Liebes Tagebuch,
Als ich das letzte Mal in dir schrieb und dir von meinen ersten Erfahrungen als
neu geschaffener Vampir erzählte, wusste ich noch nicht, wie es ist, einen
Menschen zu töten.
Es war vor zwei Tagen, der laue Nachtwind streifte mein Haar und der süße Geruch
von Blut lag in der Luft.
Ich setzte zum Sprung an und landete im von Schatten geprägten Stadtpark.
Ich schritt lautlos über den feuchten Rasen, keines von den herumliegenden
Herbstblättern raschelte, kein Zweig knackte, nicht einmal die herumstreunendern
Katzen wurden durch mich aufgeschreckt.
Als ich auf die große, dunkle Eiche zu kam, die mich seit meiner Kindheit als
Mensch das Fürchten lehrte, spürte ich nichts, kein Angstgefühl.
Ich beobachtete ein Liebespaar, dass wild am knutschen war, doch sich durch mich
nicht stören ließ.
Ich verließ den Stadtpark, da sich für mich nichts reizvolles bot und ging in
den nahe gelegenen Wald, der die Armen von den Wohlhabenen trennte.
Plötzlich regte sich etwas zu meiner Rechten.
Ein junger Mann hetzte durch das Gestrüpp, schwer atmend und wie vom Teufel
gejagt, dies machte mich neugierig und ich verfolgte ihn in einem unmenschlichen
Tempo bis zu einer Lichtung, dort erhellte der Vollmond das Gras, welches
dadurch in Blautönen schimmerte.
Er hielt an, sah zum Mond auf und drehte sich um, als ein weiterer in schwarz
gekleideter Mann an der Lichtung auftauchte.
Ich hatte ihn gar nicht gehört, was mich stutzig machte, doch ich
wollte wissen, was nun geschieht und blieb im Schatten einer großen Buche etwa
zehn Meter von ihm entfernt stehen, um alles genau beobachten zu können.
Der in schwarz gekleidete Mann schritt auf den verängstigten jungen Mann zu, der
sich, so schien es, vor Furcht nicht mehr rühren konnte.
Er packte ihn auf brutalste Weise an den Haaren und riss seinen Kopf zurück.
Dann schlug er seine Eckzähne in das Fleisch des Mannes und begann zu trinken.
Der junge Mann schlug um sich und versuchte den Vampir zu treffen, doch nichts
half sich zu befreien.
Schon bald war der Saft des Lebens aus dem Mann gesaugt und der Vampir schmiss
den schlaffen Körper weit in den Wald hinein. Er leckte sich mit der Zunge das
restliche Blut, was an seine Mundwinkeln klebte ab und sah zu mir rüber.
ich erschrak, als er aufeinmal vor mir stand und mich mit seinen wunderschönen
großen blauen Augen ansah.
Einen langen Moment schauten wir uns nur an und ich merkte, wie er mich musterte
und versuchte in meine Gedanken einzudringen, doch das, was ich von Lilien,
meiner Schöpferin als erstes lernte, war, wie man seine Gedanken vor anderen
Vampiren verbirgt.
,, Du bist also auch ein Vampir. Wie heißt du?"
,, Ich glaube ich habe dir noch nicht die Erlaubnis erteilt mich zu duzen."
,, Oh, entschuldigen Sie, Sir, ich bin noch nicht allzu lange Vampir und sie
sind der Erste, seit meiner Schöpferin, dem ich begegnet bin. Aber sagt mir,
warum duzt ihr mich, wenn ich euch nicht duzen darf?"
,, Für einen Neuling bist du ganz schön mutig mir eine solche Frage zu stellen.
Von Rangordnung hast du wohl noch nichts gehört."
Ich sah ihn nur mit meinen hellblauen, fast weißlichen Augen an und erst in
diesem moment bemerkte ich, wie schön er aussah, was für einen muskulösen Körper
er hatte und was für weiche Gesichtszüge.
Er kam eien Schritt näher und ich wich zurück bis ich den Stamm der Buche an
meinem Rücken spürte.
,, Du siehst blass aus, solltest ein wenig trinken."
,, Ich bin zufällig gerade auf der Jagt."
,, Hast du denn überhaupt schon mal einen Menschen getötet?"
,, Nein, Sir, dazu bin ich noch nicht gekommen."
Er sah mich an, als ob ich gerade einen Witz erzählte.
Dann nahm er mich an die Hand und zog mich hinauf in den Nachthimmel. ,, Ich
kann ja fliegen." ,, Alle Vampire können das."
Er flog mit mir über die Stadt und zeigte mir die bunte Welt von oben. Es fühlte
sich so gut an mit ihm durch die Nacht zu fliegen, dass ich ganz vergaß, dass
ich eigendlich nach Nahrung suchte und ich merkte, wie meine Gier wuchs und ich
mich kaum noch unter Kontrolle halten konnte.
an dem Ratshaus setzten wir zur Landung an und er zeigte auf eine Dame mittleren
Alters, die gerade in einer dunklen Gasse verschwand. Kaum wandte er sich wieder
mir zu war ich auch schon in der Dunkelheit der Gasse verschwunden. Ich drückte
die Frau gegen die kalte Mauer des Ratshauses und schlug ihr meine spitzen Zähne
in die Halsschlagader, sodass das Blut spritzte und mir den Hals runter lief.
Als ich fertig war sank die leblose Gestalt auf den Boden und mir wurde klar,
dass ich eine Bestie war, eine blutrünstige Figur, die sich durch den Lebenssaft
Blut am leben hielt.
,, Hat`s geschmeckt?"
Ich drehte mich mit bluverschmiertem Gesicht um und sah ihn, den Vampir, der mir
zeigte wie man mordet um zu überleben.
Er trat näher an mich heran und leckte mir mit seiner Zunge das restlicht Blut
von meinem Hals.
Mir wurde heiß, als er das tat.
Es fühlte sich an, als ob mein Blut zu kochen begann. Ich zog mit meiner Hand
seinen Kopf nach oben zu meinem Gesicht und küsste ihn.
Mit seiner Hand strich er über meine Brust und drückte mich an die Mauer.
Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns küssten in dieser Nacht, doch es hätte
unendlich lange so weiter gehen können.
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