Die Tuberkulose, die als Schwindsucht in
Literatur und Oper immer wieder die Besten dahinrafft, ist neben
Tollwut, Milzbrand und Scheintod eine der wahrscheinlichen »natürlichen«
Ursachen für die Entstehung des Vampirmythos.
Erreger ist überwiegend das
Myobacterium tuberculosis, in Ländern mit Rindertuberkulose auch das
Myobacterium bovis. Die Ansteckung erfolgt am häufigsten durch
Tröpfcheninfektion. Noch immer ist die Krankheit in Entwicklungsländern
eine gefürchtete Seuche, an der Millionen Menschen sterben, und durch
die zunehmende Antibiotika-Restistenz und immer schlechter werdende
Impfhygiene wird sie auch in entwickelten Ländern wieder bedrohlicher,
insbesondere in Osteuropa. Die WHO wies im März 2004 darauf hin, dass
dort die Antibiotika-Resistenz bedrohliche Ausmaße angenommen habe, aber
auch uns ist die Entwicklung bedenklich: 2002 waren in Deutschland
12,1 % aller Erreger gegen mindestens eines der 5
Standardantibioika resistent.
Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich,
jährlich erkranken mehr als acht Millionen Menschen an Tuberkulose, von
denen etwa ein Drittel an den Folgen der Krankheit stirbt. Damit liegt
die Tuberkulose-Sterblichkeit bei etwa 40 Toten pro 100.000
EinwohnerInnen; in Europa ist sie in den GUS-Staaten am höchsten mit
etwa 20 Toten pro 100.000 EinwohnerInnen (Stand 2003).
Wie sehr die Tuberkulose beigetragen
haben mag zum Erhalt des Vampirglaubens, beweist ein Fund, den man 1993
in Connecticut, USA, gemacht hat: das Skelett eines Vampirs – die
Überreste eines großen Mannes, enthauptet, die Beinknochen gekreuzt und
der Schädel auf diese drapiert. Zusätzlich wurde bei dieser
Vampirhinrichtung à la USA der Brustkorb zertrümmert, wohl um das Herz
zu entfernen, zu verbrennen und die Asche, mit Flüssigkeit gemischt, als
Schutztrunk zu verwenden. Da die Initialen des Toten »J.B.« lauteten und
er auf dem Familienfriedhof der Familie Walton lag, tauften ihn die
Forscher nach der Fernsehserie »John Boy«. Er war wahrscheinlich das
erste Opfer einer Tuberkulose-Epidemie, die im 19. Jahrhundert die
Familie heimsuchte. Als später die übrigen Familienmitglieder
dahinsiechten, kam ein erster Verdacht auf, als sie ihn ausgruben,
fanden sie einen aufgedunsenen, also »gut genährten« Leichnam – der
Schluß lag nahe, John Boy sei ein Wiedergänger, ein Vampir.
Ironischerweise trug das Vampir-Ritual zur Verbreitung der Krankheit bei
– bei der Zertrümmerung der Knochen wurde der Bazillus verbreitet,
ebenso bei der Zubereitung und Aufnahme des »Schutztrunkes«. Und auch
heute könnte der »Fluch des Vampirs« zuschlagen – denn Tuberkelbazillen
sind im Grab mindestens Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte
überlebensfähig!
Literatur:
Heinz SPIESS: Impfkompendium – Stuttgart/New York (4)1994
Gottfried KIRCHNER: Terra X – Schatzsucher, Ritter und Vampire – München
1997
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