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Vampir Geschichten

Kurzgeschichten über die Nachtwesen

Tödlicher Übergang


(Mittel: 7572 Zeichen)
 JOANA ANGELIDES Online seid 07.04.2006
(1784 mal gelesen)

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Die Ampel stand auf Rot, es regnete in Strömen. Der Radiosprecher sprach vom Wetter, als würde es ihn in Wirklichkeit gar nicht interessieren.

Sie interessierte das Wetter von morgen auch nicht mehr. Sie wird heute in den Fluß eintauchen und sich den Fluten ergeben, den Tod suchen.
Paul war nicht mehr, das Leben ohne ihn war triste und grau, freudlos die Abende und bedrückend die schlaflosen Nächte.
Ihre täglichen Besuche an seinem Grab brachten keine Erleichterung, im Gegenteil, sie erzeugten Sehnsucht. Sehnsucht bei ihm zu sein, diese Welt der endlosen Finsternis mit ihm zu teilen.

Der schwarze Ford hinter ihr sah irgendwie bedrohlich aus. Es war nicht alleine die Farbe, auch der Fahrer erschien ihr irgendwie unheimlich. Sie konnte sein Gesicht zwar nicht sehen, da sich die Straßenbeleuchtung in der Scheibe spiegelte, aber der tief ins Gesicht gezogene Hut vervollständigte den unheimlichen Eindruck.

Nach der Brücke wird sie links abbiegen und der Ford wird weiter fahren.

Endlich sprang die Ampel auf Grün und sie fuhr über die Brücke, der Ford klebte an ihrer Stoßstange.

Als sie, wie beabsichtigt, links abbog und neben der Brücke am Fluß anhielt, bog auch der unheimliche Wagen ab, blieb hinter ihr stehen und die Scheinwerfer erlöschten.
Es schien, dass er wartete.

Worauf?

Es war ihr egal, sie öffnete die Wagentüre, ließ sie offen und schritt langsam zum Ufer des Flusses und starrte ins Leere.

Sie stand im Regen und spürte ihn nicht. Es regnete seit Tagen, doch da es auch in ihrem Inneren grau und feucht war, ihre Tränen nach innen flossen, war er nicht spürbar.

Die Stadt flimmerte an der gegenüberliegenden Seite des Flusses, die Lichter tanzten unruhig auf und nieder am vorbei strömenden Wasser. Die Strömung war träge, wie es eben bei so großen Flüssen immer ist. Die Geräusche kamen nur gedämpft herüber, verloren sich in der Weite des Flußbettes.

Niemand hört die leisen Schreie der zum Leben verurteilten.

Es gibt Nächte wie schwarzes Glas, sie lassen die seltenen Nächte aus dunkel blauem Samt vergessen, diese sind Vergangenheit.

Die Sehnsucht, sich Umarmen zu lassen erreichte ihren Höhepunkt.

Es wäre Erlösung für sie, sich von den Wellen empfangen, umschließen zu lassen vom schwarzen Glas der Fluten. Sie hört die Rufe aus der Tiefe, es sind die Stimmen der Sirenen, die flüstern und säuseln. Die Wellen erzeugen Bewegungen, Treppen gleich, die abwärts führen. Sie war vor Tränen fast blind, sie will diese imaginäre Treppe hinab gehen, sich ziehen und locken lassen. Der Tod scheint sie mit ehernen Armen zu umklammern, die Strudel werden sie hinab in die Erlösung ziehen, sie spürt so etwas wie eine Erleichterung.


„Nein, tun sie es nicht!“ Seine dunkle Gestalt steht plötzlich genau hinter ihr, sie haben fast Körperkontakt.

Was war das für eine Stimme? Dunkel und hohl klingend, energisch und fordernd.
Sie hält den Atem an und zieht die Schultern hoch. Ihr Körper wird steif und die Kälte kriecht von den Beinen langsam zu ihrem Herzen, in die Arme und die Fingerspitzen.

„Lassen sie mich in Ruhe!“ Schreit sie fast.

„Das, was sie vorhaben, ist einfach keine Lösung für ihr Problem. der Schmerz und die Trauer wird zwar von einem Moment auf den Anderen verschwinden, sie werden aber dann gar nichts mehr fühlen. Kommen sie mit mir, ich eröffne ihnen eine Welt des ewigen Schmerzes, der Finsternis, aber des Genusses. Jahrhunderte werden vergehen in körperlosem Schweben, Suchen und Finden!“

Sie hörte seine Worte, verstand aber die Bedeutung in keiner Weise.

War dies der Tod? War dies der Eintritt ins Jenseits, von dem sie sich eigentlich ein Ende der
Einsamkeit und Trauer, ein Ende allen Schmerzes und Fühlens erwartete?


Sie drehte sich langsam um und erschauerte. Sein Gesicht unter dem großen schwarzen Hut wirkte bleich und knochig. Seine Augen lagen tief in den Höhlen, schwarz und nicht erkennbarer Iris.

Soll sie sich in seine Arme begeben, ihm ihr Leben und ihre Seele übergeben und endlich frei sein von der Last des Lebens?
Fragen über Fragen stürmten über sie herein und sie fand keine Antwort.

Er hob einen Arm und es tat sich ein schwarzer Umhang auf, innen rot gefüttert und knisternd.

Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie zu sich heran.

Ihr Gesicht hob sich empor, es war tränenüberströmt, die Lippen halb geöffnet und die Augen weit aufgerissen.

Er hielt sie fest, ließ ihr keine Möglichkeit auszuweichen. Ihre beiden Körper waren eng aneinander gepreßt, er spürte ihren Körper, der voller Leben war, roch ihren Duft und ihre Angst und das machte sie begehrenswert für ihn.
Er wollte sie haben, sie mit sich nehmen in seine Welt, Jahrhunderte lang!

Sie erschrack, was machte sie da, wieso ließ sie sich von diesem fremden Mann umarmen, als wären sie ein Liebespaar?
Seine Umarmung löste Erinnerung an Vergangenes aus, an Umarmungen und Berührungen. Längst vergessene Träume.

Nur einen Moment sich fallen lassen, diese Umarmung umzusetzen in Sehnsüchte und Träume, das wollte sie für einen Augenblick geniessen.

Er spürte, wie sie sich entspannte, ja sich fast fallen ließ und wenn er sie nicht so fest gehalten hätte, wäre sie vielleicht zu Boden geglitten.

„Paul, bist du das?“ Sie flüsterte es fast.

„Ja, ich bin der, der du willst, dass ich bin,“ er senkte seine Stimme und flüsterte es ihr ins Ohr.

Für sie war es der scheinbare Übergang vom Leben in den Tod, sie glitt einfach in eine andere Ebene und ergab sich.

Sein Mund strich langsam vom Ohr über ihre Wange zum Hals. Dort, wo er die Schlagader spürte, die pochte und das Blut pulsierend durchjagte. Ihr Herz klopfte wie der Hammer am Amboß.

Sie spürte das Eintauchen seiner Zähne kaum, sie standen minutenlang still und sie genoß, wie der Saft des Lebens aus ihr heraus rann, wie er es gierig aufsaugte und dabei mit einem Arm auf ihrem Rücken auf und ab glitt. Sie spürte eine Erregung aufsteigen, die ihr fremd war. Wild und schrill, im Inneren schreiend und ihren ganzen Körper erfassend. Der Körper glühte und sie stand in Flammen, ohne wirklich zu verbrennen.


Ihr Körper wurde leicht und aller Schmerz und auch Trauer verschwanden plötzlich.

Sie hatte den Eindruck, dass sie sich beide erhoben, über den dunklen Fluß glitten, alles unter sich lassend.

Plötzlich war alles bedeutungslos, die dunklen, über den Himmel jagenden Wolken wurden zu wohlbekannten Gebilden. Sie hörte viele Stimmen, die sie vorher nie hörte. Es war Heulen und Raunen in der Luft, Sie sah tief unter sich glühende tiefe Schächte, Körper die sich winden, andere die vorbei flogen. In der Ferne war das Krächzen von Raben zu hören.

Die Dunkelheit umfing sie, sie wollte nie wieder die Sonne sehen, wollte sich in der Dunkelheit verkriechen.

War das der Tod, oder nur die Vorstufe zur Unterwelt? Wo war der Fluß?

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