Seit alters her gilt die Fledermaus, das
»Wesen zwischen Nacht und Tag«, bei vielen Völkern als Tier des Teufels.
Besonders bekannt wurden im Zusammenhang mit den Vampiren die nach
diesen benannten »Vampirfledermäuse«, auch gerne nur »Vampir« genannt.
Die Ordnung der Fledermäuse (Chiroptera)
besteht derzeit aus 18 Familien in zwei Unterordnungen: den
Migrochiroptera (eigentliche Fledermäuse) mit 782 Arten und
Körpergewichten von 5 bis 100 g und den Megachiroptera (Flughunden) mit
175 Arten (100 bis 1.000 g). Unter all’ diesen haben die Vampire (drei
Arten in der Fledermaus-Unterfamilie der Desmodontinae) das am höchsten
entwickelte Sozialverhalten und sind am »liebevollsten«.
Der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus)
ernährt sich vom Blut von Säugetieren - und nur davon –, indem er ein
Stück Haut abbeißt oder aber eine Ader punktiert und dann das laufende
Blut aufleckt; er ist also kein richtiger »Blutsauger«. Ein 25 Gramm
schweres Tier kann gut 15 Milliliter Blut schlucken; es ist dann so
schwer, dass es nicht mehr fliegen kann und zu Fuß zur Höhle
zurückkehrt. Nach ca. 60 Stunden ohne Nahrungsaufnahme stirbt ein
Vampir; hungrige Tiere werden deshalb von ihren Artgenossen mit Blut
gefüttert.
Direkt können die Vampire dem Menschen
nicht gefährlich werden, doch sind sie gefürchtet als
Krankheitsüberträger, besonders der Tollwut. Deshalb werden sie in
Südamerika stark bejagt, teilweise zu Zehntausenden in ihren Höhlen
vergast. Im Juli 1999 sorgten durch blutsaugende Fledermäuse in Peru
verursachte Tollwutfälle weltweit für Schlagzeilen, in Großbritannien
kam es Ende November 2002 zu einen Todesfall nach einem Biss durch eine
Fledermaus! Ende Mai 2004 wurden aus Brasilien mindestens 22 Totesfälle
infolge von Tollwut nach Fledermausbissen gemeldet.
Andererseits: Der Speichel der
Vampirfledermäuse kann in Zukunft sehr gute Dienste bei der Behandlung
von Thrombosen und Schlaganfallgeschädigten leisten.
Auch wenn die Phylogenie
(Stammesgeschichte) der Fledermäuse keineswegs als geklärt gelten kann,
ist doch zumindest ziemlich sicher, daß sie gemeinsame Vorfahren mit den
Menschen haben; manche Systematiker ordnen einige Arten sogar – wie den
Menschen – unter den Primaten ein.
»Wo und wann beginnt die
Stammesgeschichte der Fledermäuse? Niemand kann es sagen, obwohl in
jedem Lehrbuch steht, die Urväter der Fledermäuse seien die Insectivora
gewesen. [...] Seit der australische Neurobiologe Pettigrew die
Megachiropteren aufgrund ihrer Sehbahn zum Mittelhirn als fliegende
Primaten bezeichnete [1986], scheint ein Teil der Fledermäuse wieder
unter das Dach der Primaten zurückzuwandern. [...] So ist die Frage der
phylogenetischen Systematik der Fledermäuse mehr denn je in der
Diskussion. [...] Die Penismorphologie stellt die Chiropteren in die
Nähe der Primaten. [...] Unabhängig von den Verwandschaftsbeziehungen
zwischen Mikro- und Megachiropteren bleibt festzuhalten, daß alle
Chiropteren den Primaten durch eine Reihe von Merkmalen nahestehen.«
(Neuweiler)
Dies unterstützt die im Teil »Biologie
der Vampire« entworfene These, wenn es denn Vampire gäbe, so könnten es
Wesen sein, die sich im Laufe der Evolution aus einem von Blut lebenden
Tier parallel zum Menschen entwickelt hätten. Wenn es ein solches Tier
gibt, dürfte es von den Vorfahren der Vampirfledermäuse abstammen!
Gerhard NEUWEILER: Biologie der
Fledermäuse – Stuttgart/New York 1993
Klaus RICHARZ, Alfred LIMBRUNNER: Fledermäuse – Fliegende Kobolde der
Nacht – Stuttgart 1992
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