhaschen, bevor sie in Bruchteilen von Sekunden wieder weg war.
Plötzlich glühten mir zwei rote Augen in Diemeinen und es schlossen sich wieder
die Hände um meine Handgelenke. Ich erschrak mich so, dass ich ein Stück
zurücksprang. Nun konnte ich dieses Wesen erkennen und es sah fast so aus wie
ein normaler Mensch:
Es war ein Mann, anfang zwanzig, mit kohlenschwarzem Haar, das zu einen
Pferdeschwanz, im Mondschein glänzend wie Seide seinem Rücken runterfiel und in
starken Kontrast zu seinen kirschroten Augen stand, ungefähr zwei Köpfe größer
als ich und mit einer Statur von einem Model. Er hatte ein rotes Hemd an, dazu
eine schwarze Hose und Schuhe aus schwarzen Wildleder. Ich fand ihn
atemberaubend schön! Nun grinste er mich an und entblößte zwei Reihen strahlend
weißer Zähne. Jedoch waren seine Eckzähne extrem spitz.
Ich wollte was sagen doch er legte mir einen Finger auf den Mund und gebot mir
zum Schweigen. Ich gehorchte.
" Mein Name ist Christian. Ich war es, der dich die letzten fünf Nächte in den
Wald gelockt hat, doch ich merkte, dass du noch nicht bereit warst. Ich
beobachte dich schon viele Jahre lang und ich weiß du bist die Eine.
Du hast gemerkt, ich bin nicht so wie du. Ich bin Vampir."
Mein Atem stockte, " Ein Vampir?", schoss es mir durch den Kopf. Er spürte
meinen Schrecken.
"Ich weiß, was du denkst. Doch habe keine Angst vor mir. Ich werde dich nicht
töten."
Er zog mich an sich, was in mir den Instinkt zu fliehen weckte, doch seiner
schier unglaublichen Kraft konnte ich nicht entkommen. Nun nahm er mein Gesicht
in seine Hände, seine roten Augen kamen immer näher und schließlich berührten
seine eiskalten Lippen meine. Ich erwiderte seinen Kuss und meine Hände fuhren
seinem Rücken hinunter, denn meine Handgelenke waren frei. Ich war ihm
verfallen. In mir entflammte eine Leidenschaft gemischt mit Liebe, die ich nie
zuvor empfunden hatte. " Darf ich dir den unsterblichen Kuss geben, Elisabeth?"
Ich hauchte: " Ja!"
Dann gruben sich seine spitzen Fangzähne auch schon in meinen Hals.
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