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Zorba
Zwölf Uhr. Mitternacht. Rika erwachte. Diesmal würde sie nicht jagen wie in
jeder Nacht, nein, diesmal hatte sie ein Ziel. Lange genug war es so kalt, dass
niemand nachts das Fenster aufließ, aber heute war es warm draußen. Rika war
glücklich. So lange hatte sie gewartet. Zu lange. Aber heute Nacht war es
endlich so weit, Vor Vorfreude musste sie grinsen. Am liebsten hätte sie es
allen erzählt, aber jemand hätte ihn warnen können, außerdem sollte keiner
wissen, dass sie ein Vampir war. Es würde so leicht werden. Sie würde einfach
durchs Fenster schweben. Endlich würde er bei ihr sein. Für immer. Sie zog sich
extra ihr schönstes Kleid an, nahm sich doppelt soviel Zeit zum schminken und
steckte sich eine rote Rose ins Haar, dann schwebte sie hinunter und flog durch
die Stadt bis zu seinem Haus. "Mist!", dachte sie, "Das Fenster ist zu!", dann
erblickte sie ein anderes Fenster. Es war das Küchenfenster, und…es war offen.
Sie schwebte also hinein, durch den Flur bis zu seinem Zimmer, öffnete lautlos
die Tür, betrat das Zimmer und schloss die Tür genauso lautlos, wie sie sie
geöffnet hatte; dann stellte sie sich neben sein Bett und weckte ihn vorsichtig.
"Bitte erschreck’ dich nicht, ich bin’s nur.", sagte sie leise.
"Wie bist du reingekommen?", fragte er. "Durchs Küchenfenster.", antwortete
Rika. "Das musst du mir noch mal erklären…und weshalb bist du hier, und weshalb
mitten in der Nacht?" "Nun, es gibt etwas, das du noch nicht weißt über mich…was
hältst du eigentlich von Vampiren?" "Ich finde sie faszinierend, weshalb fragst
du?" "Na ja, also…ich…", sie wusste nicht, wie sie es ihm sagen sollte. "Um
ehrlich zu sein, ich bin ein Vampir." Sie machte einen Schritt auf ihn zu. "Du??
Ein Vampir???" "Ja." "Wirst du mich jetzt töten?" "Nicht wirklich. Aber ich
würde dich gern in einen Vampir verwandeln, Dan.
Langsam wurde ihm ein bisschen mulmig. "Ich weiß nicht so recht,… ich
würde die Sonne gerne wieder sehen, außerdem habe ich Angst vor dem Biss!" "Nach
hundert Jahren ist selbst die Sonne keine Gefahr mehr für dich, und hundert
Jahre sind nicht lange, wenn du ewig lebst, außerdem heilen Wunden schneller,
was gerade für dich praktisch ist, wo du doch an allem rumschnitzen und kokeln
musst, haha! Und wegen dem Biss brauchst du keine Angst zu haben, der tut nicht
weh, vertrau mir.", sagte sie mit sanfter Stimme. "Ich vertraue dir.", sagte
Dan. Rika kam noch zwei schritte näher, umarmte ihn, er hielt ihr bereitwillig
seinen Hals hin. "Keine Angst, ich werde dir nicht wehtun.", sagte sie, dann
biss sie in seinen Hals.
Tatsächlich, es tat nicht weh, im Gegenteil, es fühlte sich gut an, nichts
hätte schöner sein können. "Bitte lass es nie aufhören.", dachte Dan. Er vergaß
alles um sie herum. Im Moment waren da nur noch Rika und er, sonst nichts. "Um
ein Vampir zu werden, musst du von meinem Blut trinken.", sagte Rika. "Wie soll
ich denn das tun, ich weiß doch gar nicht, wie das geht." "Du musst einfach nur
deine Eckzähne an meinem Hals ansetzen und zubeißen, dann musst du nur noch
warten, bis das Blut in deinen Mund strömt." "Und wenn ich dir dabei aus
versehen wehtue?" "Keine Angst, das passiert schon nicht." "Na gut." Dann
bohrten sich seine Zähne durch ihre Haut, und heißes, wohlschmeckendes Blut rann
seine Kehle hinunter. "Nun bist du auch ein Vampir. Ich schenke dir einen meiner
Särge, damit dich die nächsten hundert Jahre kein Sonnenstrahl berührt, und
morgen Nacht werde ich dir zeigen, wie man jagt. Nun lass uns die Schönheit der
Nacht genießen…"
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