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Michael Schindler
Sie versammeln sich im Schlossgarten. Im Kreis aus ihren teuren Kleidern und
ihrem hochnäsigen Gehabe ist sie. Meine Liebe. Was für ein schönes Kleid man dir
angezogen hat. Es betont deine bleichen Wangen.
Ich bin nur ein Beobachter. Die alten Wachtürme des Schlosses wurden seit
Jahrzehnten nicht mehr benutzt. Ein ideales Versteck für Leute wie mich. Ich
kann von hier aus den ganzen Garten überblicken.
Der Mond scheint heute Nacht so schön. Auch zu so trauriger Stunde. Deine
Schönheit ist immer noch so atemberaubend, wie zuvor. Ich wünschte, ich könnte
zu dir herabsteigen und dich aus deinem hölzernen Bett heben. Aber es bleibt mir
verwehrt.
Der Priester kommt. Er drängt sich durch die Massen aus gebeugten Personen. Es
ist schon ein seltsamer Zeitpunkt für einen Gottesdienst, so mitten in der
Nacht. Ein Zeitpunkt, den der Heuchler wählt um etwas möglichst geheim zu
halten.
Ach, meine Liebe du siehst so friedlich aus. Merkst du denn die Aufregung um
dich nicht? Ich glaube nicht. Unter den Gästen verbirgt er sich. Der Heuchler.
Er gibt vor zu fühlen, aber das kann er nicht. Ich sehe sein falsches Gesicht.
Mir laufen Tränen über die Wangen. Ich habe schon seit hunderten von Jahren
nicht mehr geweint.
Sag es mir, Gott. Dürfen wir nicht auch lieben? Hast du dein Gesicht von uns
abgewendet? Und woher weiß ich, dass du mir nicht antworten wirst?
Meine Liebe, weißt du noch? Das letzte Mal, als ich dich besuchte. Das letzte
Mal, als wir uns liebten. Ich glaube du erinnerst dich nicht mehr. Mein Geschenk
hast du nie erhalten. Ich wollte es dir gerade geben. Ein Geschenk, das uns für
immer vereint hätte.
Wir waren auf deinem Zimmer. Dann ging plötzlich die Tür auf. Der Heuchler hatte
uns entdeckt. Er war wütend, denn er wollte dich für sich. Aber er hatte dich
nicht verdient.
Man hat meine Liebe von mir gerissen. Mich hat man mit Dolchen durchbohrt und in
den Wald geworfen. Schade, dass mich das nicht töten konnte.
Jetzt geht der Heuchler zu ihr herüber und küsst ihre Stirn. Der Priester hat
gerade mit der Messe begonnen. Mit deiner Beerdigung.
Ich war so dumm. Warum bin losgezogen und habe mich erneut verliebt? Es war das
Selbe erneut geschehen. Der Heuchler war eifersüchtig und hat dich getötet. Es
tut mir so leid. Alles ist meine Schuld. Jetzt liegst du da. Mir so nahe und
doch unerreichbar. Hätte ich dir mein Geschenk doch früher gemacht. Wir könnten
noch immer zusammen sein. Aber ich habe nachgedacht, meine Liebe. Wir werden uns
wieder vereinen. Zuerst muss ich nach deiner Bestattung noch den Heuchler
erschlagen.
Dann werde ich mir ein letztes Mal die Sonne ansehen. Sie wird uns wieder
vereinen. Diesmal für immer und ewig. Ich habe mir geschworen dich nicht zu
verlassen.
Bis zur Morgendämmerung, meine Liebe. Ich kann es kaum noch erwarten.
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