Milzbrand (Anthrax) ist neben Tollwut,
Tuberkulose und Scheintod eine der wahrscheinlichen »natürlichen«
Ursachen für die Entstehung des Vampirmythos – und hat sicher stark
beigetragen zum heutigen Bild des Vampirs.
Ursache der Krankheit ist der Milzbrand-Bazillus (bacillus anthracis),
der 1849 im Blut infizierter Schafe entdeckt wurde und bis heute zu den
gefährlichsten Erregern gehört. Aufgrund von geheimen Militärversuchen
wurden ganze Inseln unbewohnbar; noch Jahre nach dem Tod aller
infizierten Tiere und Menschen ist die Erde hoch ansteckend. Nur mit
hohen Penicillindosen ist die Krankheit zu bekämpfen und führt immer
noch häufig zum Tode. Bei Tierärzten und ähnlichen Berufen ist Milzbrand
als Berufskrankheit anerkannt.
Der Wiener Pathologe und Gerichtsmediziner Prof. Christian Reiter konnte
nachweisen, daß der berühmte Fall des Peter Plogojowiz, der 1725 als
Vampir in einem serbischen Dorf nahe der türkischen Grenze 9 Menschen
getötet haben soll, Anlaß war für die fast schon seuchenartige
Verbreitung des Vampirglaubens, und zwar in der spezifisch serbischen
Form – nicht einmal 50 Jahre später gab es Dutzende (wissenschaftliche)
Bücher zum Thema und konnte sich Voltaire lustig machen über die
Verbreitung dieses Aberglaubens.
Milzbrand gilt inzwischen als Ursache für die Todesfälle wie für die
Wahnvorstellungen als erwiesen. Denn »nur Viehzüchter und Bergleute
wurden von der Krankheit befallen, dort stationierte Soldaten hingegen
nicht« - und nur die hungernde einheimische Bevölkerung aß das Fleisch
verendeter Tiere, war darauf sogar angewiesen. Man glaubte, diese Tiere
seien Opfer eines Vampirs geworden, doch es handelte sich wohl um
Milzbrand. Besonders trat die Krankheit dann auch nach den Festen im
Spätherbst auf, wenn geschlachtet wurde.
Die beschriebenen Symptome passen perfekt: hohes Fieber, rasanter
Kräfteverfall, Krämpfe in Brust und Magen, Herzbeschwerden - und die
Wahnvorstellungen der Betroffenen erklärt Reiter sehr plausibel: »Bei
Atemwegserkrankungen kommt es durch die mangelnde Versorgung mit
Sauerstoff zu einer Umnachtung des Geistes.«
empfehlenswerte Literatur:
Gottfried KIRCHNER: Terra X – Schatzsucher, Ritter und Vampire – München
1997
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