|
Lady
Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutrot.
Ein zarter Wind strich durch die Bäume und ließ sie leise rauschen. Meine Haare
wirbelten leicht im Wind. Ich liebte diese Zeit des Tages, die Zeit, zwischen
Tag und Nacht, wenn die Nacht hereinbrach. Gerne ging ich dann noch durch den
Park, wie heute. Lautlos ging ich über den Weg. Ich war hungrig und hatte große
Lust, wieder die Angst der Menschen zu spüren, die Angst, wenn sie wussten das
sie verloren hatten, die Angst vor dem Tod... die Angst vor mir. Denn ich war
anders. Und ich war froh darüber, denn es machte unglaublich viel Spaß, so
anders zu sein. Auch war ich nicht allein. Es gab noch andere die so waren wie
ich.
Und heute war ich wieder auf der Jagd. Es war immer wie ein Spiel. Suchend sah
ich mich um. Da sah ich einen Obdachlosen langsam durch den Park schlürfen.
Nein, nicht der Richtige....Ich ging weiter und kam an eine Weggabelung Ich
wählte den Weg geradeaus. Dann sah ich einen jungen Mann der hastig über den Weg
lief. Perfekt. Ich wich vom Weg ab und ging in einem Bogen über den Rasen
lautlos auf den Mann zu.
Doch dann sah ich wie er von zwei Gestalten aufgehalten wurde, die plötzlich vor
ihm aufgetaucht waren. Sie sprachen miteinander. Wut kroch in mir hoch. Jetzt
konnte ich ihn nicht mehr nehmen. Die Gefahr war zu groß und es machte keinen
Spaß wenn mehr Menschen zusammen waren. Gerade wollte ich gehen, als mir etwas
an den beiden Männern auffiel, die mit dem Mann sprachen. In einiger Entfernung
stand eine Straßenlaterne die schwaches gelbes Licht auf den Weg warf. Ich
stutzte. Die beiden Männer warfen keine Schatten.
Ein grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. Natürlich. Lautlos ging ich
wieder von hinten auf den jungen Mann zu. Kurz hinter ihm blieb ich stehen. Er
hatte mich nicht gehört. Die Männer redeten weiter. ´Es ist wirklich gefährlich,
um diese Zeit noch alleine rumzulaufen.` sagte einer der Männer zu dem jungen
Mann.´ Passieren merkwürdige Dinge´ ergänzte er. `Ja, ich habe auch schon davon
gehört´ erwiderte der junge Mann. ´Man muss wirklich vorsichtig sein, es heißt
nämlich es gäbe Vampire, hier in der Nähe und es soll auch schon Opfer gegeben
haben.´ sagte der eine der beiden Männer.
´Ach, Vampire, ich bitte sie! Wer glaubt denn so einen Schwachsinn! Diese
Menschen wurden wahrscheinlich von irgendeinem Verrückten abgestochen oder so.
Hier in New York gibt es davon ja genug.
´sagte der junge Mann. ´ Glauben sie....nicht, das es doch Vampire geben
könnte?´ fragte der andere Mann. ´Nein, wieso meinen sie das?´ fragte der junge
Mann. Leichte Verunsicherung schwang in seiner Stimme mit. Darauf sagte der
andere Mann nur mit einem leichten Lächeln: ´Sie sollten wirklich vorsichtig
sein....´ .´ Was meinen sie damit?´ fragte der junge Mann nun mit stark
verunsicherter Stimme.
Ich grinste. Das war typisch für Jojo. Er spielte genauso gerne mit seinen
Opfern wie ich. Da sah Jojo an dem jungen Mann vorbei und erblickte mich. Unsere
Blicke trafen sich. Er nickte mir fast unmerkbar zu. Sein Lächeln wurde zu einem
grinsen das sich immer weiter auf seinem Gesicht ausbreitete. Der junge Mann
schien nun total irritiert und wurde ängstlich: ´Warum grinsen sie mich so an?
Was wollen sie überhaupt von mir?´ Er trat einen Schritt zurück. Sofort wich ich
ebenfalls zurück, doch für einen kurzen Moment berührten sich unsere Füße. Der
junge Mann erstarrte.
Nun war es Zeit. Endlich. Langsam glitten meine Fangzähne über meine Lippen. Ich
ging einen kleinen Schritt auf den jungen Mann zu und beugte meinen Kopf zu
seinem Hals. Ich konnte die Angst des Mannes spüren. Der Mann hatte mich
gespürt, er hatte nun endlich verstanden. Er hatte verstanden das er in der
Falle saß. Ich spürte auch die Wärme die von ihm ausging, ich roch seine Haut,
seine Angst. Dann versenkte ich meine Fangzähne in dem Hals des Mannes. Warmes
Blut benetzte meine Lippen. Genüsslich trank ich ein wenig. Der junge Mann hatte
nicht geschrien. Die meisten schrieen nicht, sie waren alle immer zu geschockt,
sie waren immer vor Angst wie gelähmt. Ich ließ den Mann los. Schlaff sackte er
auf den Boden. Er war ein gutes Opfer gewesen. Guter Jahrgang. Die beiden
anderen Vampire grinsten mich an. Ich grinste zurück. Dann wirbelten beide um
sich selbst und flogen als Fledermäuse hinein in den tiefblauen Nachthimmel. Ich
schaute ihnen eine Weile hinterher, dann folgte ich ihrem Beispiel.
zurück
Kontakt zum Autor: Wenn Ihr auf den Künstlernamen unter dem Tabellenkopf klickt
(nicht bei allen Geschichten möglich)
|