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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Ein Wandel

 

Laverne

 

Was ist geschehen? Ich erinnere mich nicht mehr... Es hängt alles im Nebel der Ungewissheit. Woher kommt dieser schale, ein wenig nach Eisen schmeckender Geschmack?
Ich stehe auf, mir ist übel.
Was ist letzte nacht passiert?

Es reichte mir, nach dem Streit mit meiner Mutter ging ich in mein Zimmer und langweilte mich nur. Ruhelos nahm ich ein Buch, warf es wieder in die Ecke. Machte Musik an, konnte mich aber nicht entscheiden, was ich hören wollte. Drum schaltete ich aus, setzte mich hin und lauschte: Stille. Mutter war schlafen gegangen, es war spät. Ich schaute auf die Uhr. Ein Uhr. Ich entschied mich noch rauszuschleichen.
Die Luft war warm, laue Sommernächte verheißend. Ich wusste nicht wo hin ich wollte, ließ meine Schritte mich einfach führen, bis ich in den Park gelangte. Keine Menschenseele war dort, fast schon unheimlich. Doch ich war noch nie wirklich ängstlich.
Hinter mir hörte ich Schritte, vorsichtig schaute ich mich um. Nur keine schnellen Bewegungen, keine Aufmerksamkeit erregen. Zwei junge Männer, älter und auf jedenfall muskulöser als ich. Schon klar, ich finde bei Frauen zu viele Muskeln unattraktiv, doch diesmal hätte ich zu gern eine Bodybuildingstatur gehabt. Ärger lag in der Luft. Die zwei Typen kamen auf mich zu, rempelten sich gegenseitig an und lachten. Auf einmal standen sie neben mir. "Na süße? Was machst du so alleine hier? Brauchst ein wenig Begleitung?", fragte einer. Er stank nach Alkohol. Plötzlich packte der andere mich schmerzhaft am Arm. "Komm in meine Arme, dort bist du sicher."
"Loslassen!" Wie soll man, bzw. Frau reagieren, wenn sie von zwei Besoffenen angepöbelt wird? Das einzige was ich gefunden hatte, war mich dem Griff zu entziehen, indem ich einen gut platzierten Tritt verabreichte in den Teil des Körpers, der in diesem Moment bei dem Mann dachte. Er schrie auf krümmte sich zusammen und ließ mich los, doch der eine schnappte mich schnell von hinten. "Was soll das du Schlampe?", sein Gesicht war rot vor Zorn und er drehte mir die Arme nach hinten. Ich schrie auf vor Schmerz. Trat wild um mich, bis ich spürte, wie der Typ seinen Griff lockerte und dann ganz von mir abließ.
Ich fiel zu Boden, rieb meine schmerzenden Arme. Dann schaute ich mich um. Die zwei Männer lagen auf dem Boden. Reglos. Ich näherte mich vorsichtig. Tod. Ich unterdrückte einen Schrei und lief fort. Was hatte die zwei getötet?

Am nächsten Morgen ließ ich mir nichts von der vergangenen Nacht anmerken. Immerhin hatte ich mich weggeschlichen.
Ich ging zur Schule, der Unterricht begann normal wie immer. Doch dann klopfte es. Unser Lehrer stand auf und meinte: "Ah... unser neuer Schüler?"
Neuer Schüler? Warum wurde uns das nicht vorher gesagt?
Er hieß Jarrod. Man setzte ihn neben mich.
Er kam aus einem Örtchen etwas abgelegen von unserer Stadt. Er hatte schwarzes Haar, dunkle Augen und ein charmantes Lächeln. An ihm war etwas, was mich erschreckte, doch auch neugierig machte. Da war irgendein Mysterium, das zu ergründen es sich lohnte.
Er sprach mit mir, seine Stimme war tief und angenehm. Er sprach mit der Wortgewandtheit eines Poeten und konnte jedes Mädchen aus der Klasse sofort um den kleinen Finger wickeln. Das war mir nicht geheuer. Mein Gefühl sagte mir, mich von ihm fern zu halten. Doch schlug ich dies in den Wind. Er war mir trotz allem sympathisch.
Er erzählte mir von seinem Haus, seine Hobbys.
Wir wurden zu Freunden. Doch ich wusste, da war noch etwas anderes.
Eines Tages lud er mich auf' s Wochenende zu sich ein. Ich nahm an.
Das Haus seiner Familie konnte man gar nicht mehr als Haus bezeichnen, es war noch größer als eine Villa, ein halbes Schloss.
Jarrod führte mich ins Wohnzimmer. Ein weiter Raum, mit alten schweren Möbeln ausgestattet. Er schenkte uns Wein ein. Ein edler Tropfen.
Dann durchbrach er die Stille: "Zoe. Ich weiß du fühlst es auch?"
"Was fühle ich?", fragte ich, obwohl ich wusste wovon er sprach.
"Du fühlst auch, dass mehr zwischen uns ist als Freundschaft. Es ist Liebe, Seelenverwandtschaft!"
Er war aufgestanden und hatte mich vom Sessel gezogen.
"Ich liebe dich, seitdem ich dich im Park gesehen habe."
"Im Park? Warum hast du mir dann nicht geholfen?"
"Natürlich habe ich dir geholfen!" Langsam dämmerte die Erkenntnis.
Ich zog meine Hände aus den seinen. "Was hast du mit ihnen gemacht?"
"Ihnen ihren Lebenssaft ausgesaugt."
Ich fuhr auf vor Schreck, ein Vampir! Nosferatu. Ich hielt diese Gestalten für Hirngespinste, doch jetzt sah ich, als er den Mund öffnete seine spitzen Eckzähne aufblitzen. Die Zähne ausgefahren zum...
Er nahm mich in seine Arme. "Was willst du?", fragte ich mit gebrochener Stimme?" "Ich will, dass du mein bist auf alle Ewigkeit."
"Niemals!" Ich riss mich aus seinen Armen, doch mir wurde schwarz vor Augen. "Schlaf", sagte er sanft. Er hatte mir ein Schlafmittel in den Trank gemischt.

Als ich aufwachte, lag ich hier in diesem Zimmer, in diesem Bett. Mein ganzer Körper schmerzt und dieser Geschmack lässt sich nicht vertreiben. Jarrod kommt ins Zimmer. "Was hast du getan?", frage ich ihn vorwurfsvoll.
"Dich zu dem gemacht, was du von Anfang an sein müsstest. Ich habe dein Blut getrunken, du das meine."
"Warum?"
"Wir gehören zueinander."
Er küsst mich, hält mich in seinen Armen und ich fühle mich trotz allem wohl und geborgen.

 

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